Autor Thema: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie  (Gelesen 697 mal)

Erik W.

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Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« am: Januar 13, 2021, 13:14:56 Nachmittag »
Guten Tag Zusammen,

ich bewundere ja immer die ausgezeichnete Qualität der Fotos hier im Forum. Dann nehme ich beim Tümpeln das „Leben im Wassertropfen“ in die Hand und überlege, wie viele Fotos wohl nötig sind, um die wichtigsten dort gezeichneten Merkmale abzubilden. Im Ergebnis sind immer mehr Fotos als ein Bild  notwendig.
Vor etlichen Jahren zeichnete nach meiner Erinnerung Peter Kerwin sehr gut, heute gibt es noch Gerhard als ausgezeichneten Dünnschliffzeichner und dann fällt mir schon niemand weiter ein, der hier Zeichnungen zum Besten gegeben hätte. Dabei wäre doch gerade die Tümplerfraktion prädestiniert für diese Methode.
Warum führt also das wissenschaftliche Zeichnen eine so kleine Nische. Kann ein guter Handzeichner nicht sogar in viel kürzerer Zeit einen Einzeller detailliert aufs Papier bringen, als ein guter Fotograf für die Aufnahme Dutzender Bilder plus Nachbearbeitung benötigt?
Wer die Kahl Bände kennt: der Mann muss doch rasend schnell gezeichnet haben bei dem Volumen an Zeichnungen.

Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema?

VG, Erik

Bernd Miggel

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #1 am: Januar 13, 2021, 13:39:51 Nachmittag »
Hallo Erik,

im Bereich der Pilzkunde haben sich im Laufe der letzten Jahre gute Fotos, vor allem mit Stacken, etabliert.
Trotzdem haben Handzeichnungen der Mikrostrukturen immer noch ihren festen Platz, vor allem in wissensch. Aufsätzen und Monografien.

Ich selber wäre froh, wenn ich brauchbare Zeichnungen ohne spezielle Hilfsmittel hinbekommen würde.
Vielleicht kennt jemand einen Leitfaden zum schrittweisen Vorgehen. :)

L.G. - Bernd

Erik W.

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #2 am: Januar 13, 2021, 14:05:21 Nachmittag »
Hallo Bernd,

ein Leitfaden habe ich nicht. Es gibt einen Nachdruck von Klaus Honomichl‘s, „Wissenschaftliches Zeichnen in der Biologie und Verwandten Disziplinen (German Edition)“. Ich kenne das Buch aber nicht.

Viele Grüße,

Erik

piu58

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #3 am: Januar 13, 2021, 14:27:44 Nachmittag »
Ich zeichne eigentlich immer, wenn ich beobachte. Allerdings ist das dann eben doch so weit weg von den Fotos hier, dass ich es nicht einstelle.

Dennoch verbessert es die Wahrnehmung ungeheuer. Man muss sich eben auf das konzentrieren, was man abbilden woll. Und nicht versuchen, ein ganzes komplexes Objekt bis in die letzte Ecke zu Papier zu bringen.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Erik W.

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #4 am: Januar 13, 2021, 14:38:52 Nachmittag »
Hallo Uwe,

was genau für Objekte zeichnest du? Beim Tümpeln bspw. steht man ja quasi unter Zeitdruck mit dem Zeichnen, skizzierst du erst und machst dann nochmal eine Endzeichnung?
Vielleicht kannst du ja mal dein Vorgehen detaillierter Beschreiben und den Zeitaufwand mit hineinbringen.

Viele Grüße,

Erik

RainerTeubner

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #5 am: Januar 13, 2021, 14:48:02 Nachmittag »
Hallo,

 im MIKROKOSMOS gabs über die Jahre eine Reihe von Aufsätzen zu dem Thema. Ich kann PDFs der Dateien an Interessierte verschicken, meine Email ist offen.

Viele Grüße

Rainer
Mikroskop: Carl Zeiss Standard Universal
Bildbearbeitung: Gimp und picolay
Kamera: Canon EOS 5D II

peterko

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #6 am: Januar 13, 2021, 16:15:17 Nachmittag »
Hallo,
die Archäologen zeichnen auch wichtige Topfscherben etc. ich kenne eine Grafikerin die das gemacht hat, Handwerk ---- üben----Fotos werden da überbewertet, auf einer Zeichnung kann man mehr an Information unterbringen, als auf einem Foto zu dem jeweiligen Zeitpkt.unter ....Lichtverhältnissen; beim Mikroskop. in der Schärfenebene, früher Mal konnte ich links gucken rechts zeichnen ...
grüsse Peter 

Johann_M

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #7 am: Januar 13, 2021, 16:38:06 Nachmittag »
Vielleicht könnte sich 'bergarter' zu diesem Thema melden

LG,
Johann

Rawfoto

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #8 am: Januar 13, 2021, 17:09:23 Nachmittag »
Guten Abend

Mich begeistert das Thema auch, wenn nur die Zeit nicht ...

Es gibt ja sehr gute Hilfsmittel ==> Zeicheneinheiten die das Zwischenbild auf Papier projizieren - das erleichtert das proportionale Zeichnen ungemein.

Ich habe das Teil für das Stemi und für das Mikroskop ...

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

piu58

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #9 am: Januar 13, 2021, 18:56:53 Nachmittag »
Ich habe mal paar Beispiele beigelegt
Paräparate von Radiolarien und Kieselalgen, ein Trompetentierchen und (erst diese Woche) habe ich mir das Kollenchymgewebe eines Fliederzweigs angesehen, als Vorschlag eines Pflanzenanatomie-Buches.

Bitte: Das sind keine Zeichnungen für ein Lehrbuch, sondern meine persönlichen Erinnerungsstücke.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

bergarter

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #10 am: Januar 13, 2021, 19:31:34 Nachmittag »
grüß euch

wenn ich gefragt werde, gebe ich gerne eine Antwort.
Fraglich ist aber, ob ich " wissenschaftlich " zeichne.

Es ist sicher so wie Piu 58- Uwe - es sagt, es geht um die Wahrnehmung.
So auf die Schnelle zu sehen, und das zu zeichnen, denke ich, ist  das bei einem Tümpler schwierig, denn er muß viel aus dem Gedächtniss machen, was ich fast gar nicht kann.
Aber die Pflanzenschneider könnten so was schon auch machen. Ich habe einmal einen Katsurabaum von Klaus Hermann gezeichnet, ist bei den Österreichern zu sehen.
Das ist aber m.M überhaupt nicht mit Dünnschliffen zu vergleichen, das sind ja lauter zusammenhängende "elipsoide" Formen.

Ich selber brauche im Moment für eine Zeichnung bestimmt 3 bis 4 Wochen, 3-5 Stunden / Tag.
Ich habe hier ein LPL angehängt, mit sichtbaren Gitterlinien.
Ich bin froh, wenn ich an einem Tag 10 bis 12 Kästchen - sag ich jetzt mal - schaffe.
Es geht eigentlich um Geduld.
denn am 2ten Tag sind es 24 .....
Leider kriege ich hier aber nichts mehr in Originalschärfe rein.
Um es etwas scharf zu kriegen wurde es viel zu dunkel.
Der originale dreidimensionale Effekt  der Nadeleinprägungen ist  auch weg.

Was man da gezeichnet sieht, war für mich auf den ersten Blick zwar ein Bild, was ich aber eigentlich nicht so richtig  gesehen habe, nur oberflächlich.
Ich bin dann in tausend Umgebungen geraten, die ich zuerst nicht gesehen habe.
Ich kann aber nicht alles so exakt darstellen wie ein gestacktes Bild,
------- das wären noch mal 10000? Informationen  - pro Quadratdezimeter ? -
Vielleicht ist dann so eine Zeichnung ein annähernder " Filter "------

nur um das gestackte Bild ganz zu sehen, müßtet ihr euch auch sehr lange davor setzten, es zeichnen, was denke ich niemand tut.

Die Zeichnungen hier fand ich gut, der Zeichner hat einen interessanten Stil entwickelt.
shttps://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=39557.msg291458#msg291458

 grüß euch
 Gerd
 

« Letzte Änderung: Januar 13, 2021, 20:35:40 Nachmittag von bergarter »

plaenerdd

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #11 am: Januar 13, 2021, 20:09:04 Nachmittag »
Hallo,
Fotografie und Zeichnung können sich auch gut ergänzen:
Zitat von: SCHLÜTER, W.:Mikroskopie für Leherer und Naturfreunde
Das Überzeichnen von Mikrofotografien gestattet es, Nachteile beider Verfahren zu kompensieren, sowie Mikrofoto und Überzeichnung nebeneinander zu verwenden

Ich denke, das ist heute die gängige Methode wissenschaftliche Zeichnungen herzustellen, die einerseits ein hohes Maß an Objektivität haben und andererseits das Wesentliche klarer zeigen, als eine Fotografie das kann. Auch beim Überzeichnen von Fotos, muss man das, was man sieht bewerten und schaut nochmal genauer hin.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
Inverses: Willovert mit Ph

schmidt

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #12 am: Januar 14, 2021, 08:11:55 Vormittag »
Ich zeichne recht viel, muss man eben nur erst mal einscannen.

Manches habe ich nur auf Zeichnung, weil ich es fotografisch (noch) nicht hinbekommen habe.
Z.B. hier die feinen Borsten an manchen Scendesmus -arten, die oft übersehen werden und in der Literatur auch selten erwähnt werden.
Trainor und Egan (1988) haben dazu einen Beitrag geschrieben, ist im Internet verfügbar.
Ich find beides ergänzt sich gut, zeichnen und Fotos

Viele Grüße

pschmidt
Mikroskope:
Lomo Biolam Ph+; DF; HF-Abbe; Epi HF/DF/Pol; Epi-Fl; //Biolar DIK, IK, Ph variabel+-//
Nikon Eclipse -U  HF; DIK, Ph+, Epi-Fl//
MBS 10

Michael L.

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Re: Wissenschaftliches Zeichnen in der Mikroskopie
« Antwort #13 am: Januar 14, 2021, 18:17:53 Nachmittag »
Hallo pschmidt,

eine sehr schöne Illustration die Du hier zeigst, gerne mehr davon.

Viiele Grüße

Michael