Frage zur Herstellung historischer Präparate

Begonnen von anne, Februar 10, 2021, 16:07:18 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

anne

Hallo zusammen,
bestimmt kann mir das Schwarmwissen heir weiterhelfen.
Bei historischen (Diatomeen)Präparaten sind diese öfter in einer Scheibe aus Metall gelegt. Ungefähr so wie hier:
https://www.ebay.de/itm/Moller-Eulenstein-Antique-Microscope-Slide-Coscinodiscus-Woodwardii-Diatoms/363280216100?hash=item5495303024:g:hIoAAOSwnBdgGWfY

Dazu die Frage:
- welches Metall wurde dafür verwendet?
- gibt es dazu eine bestimmte Technik/Vorschrift zur Herstellung der Metallplättchen und zum weiteen Vorgehen, aufkleben, eindecken usw.?
- haben diese Präparate gravierende Nachteile?

Schaun mir mal, was so zusammenkommt  an geballtem Wissen ;)
lg
anne

Herbert Dietrich

Hallo Anne,

ich habe mal gelesen, dass dafür Zinnfolie verwendet wurde.
Speziell bei Radiolarien um bei der Trocknung des Eindeckmittels ein Zerdrücken zu verhindern.

???

Herzliche Grüße

Herbert

Werner

Zinnfolie gibt es heute noch - oder in der alten Weihnachtskiste: Lametta.

Gruß - Werner

anne

Hallo zusammen,
oh das ist aber wenig, trotzdem danke an Herbert und Werner - da fehlt halt der Klaus :'(
lg
anne

spectator

Hallo,

ich könnte mir vorstellen, daß diese Technik besonders angewendet wurde bei "nicht-planen" Diatomeen, analog zu den Radiolarien. Ich weiß nicht, wie die abgebildete Diatomee dreidimensional aussieht, ob sie eher eine Scheibe oder eine Schüssel ist.  Beim Trocknen des Einschlußmittels wird das Deckglas heruntergezogen und zerdrückt feine 3D- Objekte.
Man mußte also zunächst mittels Zinnscheibe und Deckglas eine Kammer bilden und das Objekt dort einschließen, hinreichend trocknen lassen und dann das Ganze auf den Objektträger kleben. Da der Großteil des Lösungsmittles bereits verdunstet war, war der "Sog" nicht mehr so groß, und über der recht kleinen freien Öffnung in der Zinnscheibe kann sich das Deckglas kaum noch durchbiegen.
Offensichtlich muß das wohl ein Standardverfahren gewesen sein, denn die geprägte Zinnfolie ist sicher keine Einzelanfertigung, es wird wohl einen Stempel dazu gegeben haben.
Was so nicht ersichtlich ist: Ist der gesamte Raum unterhalb der Diatomeen bis zum Deckglas mit Einschlußmittel gefüllt oder befindet sich noch eine Luftschicht in der Kammer? Das wäre für die Kondensorimmersion fatal!
Auch so müssen für diese Art der Eindeckung besonders dünne Objektträger verwendet worden sein, da ja die Objekte (an der Unterseite des Deckglases) höher als normal liegen (um die Dicke der Zinnfolie). Wobei freilich um 1869 noch keine "genormten" Objektive und Kondensoren verwendet wurden, also noch vieles möglich war.

Viele Grüße

Helmut
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!

Bob

Hallo Anne,
auf unserer Seite findest Du Dokumente von Gerhard Göke zu Diatomeen und Radiolarien-Präparation. Guck da doch mal rein. Auch eine Suche im Mikrokosmos könnte sich lohnen, der reicht ja in Zeiten zurück, als Diatomeen noch angesagter waren.

Viele Grüße,

Bob

Gerd Schmahl

Hallo,
zu dem Warum-man-das-macht noch eine Ergänzung: man findet natürlich so ein Einzelobjekt auch viel schneller wieder, was allerdings keinesfalls Annes Frage beantwort. Wie Zinn sieht das für mich nicht wirklich aus.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Detlef Kramer

... und Lametta besteht heutzutage bestimmt nicht mehr aus Zinn, sondern aus Aluminium. Denke ich mal!?

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken

Gerd Schmahl

Hallo Detlef,
ganz früher bestand Lametta aus Blei.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Tilman

Hallo, so wie ich das sehe ist die Metallfolie als Distanzhalter für das Objekt zu sehen. Dafür könnte natürlich eine Metallfolie geeigneter Dicke aus einem beliebigen Metall bestehen, sofern keine Reaktion mit Einbettungsmittel oder dem Objekt zu erwarten ist. Das Problem wird vielleicht eher darin liegen eine Metallfolie in der geeigneten Dicke zu finden. Für ein historisches Präparat aus dem 19. Jahrhundert wird es wohl kaum Aluminium gewesen sein, da dieses sehr teuer war und erst zum Ende des Jahrhunderts in größeren Mengen produziert wurde. Napoleon III benutzte Löffel und Gabeln aus Aluminium als Ausdruck einer besonderen Exklusivität. Es werden wohl Zinn- oder Bleifolien gewesen sein. Heute würde man Alufolie nehmen. Bei dem gezeigten Objekt scheint aber doch der dekorative Aspekt im Vordergrund zu stehen und ein goldfarbenes Metall Verwendung gefunden haben. Neben Gold fallen mir dazu nur die Bronzen (Cu/Sn) oder Messing (Cu/Zn) auch Tombak genannt ein, die zu Folien ausgewalzt wurden. Ob 1869 schon Alubronzen (Cu/Al) zu goldfarbenen Medaillien verarbeitet wurden, ist allerdings auch nicht auszuschließen. Goldfarbene Scheidemünzen aus Alubronze wurden im Deutschen Reich in den 1920ziger Jahren benutzt.
Liebe Grüße
Tilman

Siegfried

Hallo Anne
Also ich würde sagen, die geprägte Lochscheibe besteht aus einer Messingart
und ist mindestens 0,5mm stark.
Eine Messingart vermute ich auch deshalb, weil es bei der Herstellung Optischer Instrumente, wie Mikroskope, Drehteller für Lackringerstellung usw.
vielseitige Verwendung fand.
Nähere Untersuchungen kann man nach erfolgreicher Ersteigerung des gezeigten Präparates machen. ;D
  Gruß von Siegfried

anne

Hallo zusammen,
danke für die Antworten!
Mir ist klar, dass es ein Distanzhalter war aber recht schmückend!
Für mich stellt sich die Frage, wie wurden diese aufgeklebt, z.B. mit dem Einbettharz?
Hat jemand Präparate zu Hause, die sich evtl. nachteilig entwickelt haben, z.B. abspringen, anlaufen, verdunsten usw.?
Interssieren würden mich die Orignalverfahren aus der Zeit der Herstellung.
lg
anne

Werner

Lametta besteht tatsächlich aus Reinzinn, nicht Blei oder Aluminium.
Weder Pb noch Al sind so schmiegsam, Blei wird grau, Alu hängt nicht.
Wers nicht glaubt, kann eine Probe echtes Lametta in der Kerzenflamme schmelzen.

Heute gibt es aber fast nur noch Alubedampfte Plasikfolie.

Gruß - Werner

Siegfried

#13
Hallo Anne
Könnte evt. interessant sein.
Auszug:
(Obwohl sie die Etiketten von J.D. Möller tragen, sind die runden Metalldeckel mit dem Aufdruck "Th. Eulenstein / Dresden / Goldmedaille / St. Petersburg 1869", was sie als Bestandteile von Eulensteins zweiter Serie von 100 Diatomeenarten ("zweites Jahrhundert") identifiziert.)

aus:
http://microscopist.net/EulensteinT.html

Ich vermute, die Metallscheibe hat mit der Präparation nichts zu tun.

  Gruß von Siegfried

unkenheini

Moin Anne,
Wäre es nicht möglich Metallscheiben aus Neusilber zu nehmen?Diese Bleche gibt es auch mit einer Fotolack Beschichtung.Dadurch ist es möglich die Bleche zu ätzen,wie beim Platinen ätzen für Schaltungen Ich möchte mir später einmal auf diese Weise Blenden für Dunkelfeld und Schiefe Beleuchtung fertigen . Ich könnte mir vorstellen dass hier Leute sind,die mehr Erfahrung im Platinenätzen haben als ich und Dir Tipps geben können.Ich hatte nur einfache Schaltungen mit CAD gezeichnet und dann geätzt,ich war aber über die erreichbare Feinheit erstaunt.
Viel Erfolg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.