Autor Thema: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer  (Gelesen 1489 mal)

SNoK

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Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« am: November 17, 2021, 13:07:23 Nachmittag »
Das Thema Reinigung von Linsen wurde schon oft im Forum besprochen. Aber ich habe eine konkrete Frage. Bisher habe ich entweder Linsenreinigungstücher auf Papier von Euromex genommen, aber von Tüchern wird ja abgeraten. Dann habe ich mir Wundbenzin 40/60 und die Kerma-Watte gekauft, die ich dann "vorschriftsmäßig" um ein Holzstöckchen gewickelt habe. Das ist aber immer ein Gefrickel und nervt etwas, wenn man oft mit Ölimmersion arbeitet. Jetzt bin ich auf Zellstofftupfer gekommen, z. B. PurZellin, wie  man sie vom Impfen kennt, wenn die Nadel wieder rausgezogen wird. Die sind unsteril, weich und fussel/stauben nicht. Größe 4x5 cm. Das müsste doch perfekt sein mit etwas Wundbenzin, oder im Normalfall sogar nur mit etwas Spülmittel in Wasser, wie es Zeiss für die Entfernung von Immersionsöl vorschlägt. Zeiss empfiehlt Wundbenzin vor allem bei Fetten, nicht bei bei Ölen.

Hat jemand mit solchen Tupfern Erfahrung oder Gründe, warum man davon die Finger lassen sollte?

Grüße
Stephan
Mikroskop: Leica DMRB
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Ralf Feller

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #1 am: November 17, 2021, 14:16:55 Nachmittag »
Liebe Kollegen,

seit wir im letzten Jahr den Wert von Klopapier erkannt haben
benutzen wir diese "Goldtücher" auch um Immersionsobjektive
mit Wundbenzin zu reinigen. Mit dem ganz weichen, billigen Material
klappt das hervorragend.

Was dem A..nicht schadet wird den beschichteten Linsen auch nichts tun.
Die original Linsenputz-Tücher halte ich für zu hart.

LG Ralf

Herbert Dietrich

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #2 am: November 17, 2021, 14:23:19 Nachmittag »
Hallo Stephan,

Zeiss empfiehlt doch in der Broschüre "Das saubere Mikroskop":

Zum leichten Reinigen von planparallelen und planen Optikflächen (z.B. Abwischen von durch Immersionsflüssigkeit
verunreinigter Deckgläser oder die Frontlinsen von Immersionsobjektiven) dient weiches Reinigungspapier (z.B. Kleenex),
das mit verdünnter Spülmittellösung getränkt ist.
Vorsicht: Das glatte, üblicherweise erhältliche Linsenpapier (sog. Joseph-Papier) ist nicht zum Reinigen, sondern
nur zur staubfreien Lagerung und zum Schutz optischer
Bauteile gedacht. Als Reinigungsmittel ist dieses Linsenpapier in der Regel zu hart; auch absorbiert es den Schmutz
nicht gut und nicht schnell genug. Die einzige Ausnahme
bildet WHATMAN Lens Cleaning Tissue 105.

Ich tupfe in der Regel das immersionsöl von der Frontlinse mit einem Blatt Toilettenpapier ab (das fuselt nicht) Etwaige Ölreste belasse ich auf der Frontlinse,
da die modernen Immersionsöle nicht verharzen sollen. Ich glaube das. Wenn ich vorhabe längere Zeit die Immersion nicht zu benutzen, verwende ich wie von Zeiss
empfohlen, verdünnte Spülmittellösung.

Herzliche Grüße

Herbert


Herbert Dietrich

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #3 am: November 17, 2021, 14:24:59 Nachmittag »
Hallo Stephan

nun ist mir Ralf mit dem Klopapier zuvorgekommen.

Herzliche Grüße

Herbert

SNoK

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #4 am: November 17, 2021, 15:57:33 Nachmittag »
Lieber Herbert, lieber Ralf,

danke für Eure Rückmeldungen. Die Broschüre von Zeiss habe ich natürlich, und auch schon mehrfach gelesen. Ich werde jetzt auf die Spülmittellösung umsteigen und nur noch in speziellen Fällen Wundbenzin nehmen. Das mit dem Kleenex hatte ich auch gesehen. Aber da gibt es ja ganz verschiedene, und eines, das irgendwie behandelt ist, ist nicht gut. Ich war jetzt auf die Tupfer gekommen, weil die von der Größe so gut passen, unsteril, also unbehandelt sind, und fusselfrei. Und preiswert sind die auch noch. Ich wollte eigentlich nur hören, ob jemand die schon mal benutzt hat, oder ein Gegenargument gegen deren Benutzung hat. Ich probiere sie jetzt einfach mal aus.

Grüße
Stephan
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Ralf Feller

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #5 am: November 17, 2021, 16:28:16 Nachmittag »
Lieber Stephan,

die Tupfer habe ich auch lange genommen,
die sind aber nach meinem Empfinden härter als Toilettenpapier oder Tempo.
Fühl doch einfach mal die Oberfläche.
Wir nehmen hier im Labor auch für die wirklichteuren PlanApos das Toilettenpapier,
fußelt nicht, hat keine Imprägnierung.

LG Ralf

Peter Reil

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #6 am: November 17, 2021, 16:47:12 Nachmittag »
Hallo,

dass Mikroskopiker Toilettenpapier als günstige Alternative zu den teuren Empfehlungen verschiedener Experten nutzen, hatte sich gewissermaßen erst im letzten Jahr so richtig durchgesetzt.

Das könnte auch der Auslöser für die künstliche Verknappung von Klopapier im letzten Jahr gewesen sein.  ;D

Freundliche Grüße
Peter
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ortholux

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #7 am: November 17, 2021, 17:15:57 Nachmittag »
Man muß halt auch einfach mal die Kirche im Dorf lassen.

Ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben. Die Vergütungen der Außenlinsen sind so hart, daß man da eigentlich wenig kaputt machen kann. Klopapier ist doch super. Früher nahm ich unter dem Bino - bei hartneckigen Popeln, etc. - Uhrmacherschraubendreher, um diese wegzukratzen, bis mich hier jemand auf die Idee mit Zahlstochern brachte. Aber selbst mit den Schraubendrehern und der nötigen Vorsicht, habe ich keine Linse zerkratzt.

Zugegebenermaßen dreh ich auch mal ein Objektiv ins T-Shirt, wenn's schnell gehen muß. Klar sollte man dann nicht vorher im selben T-Shirt am windigen Strand gelegen haben.

Wolfgang

Herbert Dietrich

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #8 am: November 17, 2021, 17:24:56 Nachmittag »
Hallo Peter,

Klopapier Hamsterkäufe, na klar, die Mikroskopiker waren es!!! diese Bande :) :) :)

Herzliche Grüße

Herbert

Peter V.

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #9 am: November 17, 2021, 17:53:07 Nachmittag »
Hallo,

Ich fürchte fast, dass niemand so genau weiß, wozu nun eigentlich dieses ominöse Linsenpapier dienen soll.

Den Kult um Kerma-Watte und das Schaschlikstäbchen halte ich für übertrieben.

Zellstopftupfer (die ich ja nun reichlich habe) nehme ich gelegentlich, um Öl zu entfernen, finde sie aber etwas rauh. Am besten geeignet sind nach gesundem Menschenverstand wohl Klopapier* oder Tempos, ich denke,  dass sich auch Kosmetiktücher ohne Pflegestoffe sehr gut eignen. Bei Objektiven außerhalb de Revolvers gerne auch das T-Shirt.

Wer es fusselfrei (obwohl man die ja letztlich gut wegpusten kann) und professionell möchte, nimmt die Tücher von Kimtech

Herzliche Grüße
Peter

(natürlich nicht das graue Behörden-Schmirgelpapier - gibts das eigentlich noch?  ;))



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Alfons Renz

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #10 am: November 17, 2021, 18:08:58 Nachmittag »
Hallo,

dem Hohelied auf das Qualitäts-Klopapier möchte ich zustimmen - soweit es die Immersionsobjektive betrifft.

Bei wirklich HOMOGENER Immersion verschwinden sogar starke Kratzer oder Anätzungen der Linsenoberfläche vollständig. Eine auch nach gründlicher Reinigung wie eine Mattscheibe wirkende Frontlinse eines Immersionsobjektivs lieferte nach Immersion ein tadelloses Bild - ganz zur Überraschung des Besitzers, der es schon entsorgen wollte!

Deshalb ist die Entfernung des Immersionsöls (guter Qualität) auch kein Problem. Flüchtiges Abwischen reicht.

Viel schwieriger ist die Beseitigung des Immersionsöl aus der konkaven Wölbung des 40x-Trockenobjektivs, das speziell von Studenten (und natürlich auch von Studentinnen!) immer wieder in Öl gebadet wird. Hier hilft nur Wundbenzin und Augenwatte, um ein spitzes Stäbchen gewickelt. OHNE DRUCK, denn diese Linse ist im Gegensatz zum Immersionsobjektiv oberflächenvergütet und heikel.

Viel Erfolg,

Alfons


Herbert Dietrich

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #11 am: November 17, 2021, 18:30:37 Nachmittag »
Hallo Alfons,

deshalb platziere ich das Immersions-Objektiv auch soweit es geht zwischen dem Übersichtsobjektiv und dem 10er.
Meist ernte ich da zuerst Kopfschütteln. Die meisten sind jedoch lernfähig.

Herzliche Grüße

Herbert

peter-h

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #12 am: November 17, 2021, 18:45:33 Nachmittag »
Hallo,

dann oute ich mich auch. Noch nie habe ich eine andere Version probiert / genommen.
Um einen Zahnstocher etwas Augenwatte und mit Wundbenzin beträufelt. Geht bei mir ausgezeichnet. Übertrieben oder nicht ...... ich bleibe dabei und es geht so einfach  ;D

Saubere Grüße
Peter

SNoK

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #13 am: November 17, 2021, 18:49:01 Nachmittag »
Danke an Alle, jetzt bin ich bestens gerüstet mit Infos. Erstmal probiere ich die Tupfer, die schon bestellt sind. Dann mache ich den Vergleichstest mit Toilettenpapier (aber nicht das französische, das ist glatt wie Klarsichtfolie). Und das Kimtech Science-Papier reizt schon, weil es so professionell wirkt  ;), bestelle ich wohl auch mal.

Ich mache mir deshalb Gedanken, da ich Leica Plan Apos für das DMRB habe, die man nicht für ein paar Euro bekommt.

Grüße
Stephan
« Letzte Änderung: November 17, 2021, 19:03:57 Nachmittag von SNoK »
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Peter Reil

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Re: Immersionsöl entfernen - Zellstofftupfer
« Antwort #14 am: November 17, 2021, 19:31:43 Nachmittag »
Hallo Stephan,

meine Immersionsobjektive (40er, 60er und 100er Planapos), die ich sehr liebe, werden nur sehr selten gereinigt. Bei mir bleibt das Öl dran, bis mal eine Reinigung nötig wird - so alle paar Monate mal.

Ob ich dann Tempo, flauschiges Klopapier 4-lagig, Kim-Tech, ein altes T-Shirt oder gar schmirgeliges Behördenpapier (gibt es noch!!! - zumindest hier im Schwabenland) nehme, war den Objektiven bisher ziemlich egal. Auch Äther/Alkohol, Isopropanol, Wundbenzin und auch Wodka haben sie bisher klaglos weggesteckt.

Innerhalb meiner Restlebenszeit erwarte ich auch keinerlei Beeinträchtigung.

Grüß
Peter

PS: Sehr innovativ finde ich die Idee eines Pilzmikroskopikers, der seine Objektive ständig reinigt. Der hat die Klorolle immer direkt auf dem Trinokular plaziert. Da lässt sich das sogar blattweise abrollen.  :)
« Letzte Änderung: November 17, 2021, 19:50:27 Nachmittag von Peter Reil »
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