Brauche Hilfe bei Moos-Handschnitten

Begonnen von Bernd Miggel, Mai 28, 2022, 10:17:25 VORMITTAG

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Bernd Miggel

Hallo miteinander,

Querschnitte von Moosblättern fertige ich gerne manuell mit Hilfe von Rasierklingen an. Dazu wird das trockene Moospflänzchen unter dem Zeigefinger festgeklemmt und längs des Fingernagels geschnitten.
Das funktioniert immer dann einwandfrei, wenn es sich um eine Moosart handelt, deren Blätter sich beim Trocknen eng an das Stämmchen anlegen, z.B. Polytrichum. Dann erhält man unzählige brauchbare Querschnitte, siehe Anhang.

Meine Frage: Wie kann man es bewerkstelligen, dass auch Moose, deren Blätter abgespreizt sind, zum Schneiden dicht am Ast oder Stamm anliegen?

Danke im Voraus!
Bernd

Bob

Hallo Bernd,
ich hatte hier mal Flechten in PEG eingebettet und geschnitten, das hat im Ergebnis ganz gut funktioniert:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=39942.0

Viele Grüße,

Bob

Bernd Miggel

Hallo Bob,

das Verfahren kenne ich auch, lässt sich mit PEG oder auch mit Gießseife machen. Funktioniert mit Flechten- oder Pilz-Apothecien einwandfrei.

Das Problem bei Moosblättchen ist, dass man exakt rechtwinklig zur Blattachse schneiden muss. Dabei haben die Moosblättchen unter Umständen nur eine Länge von 1 mm und stehen schräg nach allen Seiten vom Ästchen oder Stämmchen ab! Wenn man dann Handschnitte macht, bekommt man alles Mögliche, nur keine sauberen Schnitte rechtwinklig zur Blattachse.

Viele Grüße
Bernd

unkenheini

Moin Bernd,
Würde es funktionieren wenn man das Moosstämmchen  mit einem Faden in einen Schlauch oder noch besser in einen Strohalm zieht und dann beides zusammen schneidet? Ich,meine mit Strohhalm die richtigen aus Stroh zum basteln. Eventuell anfeuchten damit sie nicht so spröde sind. War nur eine Überlegung von mir, nicht ausprobiert!
Viel Spaß beim ausprobieren und ich bin gespannt.
Mit freundlichen Grüßen Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

A. Büschlen

Hallo Bernd,

ich habe es nie geschafft, Laub- und Lebermoose trocken zu schneiden und auch mit PEG bin ich nicht warm geworden. Das spricht nicht gegen diese Methoden ich kann es einfach nicht.-

Laubmoosblätter  schneide ich immer nass. Ich löse sie vom Stängel oder Aestchen und schneide sie immer einzel.
Nehmen wir als Beispiel Blätter der Polytrichum Arten. Mit Blattquerschnitten möchten wir wichtige Bestimmungsmerkmale sichtbar machen. Bei den Polytrichum werden durch den Blattquerschnitt im besonderen drei Merkmale sichbar:
- Anzahl Lamellen?
- Ausbildung der Endzelle an den Lamellen?
- Ist die Lamina umgeschlagen, wie viele Zellen breit ist die Lamina?
Ich löse mit der feinen Pinzette einzelne Blätter vom Stängel, schneide mit der Rasierklinge die abstehende Blattscheide ab, nehme ein OT, richte Diesen am Stereomikroskop in der Nord - Süd Richtung aus, gebe einen Tropfen Wasser darauf, lege das Blatt in den Tropfen, decke mit einem DG ab so, dass das Blatt mit der Basis unter dem DG liegt, mit dem Spitz unter dem DG hervorlugt und das zu schneidende Blatt ebenfalls in der Nord- Süd Richtung liegt.
Das Ganze richte ich am Stereomikroskop so aus, dass ich mit beiden Händen die Rasierklinge führen und mit den Augen den Schnitt kontrollieren kann.
Nun einfach schneiden, schneiden, schneiden.

Gutes Gelingen!

Arnold


Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

#5
Danke für die interessanten Tipps! Angeregt durch Jörgs "Strohhalmmethode" habe ich folgendes Experiment gemacht:

o   20 Sphagnumäste auf einem OT parallel nebeneinander abgelegt, trocknen lassen.
o   einen Streifen Gießseife danebengelegt und das Ganze eingeschmolzen.
o   Je 1 OT von rechts und von links neben die Astpackung als seitliche Begrenzung angelegt und einen weiteren OT als Deckel von oben aufgelegt.
o   Jetzt die seitlichen Begrenzungs-OTs zusammengeschoben und den Deckel-OT dabei niedergehalten. Die mit Gießseife durchzogenen Äste sind jetzt noch weich. Es ergibt sich durch das Zusammenschieben und Zusammenpressen eine 1 mm dicke, rechteckige Packung aus ausgerichteten Moosästchen mit ihren Blättchen.
o   Das Ganze inkl. der OTs habe ich im gepressten Zustand erkalten lassen und anschließend die seitlichen OTs und den Deckel-OT abgezogen, so dass die Packung auf dem Träger-OT festgeklebt blieb.
o   Schließlich habe ich die Rasierklingen-Schnitte geführt, die Seife herausgewaschen und das Präparat mikroskopiert.

Es ergeben sich zahlreiche, recht brauchbare Schnitte, siehe Anhang (Querschnitt durch Astblättchen und Ästchen). Die Seife hätte ich natürlich noch wesentlich gründlicher herauswaschen müssen.

Viele Grüße - Bernd



unkenheini

Moin Bernd,
vielen Dank für die Beschreibung.Ich fange ja erst an mit meinem umgebauten Gefriermikrotom zu schneiden.Ich habe mir für die Moosstämmchen-PEG1500 Schnitte zum Auswaschen Siebzylinder gebastelt.An einem Ende von Kabel Leerrohren habe ich Siebgaze geklebt, so kann ich die Schnitte problemlos zusammen von eine Lösung in die nächste überführen(sind aber nicht xylolbeständig).Die Leerrohre gibt es im Baumarkt in verschiedenen Durchmessern,und die Siebgaze stammt aus einem Wäschetrockner.In den Fusselsieben sind meistens sogar verschiedene Maschenweiten verbaut.
Viele Grüße Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

Bernd Miggel

#7
Hallo zusammen,

die einzige Methode, bei der mir bisher manuelle Astblatt-Querschnitte von Sphagnen einigermaßen gelingen, ist das Einbetten in PEG auf einem OT mit anschließendem Rasierklingenschnitt. Die Astblätter sind 0,3-0,5 mm breit, und die Schnittdicke sollte ca. 30 µm betragen. Das 1. Bild unten zeigt so ein Astblatt in Aufsicht, das 2. Bild ein Schnittergebnis.
Die Schnitte bringt man nach dem Schneiden in mehreren Stufen in sauberes Wasser, um das PEG vollständig herauszulösen.
Aber: Wie schaffe ich es, diese sehr feinen, kaum sichtbaren Schnitte einzeln "anzufassen" und von Wasserbad zu Wasserbad zu überführen? Alle Werkzeuge, die ich bisher verwendet habe, (feine Pinzette, feine Kanüle, Akkupunkturnadel, feiner Aquarellpinsel) sind viel zu grob.

Wer kann mir einen heißen Tipp geben, wie man auf praktikable Weise die Schnitte auswäscht, um das PEG los zu werden?

Herzlichen Gruß
Bernd

A. Büschlen

Hallo Bernd,

kannst du die Schnitte mit deiner feinsten Pinzette fassen?

Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

Hallo Arnold,

mit meiner feinen Schweizer Pinzette: keine Chance.

Bernd

A. Büschlen

Bernd,

schwimmen die Schnitte im Wassertropfen?

Arnold
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- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

Hallo Arnold,

sie setzen sich unten ab. Wenn ich aber das Wasser vorsichtig abziehe, kommen diese feinen Schnitte leider mit.

Bernd

A. Büschlen

Bernd,

hast du die Schnitte auf dem OT in einem Wassertropen? Wenn ja, dann würde ich das Wasser nicht absaugen, sondern
du legst auf dem OT mehrere kleine Wassertropfen nebeneinander und und beginnst z.B. von li nach re in dem du li im ersten Wassertropfen die Schnitte hineingibst und diese von einem Tropfen in den Anderen mit der Pinzette überträgst. Das sollte aus meiner Sicht am Stereomikroskop möglich sein. Versuche es!

Zum eindecken würde ich auch Chloralhydrat versuchen.

Arnold
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Bernd Miggel

Hallo Arnold,

das will ich gerne versuchen. Vielleicht ist es der Königsweg. Vielen Dank!
Warum Chloralhydrat?

Bernd

A. Büschlen

Hallo Bernd,

noch zum Transfer der Schnitte: wenn du die Schnitte mit deiner Pinzette nicht greiffen kannst, versuche die Schnitte im Wassertropfen mit der Pinzettenspitze auf zu wirbeln so, dass sie frei schwimmen dann näherst du dich mit einer Pinzettenspitze von der Seite an die schwimmenden Schnitte damit sie an der Oberfläche der Pinzettenspitze hängen bleiben. Das geht manchmal recht gut.

Warum Chloralhydrat? Ich verwende Chloralhydrat bei nicht gefärbtem Schnittgut gerne weil:
- Es hellt auf.
- Luftblasen die oftmals in kleinsten Poren oder Öffnungen sitzen, entfernen sich.
- Weil Glycerin mit dabei ist, hält das Arbeitspräparat länger.

Einfach mal probieren.

Du bekommst noch eine Email.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.