Leitz Ortholux II Pol-BK funktionsfähig machen

Begonnen von Unscharf, Januar 06, 2026, 14:13:45 NACHMITTAGS

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Unscharf

Ich habe aus einem Nachlass ein Leitz Ortholux II POL-BK erhalten - allerdings fehlt da ganz viel, Okulare, Objektive, Beleuchtung und mehr. Es lag jahrelang im Keller, aber alle beweglichen Teile sind noch beweglich.

Ich habe durchaus Interesse daran, dieses Mikroskop wieder betriebsbereit zu machen, allerdings habe ich quasi keine Ahnung von den technischen Details.

Meine Frage ist daher: Was brauche ich und woher bekomme ich es? Erst mal für den grundlegenden Betrieb ohne Polarisation, gerne aber auch mit Auflicht.

Fotos machen mit einer externen Kamera (und sei es das Handy) wäre dann auch nett; ich habe irgendwo gesehen, dass es Aufsätze gibt, bei denen eine beliebige Kamera nicht direkt montiert ist - sofern ich das richtig verstanden habe.

Ich habe einen 3D-Drucker und kann auch (weniger kritische) Teile selbst erstellen.

purkinje

Hallo Unscharf ,
die fehlenden Teile wie ein Auflichtilluminator mit Objektivrevolver und falls Durchlicht gewünscht "normaler" Objektivrevolver, Kondensorträger, Kondensor, Okulare (Periplan GF) und Auflicht bzw Durchlicht-Objektive (170mm TL-Abgleich) erfordern schon noch Such- und Finanzaufwand. Bei Durchlichtinteresse würde ich lieber nach einem kompletten Ortholux II Ausschau halten, damit käme dann auch ein funktionierende Beleuchtung  ;)
Hier etwas Lesestoff:
 Ortholux II
Ortholux-pol
Passende Optik zu diesen 170mm Tubuslängen Mikroskopen v Leitz
Beste Grüße Stefan

Unscharf

Danke schonmal für die Dokumentation. Irgendeine Auflichtoptik ist da ja schon montiert; Objektive scheinen da mit einer Art Schnellwechsel-Anschluss angeklipst zu werden, wofür allerdings noch ein passender Adapter fehlt. Das würde mir reichen (bräuchte also keinen Revolver) - aber dazu habe ich keine Informationen gefunden.

Periplan-GF-Okulare scheint es bei ebay schonmal hinreichend zu geben, auch an Objekiven gibt es einiges an Auswahl für grob um 100€ - allerdings weiß ich da nicht, was geeignet wäre. Ich hatte gehofft, mit Okular-paar, erst mal einem Objektiv und diesem Adapter schon mal ein funktionierendes Mikroskop zu haben - als Lichtquelle fiele mir dann vorerst schon irgendwas ein.

Ein komplettes neues Mikroskop will ich jedenfalls nicht kaufen; es geht mir darum, dieses Gerät wieder in Betrieb zu nehmen; falls das nicht mit vertretbarem Aufwand (was immer das heißen mag) möglich ist, dann würde ich es notfalls zum Kauf anbieten.

purkinje

Hallo,
da das gute Stück ja im Keller weilte, könnte das Innere des Trinokulartubus nicht gerade staubfrei sein, dies zu säubern wäre recht aufwendig. Zu dem Auflichtilluminator mit Zangenwechsler braucht man, wenn ich nicht irre, spezielle zentrierbare Objektivaufnahmen, welche sich von anderen ähnlichen von älteren Leitz Pol-mikroskopen unterscheiden und selten zu finden sind.
Würde es als Rudiment so wie es ist verkaufen, aber der innere Zustand des Tubus, wie auch seine Leichtgängigkeit der Verstellung ist für den Wert schon entscheidend. 
Beste Grüße Stefan

Florian D.

Hallo Unscharf,

ja, du braucht 2 Okulare, am besten eines davon mit Fadenkreuz und kleiner Nase an der Seite, die in die Aussparungen an der rechten Okularaufnahme passt. Dann die Ringe für die Objektive (es gibt 2 Größen, Du brauchtst die mit ca 38 mm Aussendurchmesser)  und entsprechende Objektive (Leitz Auflicht unendlich, evtl. Pol) und natürlich eine Beleuchtung. Hier ein Bild der Minimalausrüstung:
photo_5400149470772661740_y.jpg

Viele Grüsse
Florian

olaf.med

Hallo Unscharf,

aus Deinen Äußerungen schließe ich, dass Du wahrscheinlich keine Auflichtmikroskopie im wissenschaftlichen Sinne betreiben möchtest, daher wäre wohl eher eine Aufrüstung des Stativs für normale Durchlicht-Mikroskopie sinnvoll. Dies ist ungleich einfacher (und billiger!!!) als die Aufrüstung zum Auflicht-Pol-Mikroskop.

Solltest Du kein Pol benötigen, könntest Du die spezifischen Pol-Teile (den Auflicht-Kondensor, den Pol-Tubus und den Drehtisch evtl. gegen die Dir fehlenden Teile (Objektivrevolver, normaler Trino-Tubus, Tisch und Lampenhaus) tauschen und Du hättest damit ein voll funktionsfähiges Durchlicht-Mikroskop.

Diana hier aus dem Forum firmiert im Internet unter Microscopia.de hat immer solche Teile auf Lager und könnte da möglicherweise helfen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Florian D.

Olaf hat natürlich recht. Damit da aber keine "Hans im Glück" Geschichte draus wird, sollte zumindest der Objektivrevolver mit guten Objektiven (>= Fluotare) bestückt sein.

Viele Grüsse
Florian

Unscharf

Vielen Dank schon mal für die Hinweise. Allerdings interessiert mich Auflicht mehr als Durchlicht. Polarisation klingt für mich erst mal nicht so wichtig - allerdings wohl nur, weil ich nicht weiß, welche zusätzlichen Informationen ich damit gewinnen kann. Gibt es irgendwo Beispielaufnahmen?

Bei ebay finde ich ein "Leitz Wetzlar Mikroskop Objektivfassung * Pol-Ausführung * RMS zentrierbar", aber das scheint die falsche Größe zu sein. Wo könnte ich sonst noch schauen?

olaf.med

Ich hoffe Du weißt was diese Art des Auflichts bedeutet. Damit kannst Du keine Fliegenbeine und Blütenstempel ansehen, sondern nur hochpolierte plane Flächen von z.B. Erzen und Metalllegierungen. Das ist schon etwas sehr spezielles!

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

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Unscharf

#9
Oha, nein, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte eher an raue Oberflächen, z.B. Papier, Bruchkanten von 3D-Drucken, Körnung von Schleifpaste, oder auch ein Fliegenbein... Wie ein Stereomikroskop nur in mono. Gibt es da keine Möglichkeiten?

Florian D.

Doch, das geht auch. Ist halt ein bisschen wie ein Mikrotom zu benutzen um eine Zwiebel zu schneiden.

olaf.med

#11
Lieber Florian,

dafür ist das Mikroskop aber wirklich nicht gemacht und ich denke Unscharf ist nicht damit gedient wenn man ihn in dem Wunsch der Vervollständigung des Ortholux II in dieser Richtung bestärkt. Damit wird er definitiv NICHT glücklich und es würde viel Geld kosten.

Der geeignete Vergleich wäre, wenn man einem Obst- und Gemüsehändler zum Kauf eines Ferrari raten würde, mit dem er dann morgens seine Apfelsinenkisten auf dem Großmarkt abholen kann 😁.
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

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Peter V.

Hallo,

wie Olaf schon schrieb, ist dieses Mikroskop einfach nicht das richtige Instrument für Deinen Zweck. Selbst wenn Du die passenden Objektive bekommst, wärst Du von dem Bild sehr enttäuscht. Die Vorstellung, dass man damit die von Dir genannten Objekte in guter Bildqualität im Auflicht betrachten kann, ist schlicht falsch. Wenn überhaupt, würde sich dafür noch am ehesten ein System mit Auflicht-Dunkelfeld eignen wie zum Beispiel das Leitz Ultropak-System. Ich sehe auch nicht, wie Du dieses Mikroskop wirtschaftlich auch nur halbwegs sinnvoll so ausrüsten könntest, dass Du das, was Du damit sehen möchtest, auch so sehen kannst. Das Ortholux pol BK ist schlicht für einen ganz anderen Anwendungszweck konstruiert.
Ich habe Dir auch eine private Nachricht geschrieben.

herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

olaf.med

Hallo Unscharf,

das große Problem ist in der Tatsache zu suchen, dass der Begriff "Auflichtmikroskopie" synonym für zwei komplett unterschiedliche Verfahren verwendet wird, die praktisch keine Schnittmenge haben.

  • Auflichtmikroskopie im strengen Sinne: hier bedient man sich einer speziellen und nicht trivialen Methode das Objekt genau senkrecht von oben zu beleuchten und das reflektierte Licht zu analysieren. Dabei wirkt das Objektiv gleichzeitig auch als Kondensor. Voraussetzung sind plane und hochpolierte Präparate. Diese Art der Auflichtmikroskopie wird vor allem in der Werkstoffkunde und, in Verbindung mit Pol, in der Erzmikroskopie zur Diagnose verwendet. Die Anforderungen an die Qualität der Optik sind sehr groß und die Komponenten daher sehr teuer (und selten). Auflichtmikroskopie kann bis zu sehr hohen Vergrößerungen (Objektiv 160x, Endvergrößerung bis zur Auflösungsgrenze optischer Systeme) und hohen Aperturen unter Ölimmersion betrieben werden. Dein Ortholux Pol BK ist ein Instrument für diesen Zweck. Seltener kommt bei diesen Untersuchungen auch Auflicht-Dunkelfeld (Ultropak) und Auflicht-Differential-Interferenzkontrast zur Anwendung. Das ist alles das was Du wahrscheinlich niemals brauchen wirst!

  • Auflichtmikroskopie mit schrägem Auflicht - "Stereomikroskop": Bino-Lupen, Stereomikroskope - wie immer man sie nennen mag - gibt es als Durchlicht- und Auflicht-Varianten. Sie sind durch zwei getrennte Strahlengänge für die beiden Augen gekennzeichnet, wodurch die Präparate räumlich gesehen werden. Sie sind also die richtigen Geräte für die Betrachtung dreidimensionaler Objekte wie Du sie aufgezählt hast. Prinzipiell lkassen sich mit solchen Einrichtungen nur moderate Vergrößerungen (meist bis ca. 80x) erreichen.

Ich hoffe iuch konnte das Dunkel etwas erhellen.

Herzliche GRüße,

Olaf
Gerne per Du!

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Unscharf

Hallo Olaf,
ja, das habe ich mittlerweile verstanden, wobei es da noch Makroskope gibt, wie ich mittlerweile gelesen habe, quasi die Mono-Variante des Stereoskops mit 'geradem' Strahlengang und Vergrößerung bis auch etwas über 100. Im Vergleich zum üblichen Mikroskop zeichnet es sich wohl durch einen größeren Objektabstand (üblicherweise im Bereich von Zentimetern), eine kleinere numerische Apertur und damit auch größere Tiefenschärfe aus (oft auch mit Irisblende zum Anpassen der Tiefenschärfe auf Kosten von Licht und Auflösung).

Ich hoffte (und habe es noch nicht ganz aufgegeben), sowas aus dem Ortholux machen zu können und dachte, ein passendes Objektiv könnte das bewirken. Auflicht-Optik brauchts da wohl noch nicht mal, ist ja genug Platz für Licht von außen. Bevor ich also aufgebe: Was genau spricht denn dagegen? Gibt es keine passenden Objektive? Wäre das Sichtfeld zu klein? Hat das Ortholux irgendwas im Strahlengang, das dies verhindert?