Historische Diatomeen-Präparate : Aulacodiscus Africanus

Begonnen von Carsten Wieczorrek, März 24, 2026, 21:08:46 NACHMITTAGS

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Carsten Wieczorrek

Hallo,
hier ist ein weiters historisches Präparat.



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Bild 1: Aulacodiscus Africanus

Der Objektträger entspricht in seiner Größe exakt den heutigen Standardmaßen. Seine Dicke ist ca. 1,5 mm dicck. Die Kanten sind rundherum geschliffen und rund poliert.

Auf dem Objektträger sind 3 Etiketten. Oben ein ovales Etikett, dass in handschrift "Aulacodiscus Africanus" zeigt. Die Handschrift ähnelt sehr ser hier gezeigten: hier.
Das untere ovale Etikett ist leer. Unter dem Präparat klebt ein kleines rundes Etikett mit der Aufschrift "E.WHEELR 48 Tollington Road Holloway ".

Das Präparat wird von einem runden Deckglas verschlossen. Dieser ist mit einem dicken glänzend schwarzen Lackring versiegelt.

Edward Wheler (1850–1919) – Lebenslauf

 1850: Geburt in Claverdon, Warwickshire. Er entstammte einer wohlhabenden Familie (sein Vater war Edward Wheler senior).

Um 1870–1880: Wheler schlägt keine klassische wissenschaftliche Laufbahn ein, sondern widmet sich als Privatgelehrter der Naturgeschichte. Er zieht nach Alnwick, Northumberland.
1881: Er wird Mitglied der Quekett Microscopical Club in London. Dies markiert den Beginn seiner intensiven Vernetzung mit der Elite der britischen Mikroskopiker.

Um 1885–1895: Hochphase seiner Präparationstätigkeit. Wheler spezialisiert sich auf Diatomeen-Legungen (arranged slides) und mikroanatomische Schnitte. Seine Präparate sind heute extrem gesucht, da er sie fast ausschließlich für den Eigenbedarf oder zum Tausch mit anderen Experten (wie Cole oder Ward) herstellte.

1898: Wheler veröffentlicht bedeutende Arbeiten über die Struktur von Zecken und Milben, wobei er seine exzellenten mikroskopischen Techniken zur Dokumentation nutzt.

1906: Er publiziert in der Journal of the Quekett Microscopical Club über verfeinerte Methoden zur Reinigung von Diatomeen-Proben.

1919: Edward Wheler stirbt in Alnwick. Ein Großteil seiner persönlichen Sammlung befindet sich heute in bedeutenden Museen und Archiven, unter anderem im Natural History Museum in London.


Was sieht man? Wie immer ungeputz, 10er Planachromat im DIK.


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Bild 2: Aulacodiscus Africanus, 10er Planachromat im DIK


Und Bild 3 mit dem 40er Objektiv.



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Bild 3: Aulacodiscus Africanus, 40er Planachromat im DIK
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Carsten Wieczorrek

Auch hier einen Nachschlag:


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Bild 4: Details mit dem 100er im DIK



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Bild 5: negativer Phasenkontrast



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Bild 6: bunter Phasenkontrast



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Bild 7: Dunkelfeld


Und auch hier die Antwort der KI, was das sein soll:

Präparat Wheeler

Bestimmung: Aulacodiscus kittonii
(Größenangabe: 105 µm)

1. Strukturanalyse:

Symmetrie: Radiärsymmetrisch (zentrisch), makellos kreisförmiger Schalenbau.

Rippenstrukturen & Zentrum: Das absolute, diagnostische Hauptmerkmal dieser Schale sind vier markante, erhabene Fortsätze (Prozesse / Pseudocellen), die symmetrisch im submarginalen Randbereich (knapp innerhalb des Randes) positioniert sind. Von jedem dieser vier Fortsätze verläuft eine feine, schnurgerade hyaline (durchsichtige) Furche bzw. ein Strahl exakt bis zum Mittelpunkt der Schale. Diese bilden ein klares, vierstrahliges Kreuz. Im direkten Zentrum treffen sie sich in einem winzigen hyalinen Punkt; eine echte Rosette fehlt.

Areolenmuster: Die Flächen zwischen den vier hyalinen Furchen sind dicht mit vergleichsweise feinen Areolen besetzt. Diese sind nicht streng radial, sondern in leicht gebogenen Bündeln (faszikuliert) angeordnet, die sich an den hyalinen Strahlen orientieren.

2. Am besten passende Taxa:

Aulacodiscus kittonii – 85 % (Das klassische, kreuzförmige Muster aus vier Randprozessen mit dazugehörigen hyalinen Furchen zum Zentrum ist das Lehrbuchmerkmal dieser Art. Die feine Areolierung und der gemessene Durchmesser von 105 µm passen perfekt in das bekannte Größenspektrum dieser bekannten Oamaru-/Fossil-Form).

Aulacodiscus petersii – 10 % (Teilt den unverkennbaren Gattungs-Bauplan mit den Furchen und oft vier Prozessen, weist aber in der Regel ein deutlich gröberes Wabenmuster und ein ausgeprägteres Zentralfeld auf).

Aulacodiscus margaritaceus – 5 % (Ebenfalls sehr ähnlich im Grundaufbau, variiert aber statistisch stärker in der Anzahl der Prozesse (oft 3, 5 oder mehr) und zeigt morphologisch meist eine etwas abweichende Porendichte).

3. Fazit:
Die Kombination aus randständigen, erhabenen Prozessen und den von dort ins Zentrum verlaufenden, glatten Furchen weist diese Diatomee vollkommen zweifelsfrei der Gattung Aulacodiscus zu (wodurch z. B. Eupodiscus anatomisch direkt ausscheidet). Die exakte vierzählige Symmetrie der Fortsätze in Verbindung mit dem Durchmesser von 105 µm und dem feinen, faszikulierten Areolennetz sichert die Bestimmung als Aulacodiscus kittonii mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ab. Das DIK-Verfahren stellt die leicht erhabene Topografie der Prozesse hier fantastisch plastisch dar.

Auch hier habe ich nach Aulacodiscus Africanus gefragt:

Bewertung des historischen Etiketts: "Aulacodiscus africanus"

Im Gegensatz zu dem vorherigen Coscinodiscus-Etikett haben Sie hier einen echten historischen Volltreffer vorliegen! Das Etikett ist mit größter Wahrscheinlichkeit völlig korrekt.

Hier ist der faszinierende fachliche und historische Hintergrund dazu:

1. Taxonomische Nähe (Ein morphologischer Zwilling):
Aulacodiscus africanus[1] (erstbeschrieben 1876 von Arthur Cottam[1]) ist morphologisch so extrem nah an Aulacodiscus kittonii[2], dass selbst berühmte Diatomeen-Forscher des 19. Jahrhunderts (wie John Rattray) die Alge zeitweise lediglich als geografische Varietät einstuften: Aulacodiscus kittonii var. africanus[3].
Beide teilen exakt den Bauplan, den mein Algorithmus auf Ihrem Bild erkannt hat: meist exakt vier submarginale Prozesse (Fortsätze) und die markanten, kreuzförmigen hyalinen Strahlen, die sich im Zentrum treffen[2]. Im reinen Lichtmikroskop sind sie kaum voneinander zu unterscheiden.

2. Der historische Kontext (Das "Banana Creek" Material):
Der Name A. africanus ist in der historischen Mikroskopie legendär. 1876 brachte ein britischer Offizier von einer Kongo-Expedition aus Westafrika (Banana Creek) Schlamm mit, der geradezu unfassbarerweise fast zu 100 % aus einer reinen Population genau dieser einen Diatomee bestand[1]. Dieses Material wurde damals unter den Mitgliedern berühmter Mikroskopie-Clubs (wie dem Quekett Club oder der Postal Microscopical Society) massenhaft getauscht[1][4]. Die Chance ist extrem hoch, dass Ihr Präparat Wheeler genau aus dieser berühmten, 150 Jahre alten afrikanischen Charge stammt!

Fazit:
Meine optische Bestimmung auf die Artengruppe rund um Aulacodiscus kittonii war anatomisch goldrichtig, da der Bauplan identisch ist. Das alte Etikett "Aulacodiscus africanus" liefert Ihnen nun aber den exakten, historisch korrekten Namen (bzw. die Varietät) für genau diese (ursprünglich tropische[5]) Unterform.

Sie können das Etikett absolut vertrauensvoll so stehen lassen – es ist ein wunderschönes Stück Mikroskopie-Geschichte!

Sources help

microscopist.net
researchgate.net
researchgate.net
quekett.org
vliz.be
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako