Quergestreifte Muskeln bei Rädertieren

Begonnen von Michael Plewka, Oktober 20, 2010, 22:47:47 NACHMITTAGS

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Michael Plewka

Liebes Forum,

hier einige Bilder von Rädertieren, bei denen die quergestreifte Muskulatur besonders gut zu beobachten ist. Natürlich ist dieses hier keine vollständige Übersicht. Es sollen hier lediglich ein paar Beispiele aufgezeigt werden für die jeweilige Funktion der quergestreiften Muskulatur.

Die quergestreiften Muskeln  finden sich vor allem im Bereich des Fußes, wenn dieser eine Springfunktion hat, wie z.B. bei Monommata oder bei Microcodon. Unter welchen Bedingungen diese unter dem Deckglas zu beobachtenden "Sprünge" in der freien Natur auftreten, dürfte schwierig zu ermitteln sein. Naheliegend ist ein Fluchtreflex.

Monommata sp.:


Ausschnitt:


Microcodon sp.:






In die gleiche Kategorie fallen die Muskeln der Springflossen bei Polyarthra. Viele meiner geblitzten Aufnahmen von diesem Viech sind nichts geworden, weil im Fall einer geblitzten Aufnahme der Spiegel der Kamera  hochschlägt bevor die Kamera auslöst. In diesem Intervall (Experten werden die Zeit bestimmt errechnen können) hat Polyarthra bereits eine "Sprung" gemacht. Die hier gezeigte Aufnahme ist nicht geblitzt (Belichtungszeit : 1/2 sec!) :




Im Ausschnitt ist erkennbar, dass ein Teil der Fasern sich bis zum Gehirn fortsetzt. Das sind wahrscheinlich Retraktoren für den Kopfbereich:




Die langen Springborsten von Filinia werden betätigt, indem der Kopfbereich mittels Retraktoren eingezogen wird, welche ebenfalls eine Querstreifung aufweisen. Wie dieser Mechanismus funktioniert, habe ich hier im Forum mal beschrieben. https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1728.0




Als Retraktoren  dienende quergestreifte Muskeln finden sich auch bei anderen Rädertieren. Paradebeispiel hierfür ist Testudinella (patina), deren Muskelfasern hier in diesem Forum Gegenstand intensiver Diskussionen waren. Im Ausschnittsbild ist eine  Zweiteilung des Muskels zu erkennen. Mittlerweile ist durch Fluoreszenzmikroskopie die Muskulatur von Testudinella intensiv erforscht. Man weiß daher, dass es insgesamt 5 Muskelfasern pro Retraktor sind :


Ausschnitt:



Zum Schluss noch ein Beispiel der quergestreiften Muskulatur aus dem Mastaxbereich. von Synchaeta:





viel Spaß beim Anschauen wünscht Michael Plewka




Frank Fox

Hallo Michael,

das ist eine sehr schöne Darstellung von Rädertieren.
Super!
Fotografisch sehr schön und informativ!

Herzliche Grüße
Frank
Mikrofotografie
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Faszination Mikroskopie
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Zeitschrift Mikroskopie
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YouTube - Kanal
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Ernst Hippe

Ich schließe mich meinem Vorschreiber gerne an -hervorragend! Kleiner Ergänzungsvorschlag für eine nächste Gelegenheit: Polarisation. Die müßte die Muskeln besonders gut zeigen. Aber erst mal vielen Dank!
Gruß Ernst Hippe
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Jan Kros

Hallo Michael,
Wunderschöne Bilder und eine interessante Information
Danke
Herzlichen Gruss
Jan

Michael Plewka

#4
hallo zusammen,
recht herzlichen Dank für die positiven Rückmeldungen! @ Herrn Hippe:
lieber Herr Hippe, Sie haben mal vor einiger Zeit wunderbare Bilder von Chaoborus eingestellt. Dort hoben sich die Muskelfasern sehr deutlich von den anderen Geweben ab.  
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1683.0


Ich habe mit verschiedensten Einstellungen meines DIKs, welcher ja u.a. auch auf Polarisation basiert, bei eben Chaoborus experimentiert und habe bei diesem Präparat ebenfalls die Muskelfasern sehr deutlich von den anderen Geweben differenziert bekommen.
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=7208.0
Allerdings haben diese Einstellungen bei Asplanchna und anderen Rädertieren nichts gebracht. Mit Tesa-Film als Hilfsobjekt habe ich ebenfalls experimentiert (unter dem Objektträger), aber das brachte auch nichts. Haben Sie als Experte für Polarisation noch eine Idee?

beste Grüße Michael Plewka

Ernst Hippe

Lieber Herr Plewka,
im Gegensatz zu den Muskeln von Chaoborus sind die von Asplanchna offenbar sehr schwach doppelbrechend. Mit meinem Hilfsobjekt von ca.1200 nm (drehbar über dem Polarisator, Glimmer oder Folien) würde man vielleicht mehr sehen, allerdings mit ebenfalls drehbarem Polarisator. Ob das mit DIC so ginge? Probiert habe ich es mit Rädertieren noch nicht. Bei nächster Gelegenheit will ich darauf achten.
Gruß Ernst Hippe
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Holger Adelmann

Tolle Aufnahmen mal wieder, Herr Plewka.

Stellt sich für mich die Frage, ob die quergestreifte Muskulatur der Rädertiere genauso aufgebaut ist wie die der Säugetiere?

Teilbild aus meinem früheren Post https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6175.msg47857#msg47857, Schema aus Wikipedia:



Ich vermute es, aber haben Sie hierzu etwas gelesen?

Herzliche Grüsse
Holger Adelmann

Michael Plewka

hallo zusammen,
@ Herrn Hippe: das mit dem Glimmer werde ich mal ausprobieren. Mein Mikroskop erlaubt es, die DIK-Prismen aus dem Strahlengang herauszunehmen, so dass ein reines Polarisationsmikroskop  entsteht, also müsste es technisch funktionieren.
@ Herrn Adelmann,
Ihre hervorragenden Bilder zu den Wirbeltier-Muskeln sind mir natürlich bekannt ;-) , aber ich gebe gerne zu, dass ich mir über die Möglichkeit von Unterschieden zur Wirbellosen-Muskulatur noch keinerlei Gedanken gemacht habe und demzufolge wenig Informationen habe. Insofern ist Ihr Hinweis sehr hilfreich. Bezogen auf die Ultrastruktur der Muskeln der Rädertiere gibt es allerdings  herzlich wenig Material, an das ich - wie so häufig- über das www. nicht herankomme. Also warten wir ab....
beste Grüße Michael Plewka