Merkwürdige Erscheinung im Hilfsmikroskop

Begonnen von Nomarski, Januar 11, 2011, 21:33:38 NACHMITTAGS

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Nomarski

Hallo Forum,

ich war gerade dabei, für den Phasenkontrast im Hilfsmikroskop die Blende zu zentrieren und hatte dabei folgendes Bild:


???

VG
Bernd

liftboy

Hallo Bernd,
diese Erscheinung kenne ich eigentlich nur aus der Astronomie, es nennt sich Halo.
Dabei ist dann nicht nur die Sonne direkt zu sehen, sonder jeweils rechts und links zwei "Nebensonnen".
Guck mal bei Wiki nach.
Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Jürgen Boschert

Hallo Bernd,

könnte ds durch Überlagerung mit dem primären Beugungsbild des Objektes zustande gekommen sein ? Ist das Bild bei anderen Objekten identisch ?

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

Nomarski

Hallo Jürgen,

hatte vergessen zu erwähnen: Das Objekt stammt aus einem Diatomeenpräparat und ist eigentlich nur ein Fragment gewesen, das sich scheinbar wie ein Beugungsgitter auswirkt.
Bei anderen Objekten in diesem Präparat ist mir die Erzeugung eines solchen Bildes nicht gelungen.


hinrich husemann

#4
Hallo Hilfsmikroskopiker,
hier nur zum Vergleich zwei Beispiele für entsprechende primäre Beugungsbilder eines Liniengitters mit 570 = LP/mm bzw. Gitterkonstante g = 1,75 µm ("weisse" LED-Beleuchtung)

        links: Planachromat 40/0,65 PH2 ;                                                 rechts: Planachromat 25/0,45 PH2



Bunte Mikrogrüsse
H. Husemann

Nomarski

Guten Tag Herr Husemann,

Zitat("weisse" LED-Beleuchtung)

Die verwende ich nun auch. Aber wie kommt denn bei Ihnen dieses Hellblau zustande? Welche Wellenlänge im Spektrum soll denn das sein?  ???

hinrich husemann

Hallo Herr Wainzyk,
wenn ich mir das "weisse" Licht meiner LED-Beleuchtung mit dem Handspektroskop betrachte, erscheint mir subjektiv das Blau im Verhältnis zum "normalen" Tageslichtspektrum merklich intensiver; das Grün dagegen merklich schwächer, das Gelb wieder kräftiger. Offenbar entspricht die spektrale Intensitätsverteilung hier nicht der des Tageslichts und ist auch nicht so kontinuierlich. Die Beugung am Gitter stellt ja im Prinzip eine Spektralanalyse dar. Offenbar besteht das "weisse" LED-Licht zwar nicht aus getrennten Spektrallinien, sondern mehr aus intensiveren Spektralbändern mit "Schwächezonen" dazwischen. Rein visuell am Mikroskop ist mir das in den Beugungsbildern auch nicht ganz so stark erschienen; die Kamera ist da offenbar etwas "sensibler". Soweit mein Erklärungsversuch.
Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann

Nomarski

Mit manchen Diatomeen als Beugungsgitter läßt sich jedenfalls fleißig experimentieren:





Vielleicht schafft jemand noch das Audi-Zeichen oder die Olympia-Ringe.. 8)

hinrich husemann

Die hexagonale Gitterstruktur von Pleurosigma spiegelt sich zumindest für den kurzwelligeren Bereich gerade noch erkennbar in dem unteren primären Beugungsbild. In dem sekundären Bild darüber allerdings nicht mehr. Trotzdem lässt Abbe grüßen.
Mikrogrüsse
H. Husemann

Nomarski

Dann grüßen Sie mal den Herrn Abbe schön zurück und zum Abschluß hätte ich noch das Beugungsbild der Gyrosigma anzubieten:




hinrich husemann

Das Alles habe ich schon - an den gleichen Objekten - vor einigen Jahren getan; nachzulesen im MK, 2006, Heft 2 , S. 115 - 121 : "Gitterkonstanten von Diatomeen".
Mikrogrüsse
H. Husemann

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

Abbe hätte seine Freude daran, dass sein Versuche in abgewandelter Form solches Interesse erwecken.

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

Nomarski

Das ist aber hochinteressant und sollte auch in der Mikrofibel stehen. Ich bitte aber trotzdem um Nachsicht, da ich erst seit ein paar Monaten ein eigenes Mikroskop besitze, mit dem ich mir sowas in natura anschauen kann.
Nochmals besten Dank für Ihre Erläuterungen und den Einstieg in diese Diskussion.

Gruß
Nomarski

hinrich husemann

#13
Pleurosigma nur noch mal zur Ergänzung in schwarz-weiss: Enge Kondensorblende, monochromatisch (grün, 550 nm), mit einer Objektiv-NA von 1,3:



Die drei praktisch gleichen Gitterkonstanten vermessen sich zu etwa 0,58 µm

Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann

Detlef Kramer

Lieber Herr Husemann,

hier, als kleine Ergänzung, die Spektren von drei typischen weißen LEDs (zitiert aus dem Datenblatt der Luminus):


Hier erkennt man deutlich die erhebliche Lücke im Grün. Die weiße LED funktioniert ja so, dass ein blau leuchtender Chip in einem Fluoreszenzfarbstoff gelbes, rotes und wenig grünes Licht erzeugt. Das zusammen ergibt den Eindruck "Weiß". Es ist also kein Linienspektrum, sondern ein diskontinuierliches lineares Spektrum. Für einige kritische Bereiche der Mikroskopie ist die LED wegen ihrer Grün-Lücke daher wenig geeignet.

Übrigens hat Olympus dieses Problem weitgehend gelöst; wie, ist mir bis jetzt aber nicht bekannt.

Herzliche Grüße

Detlef Kramer
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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