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#91
Mikrofoto-Forum / Aw: Interessante Pilzfunde 185...
Letzter Beitrag von A. Büschlen - Oktober 08, 2026, 15:16:55 NACHMITTAGS
Hallo Bernd,

warum hast du die Sporen in Baumwollblau eingedeckt? Sollen die Sporen eine Cyanophilie zeigen?

Grüsse Arnold
#92
Mikrofoto-Forum / Interessante Pilzfunde 185 – B...
Letzter Beitrag von Bernd Miggel - Oktober 08, 2026, 15:11:03 NACHMITTAGS
Bauchweh-Koralle (Ramaria pallida, Synonym R. mairei)

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Bild 1 - 20250811_103322_b.jpg
Bild 1 – Junger Fruchtkörper, Schonwald ,,Heselmiss", Nordschwarzwald, saurer Boden, direkt neben kalkgeschottertem Weg. Foto: Liss Hoffmann.

Bei dieser auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkenden Bauchweh-Koralle (Ramaria pallida) haben wir eine der größten Arten der Gattung vor uns. Man erkennt sie an den cremefarbenen Ästen mit rosalichen Astspitzen. Sie geht eine Mykorrhiza mit Laub- und Nadelbäumen, wie Fichten, Rotbuchen, Eichen, Hainbuchen, ein. Voraussetzung sind Kalkböden. In der Rote Liste gefährdeter Pilze Deutschlands (2016) wird sie in der Kategorie 3 (gefährdet) geführt.

Bild 2 - 20250811_103659.jpg
Bild 2 - Fruchtkörper derb, flach aufsitzend, mit weißem Strunk, cremefarbenen Ästen und rosa Astspitzen. Foto: Liss Hoffmann.

Makroskopische Merkmale

Der gesamte Fruchtkörper wird gemäß CHRISTAN 2008 bis 15 cm hoch und 16 cm breit. Eigene Beobachtungen zeigten Breiten von bis zu 20 cm. Im jungen Zustand besitzt der Pilz eine blumenkohlartige Form, reife Fruchtkörper sehen eher strauchartig aus. Der Strunk ist weiß, meist kräftig und sitzt dem Boden breit auf, wobei er mit benachbarten Fruchtkörpern zusammenwachsen kann. Die Äste sind beigefarben und enden bei nicht zu alten Exemplaren in einem rosafarbenem ,,Krönchen". Das Fleisch ist weiß und marmoriert, anfangs fest, später weich. Im Geruch ist die Art angenehm würzig, im Geschmack säuerlich.

Bild 3 - 20250811_103740.jpg
Bild 3 – Man erkennt marmoriertes, weißes Fleisch. Foto: Liss Hoffmann.

Bild 4 - Ramaria pallida-bearb_Ramaria-Kurs_2014_U. Schäfer.JPG
Bild 4 – Junge Exemplare, Weißtannen-Rotbuchenwald auf Kalkboden, Mittlerer Schwarzwald. Foto: Udo Schäfer.

Bild 5 - Ramaria pallida (2)_bearb_Ramaria-Kurs_2014_U. Schäfer.JPG
Bild 5 - Reifes Exemplar, Weißtannen-Rotbuchenwald, Mittlerer Schwarzwald. Foto: Udo Schäfer.

Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind ellipsoid und besitzt ein unregelmäßig warzig-wulstig, teils längsgerichtetes Ornament. Die Maße im Mittel: L x B 9,2-11,5 x 4,9-5,9 µm, Q 1,7-2,2. Die Hyphen besitzen an ihren Septen keine Schnallen.

Bild 6 - Sporen, 6222.jpg
Bild 6 – Sporen ellipsoid mit schwach erhabenem, wulstig-warzigem Ornament. Präpariert in Baumwollblau. Foto Bernd Miggel.

Verwechslungsmöglichkeiten

Beachtet man Größe und Farbe der Fruchtkörper, besteht keine Verwechslungsgefahr mit anderen Arten der Gattung.

Literatur

BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (1986): Pilze der Schweiz Bd. 2: Nr. 473.
CHRISTAN, J. (2008): Die Gattung Ramaria in Deutschland: 220-221.
DÄHNKE, R.M. (1993): 1200 Pilze in Farbfotos: 1029.
GMINDER, A. (2014): Handbuch für Pilzsammler: 316.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bauchweh-Koralle


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Bernd

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#93
Mikrofoto-Forum / Interessante Pilzfunde 184 – F...
Letzter Beitrag von Bernd Miggel - Oktober 08, 2026, 14:51:55 NACHMITTAGS
Feuerfarbene Koralle (Ramaria ignicolor)

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Bild 1 - Ramaria ignicolor Dottenweiler 6.9.2025 Alis (2).jpg
Bild 1 – Einzelner Fruchtkörper, Distrikt ,,Weinsümpfle" nahe Dottenweiler, Mittlerer Schwarzwald, bei Fichte und Weißtanne, Kalkboden. Foto: Alois Ehret.

Die Fruchtkörper der Feuerfarbenen Koralle (Ramaria ignicolor) sind nicht groß, wirken aber bei näherem Hinsehen durch ihr Farbspiel sehr apart. Bei dieser ,,Koralle" kann man verstehen, dass Hermann Jahn (1985) von ,,schönfarbigen Korallen" spricht. Diese sehr seltene Art benötigt Kalkboden und geht eine Mykorrhiza mit Nadelbäumen, wie Fichten und Weißtannen, ein. Die hier gezeigten Fruchtkörper wurden Anfang September 2025 in einem Bergnadelwald nahe Dottenweiler im Mittleren Schwarzwald während einer Pilzexkursion des Mykol. Arbeitskreises Hornberg aufgesammelt und fotografiert.
In der Roten Liste gefährdeter Pilze Deutschlands (2016) ist die Feuerfarbene Koralle der Kategorie R (extrem selten) zugeordnet.

Ramaria ignicolor Dottenweiler 6.9.2025 Alis (1).jpg
Bild 2 – siehe Bild 1.

Makroskopische Merkmale
Die Fruchtkörper werden (CHRISTAN 2008) bis zu 11 cm hoch und 6 cm breit. Der Strunk ist büschelig verwachsen, unten weiß, weiter oben rosalich creme bis blass lachsfarben. Die Äste sind mehrfach verzweigt und deutlich aufwärtsstrebend, ihre Oberfläche glatt, die Astgabelungen spitz oder eng gerundet, die Astenden in Form eines Krönchens ausspitzend. Die Astfarben sind leuchtend rosalich lachsfarben, die Astenden gelblich. Das Fleisch ist anfangs elastisch, später spröde, faserig, gelatinös, rosalich, hell orange bis blass lachsorange, anfangs in den Ästen voll, später hohl. Der Geschmack des Fleisches ist mild, etwas säuerlich, der Geruch schwach, leicht säuerlich.


Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind breit ellipsoid bis fast kugelig und besitzen eine fast glatte Oberfläche mit einem sehr flachen, unregelmäßig warzig-wulstigem Ornament. Die Maße sind im Mittel L x B 6,8-8,5 x 4,7-5,7 µm, Q 1,3-1,6.
Die Hyphen besitzen an ihren Septen keine Schnallen.

Verwechslungsmöglichkeiten
Achtet man auf den büschelig verwachsenen Strunk und die leuchtend rosalich lachsfarbenen Äste mit gelben Enden und die fast kugeligen Sporen, dann sind Verwechslungen mit anderen Arten der Gattung nahezu ausgeschlossen.

Literatur
• CHRISTAN, J. (2008): Die Gattung Ramaria in Deutschland: 212-213.
• JAHN, H. (1985): Erfahrungen mit schönfarbigen Korallen (Ramaria) in Kalkbuchenwäldern. – Myk. Mitteilungsblatt, Jg. 28 (1): 9-19.
• KRIEGLSTEINER, G.J. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2: 81.
• LÄSSÖE, T. & PETERSEN, J (2019): Fungi of Temperate Europe, Volume 2: 1149.


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Bernd


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#94
Mikrofoto-Forum / Bursaria truncatella, Liebe au...
Letzter Beitrag von Spectrum - Oktober 08, 2026, 14:39:14 NACHMITTAGS
Hallo,
In einer meiner Schalen geht es heiß her.
Bursaria truncatella konjugiert was das Zeug herhält.
Die Aufnahme ist nur quick&dirty mit dem Handy am Stemi aufgenommen worden, aber dafür am richtigen Ort zur richtigen Zeit.
Es ist genau der Zeitpunkt an dem sich zwei einzelne Zellen treffen und ineinander verhaken:
Die Pärchen sehen dann anfangs so aus:
IMG_20261011_133349.jpg

Herzliche Grüße
Holger
#95
Mikrofoto-Forum / Interessante Pilzfunde 183 – R...
Letzter Beitrag von Bernd Miggel - Oktober 08, 2026, 14:25:05 NACHMITTAGS
Rosafüßiger Erdritterling (Tricholoma basirubens)

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Bild1.jpg
Bild 1 - Wärmebegünstigter Wuchsort in Thürigen, Martinroda, NSG Veronikaberg (Foto: Andreas Gminder)

Beim Rosafüßigen Erdritterling (Tricholoma basirubens) handelt es sich um einen seltenen, mittelgroßer Ritterling mit grau bis schwarz beschupptem Hut, weißem, grau befasertem Stiel und rötender Stielbasis. Eine Art thermophiler Laubwälder, die eine Mykorrhiza mit Rotbuchen und Eichen eingeht und dabei Kalkböden bevorzugt. In der Roten Liste der Großpilze Deutschlands (2016) findet man ihn unter Tricholoma orirubens var. basirubens in der Gefährdungskategorie D (Daten unzureichend).

Bild2.jpg
Bild 2 - Einzelner Fruchtkörper mit rosa gefleckter Stielbasis (Foto: Andreas Gminder)

Merkmalbeschreibung z.T. in Anlehnung an CHRISTENSEN et al. 2013
Makroskopische Merkmale:

Hut bis 9 cm, in Ausnahmefällen bis 12 cm breit, anfangs konvex, später flach ausgebreitet, gerne mit gewelltem Rand; Oberfläche jung filzig, bald in bräunliche bis schwarze Schuppen aufreißend, die zum Rand hin spärlicher und undeutlicher ausfallen; äußerster Rand glatt bis filzig. Lamellen weiß bis grauweiß, niemals rötend, ausgebuchtet angewachsen, stark mit Lamelletten untermischt, nicht gegabelt; Schneide gleichfarben und glatt. Stiel zylindrisch bis keulig, weiß bis blass grau, fein graubraun bis grau gepunktet, beschuppt oder befasert; Basis bei vielen Exemplaren grell rosa gefleckt; Basalmyzel weiß. Fleisch weiß bis graulich; Geruch und Geschmack nach Mehl (geschnittener Gurke).

Bild3.jpg
Bild 3 - Wärmebegünstigter Wuchsort im Walddistrikt ,,Weinsümpfle" bei Dottenweiler, Baden-Württemberg - Schwache Rotfleckung an der Stielbasis sichtbar. (Foto: Alexander Reichert).

Sporen breit ellipsoid, dünnwandig, glatt: L x B 5,5-6,5 x 3,9-5,2 µm, Q 1,26-1,52.

Bild4.jpg
Bild 4 - Ältere, trockene Fruchtkörper mit deutlich grell rosa Stielbasis, Hornberg, Baden-Württemberg (Foto: Udo Schäfer).
 
Verwandtschaftliche Beziehungen
Tricholoma basirubens gehört zur Sektion Atrosquamosa, deren Mitglieder sich durch folgende Eigenschaften charakterisieren lassen: Hut grau bis nahezu schwarz, dicht schuppig; Fleisch im Schnitt entweder nach Mehl (geschnittene Gurke) oder wie gemahlener schwarzer Pfeffer (geschnittenes Haselwurz-Rhizom) riechend. Die Sektion gliedert sich in folgende fünf Arten: Tricholoma atrosquamosum, Tricholoma basirubens, Tricholoma olivaceotinctum, Tricholoma orirubens und Tricholoma squarrulosum.

Die DNA-Analyse, basierend auf der ITS-Sequenz, ergibt das folgende Phylogramm:

Bild5.jpg
Bild 5 - Phylogenetischer Baum der Sektion Atrosquamosa

Um den Grad der Verwandtschaft zwischen zwei beliebigen Arten aus obiger Grafik zu ermitteln, addiere man die Längen der waagerechten Äste auf ihrem direkten Weg von der einen zur anderen Art. Je kürzer der Summenwert, desto stärker verwandt sind die Arten miteinander und umgekehrt.

Abgrenzungen
• Rosafüßiger Erdritterling Tricholoma basirubens: Geruch nach Mehl; Stielbasis grell rosa fleckend; Basalmyzel weiß; Sporen L x B 5,5-6,5 x 3,9-5,2 µm, Q 1,26-1,52.
• Rötender Erdritterling Tricholoma orirubens: Geruch nach Mehl; Stielbasis blaugrün fleckend; Basismyzel gelb; Sporen kleiner als die von T. basirubens:
L x B 4,6-5,6 x 3,7-4,5 µm, Q 1,22-1,43.
• Schwarzschuppiger Erdritterling Tricholoma atrosquamosum: Geruch pfeffrig; Stielbasis ungefleckt; Basalmyzel weiß; Sporen schmaler als die von T. basirubens: L x B 5,0 - 5,8 x 3,5-4,1 µm, Q 1,33-1,65.

Weiterführende Literatur
• M. Christensen, J. Heilmann-Clausen: The genus Tricholoma. Fungi of Northern Europe, Vol. 4, Seite 140 - 141 R. Galli: Tricolomi: Seite 128 - 129
• R. Galli: Tricolomi: Seite 128 - 129
• Gminder & G. Saar: Ergänzungen zur Großpilzflora von Baden-Württemberg, Teil 1: Andreas 19, Seite 209 - 210 & Abb. 8b
• E. Ludwig: Pilzkompendium Band 3, Nr. 123.26C

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Bernd


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#96
Mikrofoto-Forum / Interessante Pilzfunde 182 – S...
Letzter Beitrag von Bernd Miggel - Oktober 08, 2026, 13:39:42 NACHMITTAGS
Steinreizker-Parasit (Hypomyces lateritius, Syn.: Peckiella lateritia)

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Bild 1 - Lactarius-salmonicolor-Hypomyces lateritus (1) - 1zu1 Udo Schäfer.jpg
Bild 1 – Hypomyces lateritius auf Lachsreizker. Foto: Udo Schäfer.

Bei Hypomyces lateritius handelt es sich um einen Ascomyceten, und zwar einen Kernpilz (Pyrenomycet), der die Fruchtschicht rotmilchender Reizker befallen kann. Durch den Befall werden die Lamellen des Milchlings stark verformt bzw. in ihrem Wachstum derart behindert, dass die Hutunterseite sehr hell und nahezu glatt erscheint. Die befallenen Pilze sind angeblich trotz des Befalls essbar (DÄHNKE 1993).
In der Roten Liste gefährdeter Großpilze Deutschlands (2016) wird die Art nicht bewertet.
Den in den Bildern 1 und 2 dargestellten Fruchtkörper fand Udo Schäfer am 26. September 2026 im ,,Beschenhof-Wald" bei Schramberg im Mittleren Schwarzwald, bei Weißtanne auf stark oberflächenversauertem Muschelkalkboden.

Bild 2 - Lactarius-salmonicolor-Hypomyces lateritus (1) - Udo Schäfer.jpg
Bild 2 – Blick auf die Perithecienöffnungen (Ostiolen) von Hypomyces lateritius. Foto: Udo Schäfer.

Bild 3 - L. deterrimus mit H. lateritius - Hagen Graebner, Wikipedia.org.jpg
Bild 3 - L. deterrimus mit H. lateritius. Foto: Hagen Graebner

Lizenz Bild 3: Steinreizker1.jpg: Hagen Graebner derivative work: Ak ccm (talk), 2011-11-09 Lactarius deterrimus Hypomyces lateritius, CC BY-SA 3.0


Die folgende Beschreibung erfolgt in Anlehnung an MUNK 1957:

Stroma blass ockerfarben, mit einer kompakten Textur aus eher schmalen, undeutlichen, runzeligen, hellbräunlichen Zellen.
Perithecien eingesenkt, nur mit ihren leicht konischen, kurzen Hälsen hervortretend; Durchmesser ca. 250 µm, Höhe 350 µm, etwas dunkler als das Stroma.
Peridie ca. 20 µm dick, sehr weich, aus zahlreichen Schichten stark abgeflachter, dünnwandiger Zellen bestehend.
Asci ca. 130 × 4–5 µm, streng zylindrisch, das Perithecium ausfüllend; Apex 3 µm dick; Apikalkappe stark entwickelt, exakt halbkugelig.
Ascosporen streng uniseriat (oder leicht schräg einreihig), 18–20 × 3–4 µm, subfusiform, an den Enden etwas abgestutzt und mit 2–3 µm langen, pfriemförmigen Anhängseln, anscheinend unseptiert; Epispor hyalin bis leicht gelblich, deutlich punktiert.

Bild 4 - Peckiella lateritia - Dähnke.jpg
Bild 4 – Hypomyces lateritius auf Lactarius salmonicolor. Foto: aus Dähnke 1993.

Weiterführende Literatur
•    DÄHNKE, R.M. (1993): 1200 Pilze in Farbfotos: 951.
•    Munk, A. (1957): Danish Pyrenomycetes. A Preliminary Flora. – Dansk Botanisk Arkiv 17: 73 & Fig. 14d.
•    https://de.wikipedia.org/wiki/Hypomyces_lateritius
•    https://wwwuser.gwdguser.de/~rjahn/Pilzbriefe/PB_Bd_7_18.pdf

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Bernd


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#97
Mikrofoto-Forum / Interessante Pilzfunde 181 - G...
Letzter Beitrag von Bernd Miggel - Oktober 08, 2026, 11:48:39 VORMITTAG
Großsporiger Riesenchampignon (Agaricus urinascens, Syn. A. macrosporus)

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Bild 1.jpg
Bild 1 – Fundort: Wiese, Fruktifizierung zwischen aufwachsendem Adlerfarn.
 
Einführung, Lebensweise und Verbreitung
Im September 2026 fand ich bei einer Kartierungsexkursion im Naturschutzgebiet ,,Mistwiesen" im Nordschwarzwald einen einzelnen, durch seine enorme Größe und seine weiße Färbung weithin sichtbaren Großsporigen Riesenchampignon Agaricus urinascens. Er stand dort inmitten von Adlerfarn-Jungaufwuchs, Begleitpilze waren Wiesenchampignons. Das Wetter war seit Tagen trocken und sonnig gewesen, und das Exemplar war voll ausgewachsen.
Bei den Egerlingen handelt es sich durchweg um terrestrische Saprobionten, die Humus, Streu oder Dung abbauen.
Die Rote Liste gefährdeter Großpilzarten Deutschlands (2016) führt unsere Art in der Kategorie G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes).

Bild 2.jpg
Bild 2 – Hutrand mit Fetzen des Rings; Stiel schlankkeulig. Sehr schwach gelbliche KOH-Reaktion ganz oben am Stiel. 

Makroskopische Merkmale des Fundes
Der Hut war 18 cm breit, flach ausgebreitet mit flachem Buckel und eingerolltem Rand, weißlich und eingewachsen schuppig. Nach der Fachliteratur sind Hutdurchmesser von 30 cm keine Seltenheit. Stiel stämmig, leicht keulenförmig, enghohl und mit 12 x 4 cm kürzer als der Hutdurchmesser. Ring hängend und derb, mit glatter Ober- und gefranster Unterseite. Stiel oberhalb des Rings glatt, unterhalb schuppig. Basalmyzel weiß, dünn. Lamellen braun, frei, dichtstehend und mit hellerer, glatter Schneide. Fleisch weiß, weder gilbend noch rötend, im Schnitt nach wenigen Minuten bräunend. Geschmack angenehm und mild. Der Geruch des gefundenen Exemplars wurde mit angenehm bis unangenehm recht unterschiedlich beurteilt. Junge Exemplare sollen angenehm anisartig riechen.

Bild 3.jpg
Bild 3 – Lamellen frei, dichtstehend; Stiel oberhalb des Rings glatt, unterhalb schuppig.

Bild 4.jpg
Bild 4 – Fleisch im Schnitt nach 5 Minuten.

Makrochemische Farbreaktionen
KOH 20% zeigte auf der oberen Stielhälfte nur eine sehr schwach gelbliche Reaktion. Die Schäffer'sche Kreuzreaktion verlief negativ, kann lt. Literatur aber auch positiv ausfallen.

Bild 5.jpg
Bild 5 – Schäffer'sche Kreuzreaktion negativ.
 
Mikroskopische Merkmale des Fundes
Basidien keulig, 4-sporig.
Sporen braun, zylindrisch, oval oder mandelförmig, glatt, dickwandig, ohne Keimporus (ohne apikale Verdünnung).
Größe nach eigener Messung auf Basis von 24 repräsentativen Sporen:
L x B = 9-11 x 6-6,8 µm, Schlankheitsgrad Q = L / B = 155-1,62. Volumen V = 200-220 µm3.

Bild 6.JPG
Bild 6 - Sporen: elliptisch bis mandelförmig, bräunlich, dickwandig.

Weitere Champignonarten mit Hutdurchmessern von 20 cm und mehr
Der Riesenchampignon Agaricus augustus unterscheidet sich allein schon durch seinen braunschuppigen Hut. Auch sind die Sporen mit im Mittel 8 x 5 µm kleiner.
Der Große Anischampignon Agaricus macrocarpus besitzt zwar ebenfalls eine weiße Hutoberfläche, die allerdings nicht grob schuppig, sondern seidig matt ist und die auf Druck hin chromgelb verfärbt. Er riecht zudem deutlich anisartig, und seine Sporen sind kleiner.

Literatur
BON, M. (1988): Pareys Buch der Pilze: 278-279.
BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (1995): Pilze der Schweiz Bd. 4: Nr. 183.
GMINDER, A. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5: 528-529.
LUDWIG, E. (2007): Pilzkompendium Bd. 2: Nr. 99.44.

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Bernd
#98
Mikrofoto-Forum / Aw: Aufregende Geburt eines Bl...
Letzter Beitrag von wejo - Oktober 08, 2026, 10:20:12 VORMITTAG
Hallo Holger,

mit dem Mikroaquarium mache ich es so, wie es Gerd Schmahl im Forum beschrieben hat:

Zitat von: Gerd Schmahl in Februar 18, 2018, 21:23:22 NACHMITTAGSHallo,
ich nutze noch eine andere Art von Mikroaquarium, die aber auch recht simpel ist: Ich verstreiche etwas Vaseline auf meinem Handballen und streiche alle 4 Seiten eines möglichst goßen Deckglases daran, so dass alle Seiten eine feine Vaselinewulst haben. Damit decke ich einen möglicht großen Tropfen ab. Hat Vor- und Nachteile:
-relativ goßes Volumen
-praktisch luftdicht
-aber auch sehr großer Abstand zwischen OT und DG (nix für die ganz hoch auflösenden Objektive)

Durch die Luftdichtheit verändern sich die Parameter des Wasser sicher sehr stark. Wenn man in der Probe aber auch ein paar Sauerstoffproduzenten hat, lebet es auch nach 3 Wochen noch im Aquarium. Habe heute ein so altes mal wieder aufgelegt und hatte eine schöne Kultur von Bauchhärlingen.

Die Methode eignet sich auch sehr gut, um größere Organismen wie Wasserflöhe durch vorsichtiges Anquetschen der Vaseline zwischen OT und DG fest zu setzten. Solche großen Brummer kann man natürlich keine 3 Wochen am Leben halten.

Einfach und sehr hilfreich!

Herzliche Grüße

Werner
#99
Mikrofoto-Forum / Aw: Aufregende Geburt eines Bl...
Letzter Beitrag von Spectrum - Oktober 08, 2026, 08:38:13 VORMITTAG
Hallo Werner,
Das freut mich ungemein!🙂👍
Ich finde die Länge und Dehnbarkeit der "Nabelschnur" (Zytoplasmabrücke) kurz bevor sich die beiden Zellen, voneinander trennen (Bild 6-9) besonders interessant.
Das hast du mit deinen tollen Bildern aus dem "Kreißsaal" wirklich schön eingefangen.
Danke für's Zeigen.
Hast du auch ein Bild von deinem Mikroaquarium, ich bin neugierig wie du das umgesetzt hast.
LG Holger
#100
Mikroskopie-Forum / Aw: Uhren-Überraschung
Letzter Beitrag von beamish - Oktober 07, 2026, 20:43:24 NACHMITTAGS
Für den Rückezeiger gibt es auch Varianten: mit Nadel, kurzem Pfeil oder eben mit Kerbe, wie bei Deinem Exemplar.

1800a.jpg