Autor Thema: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung  (Gelesen 63071 mal)

Holger Adelmann

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #60 am: August 26, 2012, 19:22:52 Nachmittag »
Eine wunderschöne Ergänzung, Alfons, vielen Dank für deine Mühe.

es wäre schön, diesen Thread mal irgendwann (etwas aufgeräumt natürlich) als PDF hier im Form abzulegen.
Ist eine tolle Dokumentation, aber warten wir mal ab, es kommt bestimmt noch mehr.

Ich habe keine alten histologischen Präparate, ausser denen die ich als Schüler mit dem Kosmos Arbeitskasten Mikroskopie hergestellt habe.
Die Kernechtrot-Kombi ist zwar etwas gelbstichiger als die original Azan-Färbung, aber die Präparate leuchten nach 40 Jahren noch wie am ersten Tag, Caedax sei Dank.

Vielleicht darf ich davon hier mal was zeigen ?

Herzliche Grüsse
Holger





Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #61 am: August 26, 2012, 21:12:46 Nachmittag »
Lieber Holger,

   "tolle Dokumentation, aber warten wir mal ab, es kommt bestimmt noch mehr" - Ich sehe schon, einen erfahrenen Forscherfuchs macht man nichts vor! Du hast es erraten! Das ist hier in gewissem Sinn ein Test: Wie viele Leute interessieren sich hierzulande überhaupt für die Wissenschaftsgeschichte der Mikroskopie in allgemeinen und für historische mikroskopische Präparate im speziellen? 

   Es ist nämlich auffällig, dass es im angelsächsischen Sprachraum eine Jahrhunderte alte Tradition des Sammelns 'schöner mikroskopischer Präparate' gab und gibt: Eben die sogenannten viktorianischen Salonpräparate, die man auch heute allenthalben angeboten bekommt.

   Alle Versuche, Ähnliches auch in Deutschland zu etablieren, blieben vergleichsweise wenig erfolgreich: Johannes Möller als Erstem wurde der 'unwissenschaftliche Ansatz' seiner 'nur' schönen Legepräparate vorgeworfen, und promoviert war er dazu hin auch nicht! Der Mikrokosmos in Stuttgart mit den Professoren Migula und Sigmund als Produzenten (haben die denn die Präparate selbst gemacht??)  versuchte diesem Dünkel gerecht zu werden, über mehr als 50 Jahre mit sehr guten Präparaten, aber eher mittelmäßigem Erfolg. Junger in Hamburg wagte mit der 'Mikrothek' - Kunstformen der Natur - einen weiteren Versuch. Aber größte Zahl der professionell hergestellten Präparate ging wohl an die Schulen und diente mehr schlecht als recht dem Unterricht und verstaubte dort. Heute gibt es nur noch ganz wenige professionelle Hersteller mikroskopischer Präparate und 'Salonpräparate' findet man heute so gut wie keine mehr!

   Dabei gab und gibt es in Deutschland (oder im deutschsprachigem Raum) durchaus ebenbürtiges, speziell was die Qualität, teils auch die Quantität betraf. Die Tübinger Heidenhainschen Präparate sind da nur ein Beispiel.

   Ich bin also sehr gespannt, was es denn noch alles an interessanten Präparaten deutscher Hersteller zu entdecken gibt: Die Ältesten, schönsten, für die Wissenschaft wichtigsten etc.

  In lockerer Folge soll hier ein Forum für derartige Funde geschaffen werden. Und dazu ist wirklich Jeder ganz herzlich aufgefordert, hier seine 'Schätze' zu präsentieren. Ohne fürchten zu müssen, nicht ernst genommen zu werden.

  Zusammenfassend werde ich dann versuchen, die vielfältigen Informationen zu Präparaten und Herstellern zu sichten und zu ordnen. Das soll dann der nächste Schritt sein.

 Mit herzlichen Grüßen und der Bitte um rege Beteiligung!

  Alfons



Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Johannes Sobotta
« Antwort #62 am: September 09, 2012, 17:06:40 Nachmittag »
Liebe Freunde der Histologie,

In mehr als 20 Auflagen publiziert und über 100 Jahre hat sich der "Sobotta" als eines der grundlegenden Werke der Anatomie etabliert:



Als dieses Buch 1902 erschien, war Sobotta gerade 33 Jahre alt (geb. 31. 01. 1869 in Berlin, gestorben am 20. April 1945 in München) und Privatdozent in Würzburg.

Wie bei vielen dieser Klassiker behielten die Bearbeiter der Neuauflagen den -verkaufsträchtigen- Namen bei und ergänzten den Inhalt entsprechend der neuen Erkenntnisse:



In der von Frithjof Hammersen 1979 redigieren Auflage prangt ein Querschnitt durch das Rückenmark auf dem Titel.
Nicht zu Unrecht, denn ein solcher Schnitt findet sich auch schon in den Lithographien der ersten Auflage (Tafel Nr. 13 von 80):



Was Sobotta selbst gesehen hat, und welcher Schnitt ihm dabei als Vorlage diente, lässt sich noch heute überprüfen: Aus dem Nachlass eines Anatomen erhielt ich folgendes Präparat:



Laut Signatur stammt es aus dem Jahr 1902 - wurde also erst nach Erscheinen des Buchs angefertigt, als S. schon Professor in München war -, ist aber wie dieses 'mit Müller'scher Flüssigkeit fixiert und mit Carminsauren Natron gefärbt und kommt wohl vom selben Paraffinblock.  Laut Tafeltext stammt dieses Präparat von "einem erwachsenen Manne und ist 2 1/2 post mortum konserviert worden".


Übersicht -Macro


Vergrößerung Obj.  5x


Vergrößerung Obj. 10x


Vergrößerung Obj. 20x.

Das Präparat zeigt einen Querschnitt des menschlichen Rückenmarks in der Gegend der Halsanschwellung. Leider haben sich durch die nötige Kontrastanhebung (mit irview) sehr unschöne Farbverläufe in den Bildern ergeben, die so im Originalbild nicht erkennbar sind. Geräteseitig lässt sich der Helligkeitsverlauf nicht korrigieren: Die fest fixierte LED-Beleuchtung mit räumlich getrennten drei Dioden im Axiolab lässt sich nicht einzeln regulieren. Beim Mikroskopieren merkt man dies überhaupt  nicht, aber nach kräftiger Kontrastanhebung doch sehr deutlich.

Die Abkürzungen in der Zeichnung bedeuten:

bg - Blutgefässe
ca - columna anterior
cma - commissura anterior
X - Stelle des obliterierten Zentralkanals
cp - columna posterior (Hintersäule)
fa - funniculus anterior (Vorderstrang)
fam - fissura mediana anterior
fc - funniculus cuneatus (Keilstrang, Burdach'scher Strang)
fg - funniculus gracilis (Goll'scher Strang)
fl - funniculus lateralis (Seitenstrang)
fr - formati reticularis
pm - pia mater
ra - radix anterior ( vordere, ventrale oder motorische Wurzelfasern)
rp - radix posterior (hintere, dorsale oder sensible Wurzelfasern)
sg - substantia gelatinosa (Rolando)
sp - septum medianum posterius.

Soweit die Beschriftung der Lithographie, die den Stand der Wissenschaft von 1900 dokumentiert.  Auch wenn sich die Interpretation des Gesehenen mit fortschreitender Kenntnis ändern mag, die Fakten bleiben die Gleichen. Umso wichtiger ist es, die originalen Präparate zu konservieren. Und zwar in einem Zustand, der es auch späteren Generationen erlaubt, den Beschreibungen und Schlüssen des Erstbeobachters zu folgen. In der Biologie kommt daher der Konservierung des Urtypus einer Artbeschreibung in den wissenschaftlichen Sammlungen ganz besondere Bedeutung zu.

Diesem Präparat des Rückenmarks steht die Funktion eines Urtypus natürlich nicht zu. Da müsste es schon von Adam persönlich stammen und zur Art-Beschreibung des Homo sapiens gedient haben. Aber es zeigt doch, wie beständig gute Präparate sein können (und sollen!). Die Färbung hat sich offensichtlich ohne zu verblassen erhalten.

Im Gegensatz zu den Heidenhainschen Präparaten ist dieses nicht auf eine Glimmerscheibe aufgezogen. Zerbricht der Objektträger, dann ist es unwiderruflich verloren. Ich lege es daher wieder sorgsam zurück in die Sammlung.

Viel Interesse beim Betrachten!

Alfons


« Letzte Änderung: September 11, 2012, 20:13:01 Nachmittag von Alfons Renz »

Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #63 am: September 11, 2012, 20:33:14 Nachmittag »
Liebe Freunde der Histologie,

Um beim Rückenmark und Heidenhain zu bleiben, folgt hier ein mittlerweile 70 Jahre alter Schnitt, gefärbt mit Kresylviolett und aufgezogen auf ein Glimmerblättchen:



Der Kontrast im Makrobereich ist nicht berauschend:



und auch die Zellkerne sind kaum erkennbar (Aufnahme mit einem Wild-Makrozoom). Im Durchlicht fallen einem jedoch sofort riesige Zellen ins Auge:



die sich dann mit dem 10x Objektiv als die typischen Motorneuronen in den 'Hörnern' des Rückenmarks erweisen.



Mit dem 20x Objektiv erkennt man die vielen Nisslschollen in den multipolaren Neuronen, die sich bis in die Dendriten verteilen. Bei den kleinen runden Zellkernen in der Umgebung dieser Zelle handelt es sich Glia-Zellen (glia = Leim), die eine versorgende Funktion haben. Der Zellkern liegt hier nicht in der Schnittebene, aber man erkennt einen Solchen im vorherigen Bild, rechts gegen 16 Uhr.  Der Nucleolus ist scharf begrenzt und liegt zentral in einer Vakuole.

Nachtrag: Hier sieht man dies sehr schön:



Auch bei diesem Präparat ist die Färbung noch gut erhalten und die Einbettung makellos.

Viel Freude beim Betrachten!

Alfons



« Letzte Änderung: September 12, 2012, 07:25:19 Vormittag von Alfons Renz »

Ronald Schulte

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #64 am: September 11, 2012, 20:45:18 Nachmittag »
Alfons,

Sehr beeindruckend das die Cresylechtviolett Färbung so lange hält.
Meine Färbung von dieses Jahr geht dann hoffentlich sicher bis zu 2082 mit.



Grüße Ronald
« Letzte Änderung: September 12, 2012, 14:28:29 Nachmittag von Ronald Schulte »
Mikroskope:
2x Leitz Orthoplan (DL, DF, Phako, POL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotome:
A&O 820 Rotationsmikrotom.
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.
Reichert Ultracut E Ultramikrotom.
LKB 7800 Glasmesser Brecher.

Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #65 am: September 11, 2012, 20:58:55 Nachmittag »
Lieber Ronald,

Die Färbung Deines Präparats ist doch noch um Einiges kräftiger und frischer, einfach perfekt, herzliche Gratulation!

Zahn der Zeit oder Qualität der Färbung? Da müssen wir jetzt 70 Jahre warten.

Vor allem aber sieht man deutlich die Masse und Struktur des umgebenden Nervengewebes. Ob dies daran liegt, dass Du Plan-Apochromaten von Leitz verwendest? Meine Aufnahmen sind mit Zeiss- Achroplanen entstanden. Ich will es jetzt mal mit den Leitz Plan-Apos vergleichen.

Herzliche Grüße,

Alfons

Ronald Schulte

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #66 am: September 11, 2012, 21:15:31 Nachmittag »
Alfons,

Ich denke das die Färbung in 70 Jahren schon etwas in Färbekraft verringert aber weis es nicht sicher.
Das Nervengewebe ist bei mir aber noch deutlich sichtbar. Meine Leitz Planapo´s sind natürlich Fantastisch aber das sollte eigentlich mit Zeiss auch sein.
Für zwei Wochen her sah ich noch ein Axioplan mit ein 20x Planapo und das war nicht wirklich schlecht.







Grüße Ronald
Mikroskope:
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Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #67 am: September 12, 2012, 09:42:57 Vormittag »
Lieber Ronald,

Angeregt durch Deinen schönen früheren Beitrag zu den Nissl-Schollen (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11239.0) habe ich nochmals nach den Axonhügeln gesucht, also den Stellen in den Nervenzellen, aus denen der ableitende Nerv, das Axon, entspringt. Dort fehlen die Nissl-Schollen.



Man erkennt diese Region in beiden Zellen jeweils an der rechten Seite, jedoch liegt das Axon nicht in der Schnittebene. Leider waren auch keine besseren Ansichten zu finden. Insgesamt verteilen sich ja nur ca. 60 große Motorneuronen in einem solchen Querschnitt durch das Rückenmark. Und da findet man nur mit viel Glück einen perfekten Anschnitt.

Obwohl dieses Bild wie Deine jetzt am Orthoplan mit dem 40x/0,75 160 mm  PlanApo von Leitz gemacht wurde - mit der Coolpix 995, die anderen Bilder sind am Zeiss Axiolab A1 mit N-Achroplanen und der Canon 1000D entstanden -, zeigt es doch viel weniger Struktur im umgebenden, nicht-gefärbten Gewebe.

Vermutlich liegt das am Brechungsindex des verwendeten Einbettungsmittels. Bei meinem Präparat war es vermutlich Kanadabalsam.

Herzliche Grüße,

Alfons 

Florian Stellmacher

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #68 am: September 12, 2012, 12:12:07 Nachmittag »
Lieber Alfons,

Ronald hat möglicherweise die Aperturblende ein gutes Sück weit geschlossen, sodass nun auch ungefärbte Anteile der Astroglia kontrastreicher abgebildet werden.

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Leitz Orthoplan (DL, DF, Pol, AL-Fluoreszenz)
Zeiss Phomi I - III (DL, DL-DIK, Phako, AL-Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #69 am: September 12, 2012, 12:51:59 Nachmittag »
Lieber Florian,

Gesagt, getan und die Blende gegen alle inneren Widerstände bis auf ca. 1/4 ihres Durchmessers zugezogen:



Wie zu erwarten, sieht man jetzt zwar mehr an Struktur, aber auch die zu erwartende Beugungsunschärfe und Dreckeffekte.

Ich vermute daher, dass es wirklich am Einbettungsmittel liegt, oder aber an einer nachträglichen Bildbearbeitung, die mehr herausholt, als ich mit den Augen erkennen kann!

Ich will es jetzt noch mit einem 40x Immersionsobjektiv mit höherer Apertur versuchen.

Herzliche Grüße,

Alfons

p.s. Als Praktiker stelle ich andere Anforderungen an die Bildqualität als ein Mikrophotograf, der perfekte Fotos machen möchte: Wenn ich ein Detail nicht erkennen kann, gehe ich gleich zur höheren Vergrößerung oder verwende Phasen- bzw. Interferenzkontrast oder Pol etc. Da reicht es, wenn das Bild an der entscheidenden Stelle die nötige Auflösung hat.   

Florian Stellmacher

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #70 am: September 12, 2012, 13:24:32 Nachmittag »
Lieber Alfons,

was die Praxis anbelangt, so geht es mir ähnlich; bei mir muss es aber in aller Regel das Durchlicht-Hellfeld richten.

Dass wir mit der Qualität unserer Bilder nicht an Ronald herankommen, sollte Dich nicht irritieren, der ist einfach eine Klasse für sich. Die Blende hat er aber trotzdem zugzogen, da bin ich mir ziemlich sicher. Das mache ich bei Präparaten, die eigentlich Phasenobjekte mit nur geringer fokaler Farbintensität sind, z.B sehr schwachen Immunhistochemien, auch so.

Aber sicherlich spielt das Eindeckmedium eine nicht zu unterschätzende Rolle. Apropos: Eigentlich wird Canadabalsam wegen seines zum Sauren neigenden pH-Wertes als für das Eindecken gefärbter Präparate wenig geeignet angesehen. Aber ich besitze noch Präparate von meinem Großvater, die er vor dem ersten Weltkrieg an der Lübecker Präparantenanstalt (mit spitzem "S" - damals übliche Kombination eines Gymnasiums mit einem Lehrerseminar) hergestellt hat; diese sind gefärbt und mit CB eingedeckt. Einige haben Luft gezogen, die Färbungen sind jedoch weitgehend gut erhalten.

Herzliche Grüße,
Florian
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Alfons Renz

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #71 am: September 12, 2012, 14:04:15 Nachmittag »
Lieber Florian,

'Die besten Mechaniker fahren immer die ältesten Schrottmühlen". Diese Binsenwahrheit bestätigt sich auch bei den praktischen Mikroskopikern.

Mein Anliegen ist hier auch nicht die Präsentation perfekter Bilder - dazu fehlt mir teils die Ausrüstung, vor allem aber die Muse. Dieses Terrain überlasse ich gerne Anderen. Nobody is perfect.

Was mich fasziniert, ist viel mehr der Aufwand, den man sich in vergangenen Zeiten bei der Herstellung mikroskopischer Präparate gemacht hat und die Frage, in wie weit sich dieser rückblickend gelohnt hat. In der Medizin müssen z.B. die Präparate der Diagnostik archiviert werden. Die Uni hat hierfür ein eigenes Lager eingerichtet. Da fährt der Gabelstapler auf der einen Seite die neuen Präparate rein, und nach 5 Jahren auf der anderen Seite wieder raus zur Entsorgung. Das ist ein zeitlich sehr gut überschaubares Unterfangen.

Aber wie ist dies mit Präparaten von Holotypen in den wissenschaftlichen Sammlungen, mit den teuren Kurspräparaten in der Lehre oder mit unseren eigenen Präparaten, die wir einst mit großer Mühe und Begeisterung hergestellt und beschriftet haben? Wenn die Hersteller der Farben und Einbettmittel gerade mal eine gesetzliche Schonfirst von 5 Jahren garantieren?

Die Frage können wir nur rückblickend analysieren, indem wir Sammlungen historischer Präparate ansehen.

Als nächstes möchte ich deshalb hier auch das 'Kabinett des Grauens' öffnen, mit all den verblassten, auskristallisierten oder sonst verdorbenen Präparaten. Mit braun gewordenem oder gesplittertem Einbettmittel - wenn man nur wüsste, welches das Falsche war!

Also: Hier steht das Präparat im Vordergrund und seine Qualität der Erhaltung, weniger die der Mikrofotografien.

Wenn somit die Latte etwas niedriger gehängt wird, werden sich hoffentlich hier noch mehr Besitzer historischer Präparate offenbaren! Das würde mich jedenfalls sehr freuen!

Mit herzlichen Grüßen,

Alfons
 

Florian Stellmacher

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #72 am: September 12, 2012, 14:17:32 Nachmittag »
Lieber Alfons,

das "Kabinett des Grauens" ist eine gute Idee - da hätte ich sicherlich auch etwas beizusteuern (sogar von Möller/Wedel  :-\)!

Herzliche Grüße,
Florian
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Ronald Schulte

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #73 am: September 12, 2012, 14:37:08 Nachmittag »
@Alfons und Florian,

Ich habe Normaleweise am Orthoplan die Aperturblende ungefähr halb geschlossen aber es kann durchaus sein das für diese Bilder sie etwas mehr geschlossen habe um den Kontrast zu ersteigern so wie Florian schon gedacht hat.

@Alfons,
Was heißt den auf Hochdeutsch: "die Muse". Bei uns heißt das eine Maus, und der kommt mir so richtig bekannt vor, aber das meinst du hier denke ich nicht.

Grüße Ronald
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Klaus Herrmann

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Re: Heidenhain-und andere histo-historische Präparate: Qualität und Erhaltung
« Antwort #74 am: September 12, 2012, 15:37:19 Nachmittag »
Ronald,

Zitat
Was heißt den auf Hochdeutsch: "die Muse"

das ist bestes Hochdeutsch!!!

Auf Hoch-Niederländisch:

http://nl.wikipedia.org/wiki/Muzen
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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