Mikro- oder Makrofotos?

Begonnen von Monsti, August 08, 2012, 22:09:20 NACHMITTAGS

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Monsti

Hallo zusammen,

seit einiger Zeit häufen sich im Mikrofotoforum Bilder, die zwar z.T. genial schön sind, doch eigentlich nicht zur Mikro-, sondern zur Makrofotografie gehören. Mich betrübt diese Entwicklung etwas. Nicht dass Ihr glaubt, ich hätte etwas gegen die Makrofotografie. Das Gegenteil ist der Fall, denn ich zähle mich zu den leidenschaftlichen Makrofotografinnen. Doch dafür bin ich in anderen, nämlich passenden Foren unterwegs, in denen aber die Mikrofotografie berechtigterweise keinen Platz hat. M.E. sollte es hier doch primär um die Mikroskopie und die Ablichtung mikroskopisch kleiner Objekte gehen, oder sehe ich das falsch und stehe mit meiner Ansicht ganz alleine da?

Bin auf Eure Meinung gespannt und schicke herzliche Grüße in die Runde
Angie

Ulf Titze

#1
Liebe Angie,

ich empfinde diese Super-Makro-Bilder schon als eine Bereicherung für das Forum. Ich denke auch, daß diese Aufnahmen schon noch näher am Objekt dran sind, aber sicherlich gibt es da große Schnittmengen mit der Makrofotografie. Wohin gehören dann aber Fotos, die mit einer Stereolupe gemacht wurden? Das Weib vom schönen Rheine arbeitet mit einem Lomo-Mikroskop und waschechten Durchlicht-Objektiven, die sie nur eben auf geniale Weise "zweckentfremdet". Ich finde, das kann man schon als Mikrofotografie zählen lassen! Ich fände es schade, wenn wir sie an das Makro-Forum verlören.

Viele Grüße

Ulf
"Do not worry about your problems with mathematics, I assure you mine are far greater." (A. Einstein)

"Komm wir essen Opi!" - Satzzeichen können Leben retten!!!

Nomarski

#2
Liebe Angie,

ZitatM.E. sollte es hier doch primär um die Mikroskopie und die Ablichtung mikroskopisch kleiner Objekte gehen, oder sehe ich das falsch und stehe mit meiner Ansicht ganz alleine da?
das machen wir doch auch! Sogar bis zur Auflösungsgrenze!  ???
Ansonnsten bin ich der Ansicht, daß jeder immer noch das machen kann und soll, woran er Interesse hat und nicht was ihm irgendwie aufgezwungen wird.

Viele Grüße
Bernd

JB

#3
Hallo,

Die Begeisterung fuer die Makrophotos teile ich auch. Die Insekten-Stacks sind schlicht genial und haben darueber hinaus sogar wissenschaftlichen Mehrwert. Da schlaegt das Entomologenherz hoeher!! Bitte mehr davon.

In Deutschland allein gibt es 30.000 Insektenarten; mit deren Larven sind das ueber 60.000, mit deren Puppen ueber 100.000 verschiedene (und teils noch nie photographierte!) Objekte.

Wenn im Forum etwas fehlt, dann doch nicht Photos sondern mikroskopische Zeichnungen :)

Beste Gruesse,

Jon

beamish

Hallo Angie,

für mich als Pilzler (einer der sich besonders mit den kleinen, 5mm abwärts, beschäftigt) gehört die "Makrofotografie" zur vollständigen Dokumentation eines Organismus absolut dazu. Ich lerne hier täglich, wie man das besser hinkriegt, als ich das bisher vermag.
Sporen mit dem 100 Öl zu fotografieren ist schön und gut. Aber mit einer Spore bestimmst du noch keinen Pilz. Da gehört auch der makroskopische Habitus dazu.
Ich kann mir nicht vorstellen hier eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufzubauen: die bis 40x und die darüber mikroskopieren. Ich könnte auch polemisch sagen: die schlappen Tümpler mit ihren 20x Objektiven...  ;)
Hier gehört alles hin, was "unter der Lupe" betrachtet wird, meine ich.

Herzlich

Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

A. Büschlen

Hallo

bei der Dokumentation von Laub- und Lebermoosen werden auch mikroskopische und makroskopische Merkmale miteinander gezeigt. Beide Verfahren sind nötig und sollten meines Erachtens nicht getrennt werden.

In den laufenden Makro-threads werden (z.Z. vor allem von" Rheinweib" :) ) sehr eindrückliche Details von Wirbellosen gezeigt. Die Arbeitsweise von Heike beeindruckt mich sehr. Ich möchte die  Arbeiten der Makro-Liebhaber in diesem Forum nicht missen.

Gruss Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Werner

Ich halte eine strenge Trennung in Submikro-, Mikro-, Makro-, Normal- und Landschafts-Foto - oder so - für geradezu unsinnig.
Was soll die Kategorisierung über den Abbildungsmaßstab bewirken?

Jedes sachbezogene Foto oder Film enthält Informationen, die das Bild vervollständigen. Skizzen oder Zeichnungen dazu ebenfalls,
sogar wenn sie nicht normgerecht sein sollten.
Früher überlegte man sich, ob man einen ganzen Film für eine Dokumetation verschwenden sollte - aber im Zeitalter der Digiknipse ist das doch kein Problem mehr.
Lieber zu viele Bilder, als zu wenige - In vielen Jahren ist man froh darüber, das erspart das Grübeln...

Wer sich daran stört - es besteht keine gesetzliche Verpflichtung, sich alle Bilder ansehen zu müssen.

Viele Grüße   -   Werner


Winfried Todt

#7
Hallo Mikroskopiker,
ich kann Angie [Monsti] irgendwie verstehen. Die hier im Forum gezeigten Makroaufnahmen sind von einer hervorragenden Qualität und suchen ihres Gleichen; das steht außer Frage. Ein Stacking-Fieber wurde unter den Makro-Fotografen entfacht; wer hat die größte Stacking-Zahl und als Steigerung kamen dann noch animierte ,,quasi 3dimensionale" Aufnahmeverfahren dazu. Es zählt nur noch das ,,bunte Bild". Kaum einer versuchte den Informationsgehalt der Aufnahmen, oder eine Erklärung des beobachteten zu hinterfragen.
Der Aufwand der Aufnahmetechnik scheint nicht unerheblich zu sein und mag wohl auch auf die Miko-Fotografie befruchtend wirken, doch was bringt mir das gezeigte Bild für einen informativen Nutzen?
Herzliche Grüße
Winfried

Rawfoto

Guten Morgen

Also meiner Ansicht nach kommt zwischen der Makro und der Mikrofotografie noch die Lupenfotografie und die kann man entweder am BINO oder mit Lupenfotoobjektiven betreiben. Spannend finde ich den Umstand diesen Bereich auch Mikroskop realisieren zu können, da ist im Durchlicht das  S-Plan FL 1x Objektiv und im Aufflicht das MS-Plan 1,5x ...

Das Stacking in diesem Bereich führt zu Einsichten die ich mit den Einzelbildern nicht habe, Haare auf einem Flügel oder Fühler, Dornen auf den Beinen, Saugnäpfe und co ...

Der Mehrwert liegt also für mich eindeutig auf der Hand, was ich anregen möchte ist ==> das Wissen im Forum dazu zu nützen auch zu erforschen was wir das so sehen, wozu das dient, ... Bei Dünnschliffen, Histoaufnahmen oder Pflanzenschnitten machen wir das ja auch! Mich würde das sehr interessieren und das würde für mich einen weiteren Mehrwert ergeben ...

Ich gin gegen eine Einengung auf einen bestimmten Maßstab im Bereich der Makro-, Lupen- und Mikroskopfotografie, aber das bitte ist meine persönliche Meinung. Solange wir keine Elefanten betrachten (nichts gegen Elefanten, diese müssen jetzt für mich nur als Beispiel herhalten) finde ich das vollkommen o.k. ...

Die Technik ist ja 1 : 1 auch für die echte Mikroskopfotografie einsetzbar und es würde mich freuen mehr Mikroskopaufnahmen bewundern zu können. Erfreuen tue ich mich aber an beiden ...

Liebe Grüße

Gerhard   
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Lothar Gutjahr

Hallo Wilfried,

Du schreibst unter Anderem:

ZitatDer Aufwand der Aufnahmetechnik scheint nicht unerheblich zu sein und mag wohl auch auf die Miko-Fotografie befruchtend wirken, doch was bringt mir das gezeigte Bild für einen informativen Nutzen?

Ein Forum ist meist recht vielseitig und der Nutzen für den Einzelnen ist daher systembedingt begrenzt und unterschiedlich von Wert.  Denke aber auch mal an die vielen Mitglieder, die sich ehrlich an den Bildern freuen und nach mehr rufen. Oder an diejenigen, welche es auch versuchen wollen und gerne etwas abkucken möchten. Wenn es sich jetzt schon klar abzeichnet, daß bei extremen Vergrößerungen um so kleinere Inkremente abgefahren werden müssen und so immer größere Stacks entstehen, ist das kein Stacking-Fieber, sondern technische Notwendigkeit oder besser ausgedrückt die Folge einer interessanten Entwicklung, ja von Grundlagenarbeit. Also für viele ein Erkenntnisgewinn.

Ich als "Stackingbastler" bin da den Spezialisten, die hier ihre Arbeiten präsentieren dankbar und sauge wie ein Schwamm, vergleiche und versuche nachzuvollziehen und vor Allem zu verstehen.

Von daher bezeichne ich diese Diskussion als etwas unglücklich.

Gruß Lothar

Nomarski

Hallo,

ZitatVon daher bezeichne ich diese Diskussion als etwas unglücklich.

das sehe ich auch so. Jedes Gebiet hat eben seine bewährten Methoden, die angewendet werden. Was sollte man auch mit einem Mikroskop mit stark vergrößerten Öl-Objektiven, um ein ganzes Insekt zu zeigen? Anders wäre es. wenn es um Insektenteile geht. Wie schon bereits angeführt, werden z.B. oft auch Pflanzenschnitte gezeigt, wobei es sinnvoll ist,
daß auch dazu die ganze Pflanze gezeigt wird. Und das geht eben nur als eine Makro- oder eben Nahaufnahme, wozu man eben nicht unbedingt ein Mikroskop benötigt.

Viele Grüße
Bernd

Jens Jö

Hallo Angie,

irgendwie verstehe ich nicht, was Du sagen willst.
Natürlich gibt es Makro-Foren.
Aber es gibt auch Schmierfett-Foren, Elektronik-Foren, Chemie-Foren und Insektenbestimmungs-Foren.
Willst Du allen Ernstes die Diskussionen "womit schmiere ich am besten meinen Feintrieb" in die Schmierfett-Foren verweisen ?
Und was ist mit den Leuten, die ihre LED dimmen wollen, AFE mischen oder eine Spinne bestimmen ?

LG
Alfred

TPL

Zitat von: Monsti in August 08, 2012, 22:09:20 NACHMITTAGSDoch dafür bin ich in anderen, nämlich passenden Foren unterwegs, in denen aber die Mikrofotografie berechtigterweise keinen Platz hat. M.E. sollte es hier doch primär um die Mikroskopie und die Ablichtung mikroskopisch kleiner Objekte gehen, oder sehe ich das falsch und stehe mit meiner Ansicht ganz alleine da?

Hallo Angie,

zu dieser geradezu typischen Sommerloch-Frage möchte ich nur kurz auf unser gestriges Tümpel-Treffen hinweisen:
Neben den Aktivitäten rund um das örtliche und das aus dem Ruhrgebiet importierte Tümpelwasser bildeten sich auch Gruppen, in denen Erfahrungen zu Pflanzenschnitten, Gesteinsdünnschliffen und humanhistologischen Präparaten, zur Probennahme im Allgemeinen wie zur Bryologie im Speziellen ausgetauscht wurden. Dazu natürlich noch die üblichen Fachsimpeleien über Mikroskoptechnik, kleine Reparaturen, Bucht-Kaufe, Sammelwut, das Forum, Gott und die Welt. Alles in Allem also schrecklich unfokussiert ;D.

Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass es nicht nur den meisten recht gut gefallen hat, sondern auch unter einem 'gemeinsamen Dach' stand, dass sicher auch für Mikro- oder Makrofotos gilt: genau hinsehen, die Technik in den Griff kriegen und die Schönheit und Vielfalt des Verborgenen (auch im Naheliegenden) ergründen und genießen.

Ich bin überzeigt, dass es - speziell bei den fließend ineinander übergehenden Bereichen der Mikro- und Makroskopie - ein erheblicher beiderseitiger Nutzen ist, die Grenzen nicht so eng zu ziehen.

Viele Grüße
Thomas

rekuwi

Hallo alle zusammen,

im Photoforum der Amerikaner gibt es Unterforen für Makro- und Nahaufnahmen, für technische Aufnahmen (Studio), für Anfänger und Fortgeschrittene und für Mikro-Aufnahmen.

Brauchen wir das?
So kann man es auch machen; aber vielleicht sollte unser Mikrofoto-Forum nur Foto-Forum heißen.

Bei den schönen Makroaufnahmen fehlt mir manchmal eine Gesamtübersicht (wie das die Schnippler so schön demonstrieren). Außerdem hoffe ich daß kein Insekt "erjagt" und abgemurkst wird um hier Stapelfotos zu zeigen. Die Radnetzspinnen zum Beispiel stehen alle unter Schutz.

Liebe Grüße
Regi

JB

#14
Hallo Regi,

"Die Radnetzspinnen zum Beispiel stehen alle unter Schutz." Das stimmt, denke ich, nicht. In Dt. sind nur 5 Spinnen-Arten geschuetzt und Argiope bruennichi ist nicht darunter: http://www.gesetze-im-internet.de/bartschv_2005/anlage_1_26.html Die Art ist unabhaengig davon stark in der Ausbreitung begriffen.

Wer schon einmal seinen Rasen gemaeht oder im Sommer nachts Auto gefahren ist hat mehr Insekten auf dem Gewissen als ein radfahrender Entomologe in seinem ganzen Leben ...

Ich moechte aber noch einmal demonstrieren wie nuetzlich es waere wenn mehr Leute solch hervorragende Stacking-Kuenste entwickeln wuerden. Hier eine aktuelle Veroeffentlichung (nur als Beispiel); 2. PDF in der Liste:
Zootaxa 3412: 42–52
Three new species of Grylloblatta Walker (Insecta: Grylloblattodea: Grylloblattidae), from southern Oregon and northern California.
http://www.mapress.com/zootaxa/list/2012/3412.html

... schaut Euch mal die Abbildungen an; Photos in der entomologischen Literatur sind nicht selten von so bescheidener Qualitaet, da ist noch viel zu verbessern.

Beste Gruesse,

Jon