Autor Thema: Algen im Aquarium  (Gelesen 10857 mal)

Wolfgang Bettighofer

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Algen im Aquarium
« am: Februar 08, 2013, 23:13:35 Nachmittag »
Liebe ForumleserInnen,

Aquarien habe ich schon länger, als ich Mikroskope habe. Und mein erstes Mikroskop habe ich mir 1970 gekauft... Als Tümpler ist man (leider vielzu) schnell mit dem Aquarium fertig. Leider, weil es doch so nah ist und jederzeit verfügbar, verständlich, weil die Fischdichte das Wasser in Qualitäten treibt, wo Artenvielfalt unter der Einzellerwelt nicht mehr existiert.
Das Aquarium läuft bei mir so nebenher, als Wohnzimmerdeko. Ich hatte da 10 Jahre lang eine stabile Besatzung: 3 Großfamilien Neolamprologus multifasciatus und 2 von Julidochromis transcriptus, Buntbarsche aus dem Tanganjikasee. Diese Populationen waren Ende letzten Jahres zusammen gebrochen, daher mache ich aktuell wieder viel mit dem Aquarium, da das Becken ja neue Bewohner brauchte. Dabei habe ich bemerkt, dass alle meine altbekannten Qualitäts-Läden weg waren. Im Internet fand ich auch erst mal nicht viel, und dann immerhin ein Aquarienforum speziell für Schleswig-Holstein. Beim Ausfragen der Leute dort stellte ich zwar auch fest, dass keiner in Kiel-Nähe einen guten Laden wusste, aber der eine oder die andere hatten/haben dies und jenes, so kann man tauschen. Da letzthin im Aquarienforum das Thema "Hilfe, Algenplage" auftauchte und ich mich bemüßigt fühlte zu schreiben, dass man außer die Indikatoren der Misere nichts beseitigt, wenn man primär gegen die Algen vorgeht, gab es da erst mal heftigst Staheu, weil der gemeine Aquarianer ja überall gelehrt bekommt, dass die Algen seine Pflanzen gefährden. Einer hatte sich dann mal etwas differenzierter mit mir unterhalten, und ich sagte ihm, er könne ja mal mit einer Alge anrücken, dann können wir gucken, welche es ist. Der war nun letzten Freitag hier, wir haben uns gut unterhalten und etwas mikroskopiert (fand er ja sehr spannend). Hier ist das Ergebnis:



Ja, das ist - die Auqarien-Profis werden es wissen, ich musste in der Algenliteratur kramen - die gefürchtete Bartalge Compsopogon coeruleus. Sehr schön, wenn auch ausländisch, diese Seite: http://www.aquascapingworld.com/algaeped…mpsopogon%20sp. Neben sehr viel Lesenswertem steht dort ein Satz: "Staghorn Algae is a photosynthetic organism that benefits from high light and low CO2."
Also, Compsopogon zeigt an, dass die Pflanzen wahnsinnig Dampf bekommen (Licht bringt sie auf Trab), dass sie aber parallel hungern (speziell ihr "Brot" CO2).
Das ist der Wert der Algen: Sie sagen einem, (a) wem es nicht gut geht - auf dem sitzen sie nämlich - und (b) was tendenziell nicht stimmt. Sie sind also Indikator-Lebewesen.
Aus der Petrischale haben wir uns dann zwei ganz junge Algenfäden geschnappt, weil die noch nicht so dick waren. Dicke Schläuche auf'm OT kommen nicht so gut...



Wir sehen sehr gut, leicht überstehend (Pfeil), die Plattform, mit der sich der Algenfaden am Vallisnerienblatt angeheftet hat. Mit einem Skalpell habe ich ihn abgtrennt, hier ist er nun im Mikroskop:



Erst mal mit'm 10er ran, aber der Wedel pass schon nicht mehr aufs Bild. Unten wieder die Montageplatte mit dem viele Zellagen dicken Faden, beim Pfeil sprießen kleine Nebenfäden, deren Querschnitt noch einzellig ist und die sich deshalb gut dazu eignen, die Zellen mal genauer anzusehen. Oben, beim Doppelpfeil hat sich ein Rädertier angeheftet.



Das war nun ein Riesensprung. Vom schwachen 10x kommen wir mit zum hoch-auflösendsten, was ein Lichtmikroskop kann. Objektiv 63x/1,4. Diese Schrittweite habe ich oft, weil mich letztlich immer hauptsächlich die Zelldetails interessieren. Der Fadens zeigte brav das, was ich sehen wollte: Kerne (Pfeil) und Chloroplasten (Doppelpfeil). Chloros heißt ja grün, die gehen aber deutlich ins bläuliche. Also eine Blaualge!
Natürlich nicht! Blaualgen sind von Aufbau her ja Bakterien, die haben keinen Zellkern (nur so was ähnliches) und auch keine Chloroplasten (aber natürlich so was ähnliches...).
Es ist eine Rotalge. Rotalgen haben neben Chlorophyll die akzessorischen (lichtfangenden) Pigmente Phycoerythrin (das ist rot) und Phycocyanin (das ist blau). Bei Compsopogon coeruleus hat klar das blaue gewonnen. Preisfrage: Was heißt coeruleus? Der Blaue... 8)



So sieht es aus, wenn man dem dicken Algenfaden zu Leibe rückt. Viele Zellen nebenenander, fast alle zeigen ihren Kern (Pfeile). Es kann jede/r mal zählen, wenn sie/er will, ich finde 14 Zellen mit dargestelltem Kern. Doppelpfeil wieder, klar: Chlorophyllkorn.

Tschüß,
Wolfgang

« Letzte Änderung: Februar 09, 2013, 18:03:21 Nachmittag von Wolfgang Bettighofer »
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Rolf-Dieter Müller

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #1 am: Februar 09, 2013, 00:07:25 Vormittag »
...
 Dabei habe ich bemerkt, dass alle meine altbekannten Qualitäts-Läden weg waren.
...

Lieber Wolfgang,

das ist eben dem Zeitgeist geschuldet und die "Verödung" erleben wir auch in anderen Lebensbereichen, beschränkt sich nicht nur auf die Beschaffung und gerade wir Mikroskopiker sind davon betroffen.

Wohltuend ist dafür Dein Beitrag und Deine Bilder sind eine Klasse für sich.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

hebi19

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #2 am: Februar 09, 2013, 06:38:41 Vormittag »
Hallo Wolfgang

Erst mal von mir auch ganz herzlichen Dank. Ich habe tatsächlich zum überlegen angefangen, was hatte ich früher, Aquarium oder Mikro?
Wenn man das Extrem-Kleinst-Spielzeug-Mikroskop 100 bis 300 fach aus meiner Vorgrundschulzeit dazu rechnet, hab ich länger Mikroskope, aber wohl mit längerer Pause. Was mir noch nicht so klar war, aber ich gerade die letzten 2 Wochen darüber zum nachdenken anfing:

......... weil die Fischdichte das Wasser in Qualitäten treibt, wo Artenvielfalt unter der Einzellerwelt nicht mehr existiert.

da spricht dann bei einem Mikroskopiker einiges für das FISCHFREIE (Tümpel?-)Aquarium. Ich konnte vergangene Woche den lieben liftboy besuchen, der hat das "in Vollendung" (8 Stck 60er Becken mit Beleuchtung aber ohne Fische). Ich glaube, die Richtung werd ich mal probieren. Aktuell hab ich zwar seit 2 Jahren "Aquarienpause", aber etwas Equipment steht noch am Dachboden.

Deine Beobachtung zu den "Fachgeschäften" kann ich nur insoweit teilen, als sich hier im Süden etliche "Zoo-Discounter" etabliert haben und damit die kleinen Geschäfte zur Seite drückten. Das für mich beeindruckenste Beispiel die Kette "Kölle-Zoo". Erstaunlich ist, dass dort tatsächlich Leute mit Ahnung sitzen und die Qualität (auch der Fische) oft ausgezeichnet ist (von der Vielfalt ganz zu schweigen). Preise sind dort aber eher auf höherem Niveau.
Ich habe mal gelesen, dass der Markt für Tierzubehör (ohne Futter) in Deutschland inzwischen DEUTLICH größer ist, als der Spielzeugmarkt (wobei da die Spielzeuge von Zeiss, Olympus oder die zweirädigen von Yamaha sicherlich nicht mitgezählt sind ;D ;D).  Die ganzen Dehners, OBIs und sonstigen Märket wollen mit ihren Abteilungen davon profitieren. Also, Sterben der kleinen Läden und Trend zu Großmärkten - wie bei Lebensmitteln, Elektroartikeln, Kleidung (bis hin zum "Outlet-Village") auch.

Deine Bilder sind für mich eine tolle Anregung - vielen Dank.

Martin
Grüße von
Martin alias hebi19

Motic BA-300, div Lomo, Stereo-Mikroskop noname

HDD

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #3 am: Februar 09, 2013, 07:44:57 Vormittag »
Hallo Wolfgang

Danke für diesen tollen Bericht. Das war mal wieder etwas, was das Herz des Mikroskopikers
höher schlagen lässt.
Solche Berichte waren es, die mich vor über vier Jahren mit Begeisterung zu diesem Forum und
zur Mikroskopie gebracht haben.

Tümpler-Freude, auf dem gleichen hohen Niveau wie die Pflanzen-Schnippel Berichte unserer
erfahrenen Spezialisten.

Das ist es was unseren Nachwuchs fördert und neugierig macht.

Herzliche Grüße

Horst-Dieter

JoachimHLD

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #4 am: Februar 09, 2013, 08:40:05 Vormittag »
Hallo Wolfgang,

guter Bericht und schöne Bilder einer Plage die auch schon mein Aquarium heimgesucht hatte.

Herzliche Grüsse
Joachim

Bernd Kaufmann

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #5 am: Februar 09, 2013, 11:09:14 Vormittag »
Lieber Wolfgang,

ein sehr schöner Beitrag mit tollen Bildern zu diesen, neben den "Pinselalgen" Audouinella sp. und einigen "Blaualgen" (Cyanobakterien) wohl meistgehassten Algen im Aquarium.

Zitat
Neben sehr viel Lesenswertem steht dort ein Satz: "Staghorn Algae is a photosynthetic organism that benefits from high light and low CO2."
Also, Compsopogon zeigt an, dass die Pflanzen wahnsinnig Dampf bekommen (Licht bringt sie auf Trab), dass sie aber parallel hungern (speziell ihr "Brot" CO2).
Das ist der Wert der Algen: Sie sagen einem, (a) wem es nicht gut geht - auf dem sitzen sie nämlich - und (b) was tendenziell nicht stimmt. Sie sind also Indikator-Lebewesen.
Das ist zwar tendenziell vollkommen richtig, aber für die meisten Aquarianer, die mit diesen angeblichen Plagegeistern gesegnet sind, nur eine bequeme Ausrede, die an den eigentlichen Ursachen deutlich vorbeischrammt. Erhöht man in betroffenen Aquarien nur den CO2-Gehalt, tut sich nämlich zunächst gar nichts. Es funktioniert erst dann, wenn gleichzeitig mit der ausreichenden CO2-Versorgung auch die potenziellen Verbraucher und damit Konkurrenten in Form schnellwüchsiger Pflanzen eingesetzt werden. Hauptsächlich betroffen sind "Buntbarsch"-Aquarien, hier überwiegend Malawi- und Tanganjika-Aquarien, mit "barschfesten" Pflanzen wie Anubias sp., Microsorum sp., div. Cryptocorynen und große Echinodorus. Allesamt vermeintlich "pflegeleicht" und anspruchslos. Es sind aber alle keine ernstzunehmende Konkurrenten der Algen. Außerdem besteht in stark mit Algen befallenen Aquarien ein krasses Missverhältnis zwischen Ein- und Austrag der Makro-Nährstoffe Stickstoff und Phosphor. In Kurzform: Zu viele Fische, zu viel Futter, zu wenige schnellwüchsige Pflanzen und viel zu wenig Wasserwechsel.

Es gibt übrigens seit einigen Jahren immer mehr exotische Rotalgen in den Aquarien: http://www.aquamax.de/Algen/AlgenAQ_Rotalgen.aspx und http://www.aquamax.de/Algen/AlgenAQ_Rotalgen_Neues.aspx
Viele Grüße
Bernd ©¿©
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Lieber per Du.

Eckhard

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #6 am: Februar 09, 2013, 11:46:31 Vormittag »
Lieber Wolfgang,

ein Aquarium ist klasse - bei mir kam erst das Aquarium, dann das Mikroskop.

Ein Bekannter von mir hat sich wohl mit einer Mangrovenwurzel ein Rotalge aus dem Golf von Mexiko eingeschleppt. Erst fand er sie ganz süss (sah aus wie ein Moosbüschel) aber sie übernahm nach ein paar Monaten das gesamte Aquarium.

Bilder sind hier: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=3627.0

Herzliche Grüsse
Eckhard
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Wolfgang Bettighofer

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #7 am: Februar 09, 2013, 15:09:59 Nachmittag »
... nur eine bequeme Ausrede, die an den eigentlichen Ursachen deutlich vorbeischrammt...

Moin Bernd,

es interessiert mich, daher die Nachfrage: Was ist eine bequeme Ausrede?

Tschüß, Wolfgang
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Wolfgang Bettighofer

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #8 am: Februar 09, 2013, 15:25:30 Nachmittag »
... einiges für das FISCHFREIE (Tümpel?-)Aquarium...

Moin Martin,

ja, und auch im Garten gilt: Wenn Fische im Teich sind, dann gibt es keine Amphibien. Aber: Ob das zu Hause im fischlosen Tümpelaquarium mit dem protistischen Artenvielfaltswunder klappt, muss man entspannt auf sich zukommen lassen. Und: Es tobt die Sukzession! Jede Phase, die man erlebt und deren Artenzusammensetzung man spannend findet, umfassend beproben! Ggf. ist sie nächste Woche zu Ende!
Weiter sollten wir immer im Auge habe, dass das, was wir als Bewohner der Räume als Riesenbecken empfinden, für ein stabile Biotop doch recht klein sind. Egal: Einfach mal probieren und sehen, was sich ansiedelt.

Tschüß, Wolfgang
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Bernd Kaufmann

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #9 am: Februar 09, 2013, 15:31:08 Nachmittag »
Hallo Wolfgang,
Zitat
es interessiert mich, daher die Nachfrage: Was ist eine bequeme Ausrede?

"man" sucht nach einem Grund für die Algenplage und nimmt dafür gerne den CO2-Mangel als "Schuldigen". Für den kann man ja im Zweifel nichts und gerade bei den ostafrikanischen Seen-Buntbarschen ist die CO2-Versorgung schwierig, weil höhere pH-Werte nötig sind, CO2 aber den pH-Wert senkt. Es wird meist so dargestellt, dass CO2-Mangel die wichtigste Ursache für überhandnehmende Rotalgen ist. Das stimmt aber so nicht. Hauptursachen sind eben zu viele Makronährstoffe, mangelnde Konkurrenz und zu wenig Wasserwechsel.

Richtig ist zwar, dass die meisten Algen mit biogener Entkalkung kein Problem haben und deshalb den meisten Pflanzen diesbezüglich überlegen sind. Aber letztendlich sind Algen auch nur Pflanzen und alles läuft auf Konkurrenz um alle Ressourcen (Licht, Nahrung und Raum) hinaus.

Die "bequeme Ausrede" bezog sich selbstverständlich nicht auf eine Deiner Aussagen, sondern auf diese extrem vereinfachte Darstellung, dass CO2-Mangel die Hauptursache für Rotalgenplagen sei.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
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Lieber per Du.

Monsti

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #10 am: Februar 09, 2013, 15:42:54 Nachmittag »
Lieber Wolfgang,

danke für die interessante Doku - wieder etwas gelernt. Bitte mehr davon!!!

Herzliche Grüße
Angie

Wolfgang Bettighofer

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #11 am: Februar 09, 2013, 15:54:19 Nachmittag »
Ein Bekannter von mir hat sich wohl mit einer Mangrovenwurzel ein Rotalge aus dem Golf von Mexiko eingeschleppt. Erst fand er sie ganz süss (sah aus wie ein Moosbüschel) aber sie übernahm nach ein paar Monaten das gesamte Aquarium.

Lieber Ecki, lieber Joachim,

vielen Dank für den Link, Ecki. Du weißt ja, ich lese sehr unfleißig hier... Ja, das ist natürlich schade, wenn man eine hübsche Rotalge ins Becken bekommt, die Freude aber dadurch getrübt wird, dass es bald nur noch hübsche Rotalge zu sehen gibt! Wie sagte schon Robert Lembke, unser Showmaster-Urgestein: "Auf dem Persianer ist auch Schwarzwälder Kirsch nur Dreck..."
Was ganz übersichtlich für uns Aquarianer funktionioniert ist, es den Fischen bezüglich des generellen Salzgehaltes, des pH und der Futterzusammensetzung recht oder doch zumindest einigermaßen recht zu machen. Wenn man diese Seite im Griff hat, freut man sich, wenn die Pflanzen ebenfalls einigermaßen wachsen.

Ich spitze aber nochmal zu:
Wenn der Indikator "Alge" das Aquarium übernimmt oder (genügt auch schon) eine oder mehrere Pflanzenarten überwuchert, dann bin nach wie vor ich der Plagegeist, weil ich es nicht schaffe, den Pflanzen eine artgerechte Umgebung bereit zu stellen (pflanzenverfügbare Nährsalze in geeignetem Mengenverhältnis, CO2, Licht, Wärme).
NB: Jede Pflanze produziert, so es ihr gut geht, genügend allelopathische Substanzen, um das Ansiedeln der Algen zu verhindern. Bis Jahresende gibt es dazu im MK einen Artikel von mir. Keinen Forschungsbericht, sondern ein Review ;).

Herzliche Grüße,
Wolfgang
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Wolfgang Bettighofer

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #12 am: Februar 09, 2013, 16:45:29 Nachmittag »
"man" sucht nach einem Grund für die Algenplage und nimmt dafür gerne den CO2-Mangel als "Schuldigen".
Moin Bernd,

Ja, verstanden. Aber ungünstig in der Kommunikation, wenn man anders zitiert wird, als man geschrieben hat. Das verwirrt gerne mal ;D. Ich stresse die Details nochmal, weil es mich wirklich interessiert (sonst würd ich hier nicht sitzen und tippen...):
"...that benefits from high light and low CO2" weist in meinen Augen nicht platt auf den Schuldigen, den CO2-Mangel, hin. Es lenkt den Blick auf Wirkungszusammenhänge. Wer natürlich (analog zu Heilslehren) aus jedem sachlichen Hinweis gleich eine "in jeder Lebenslage gültige und garantiert wirkende" Regel ableiten will, hat verloren.
Das meint nun nicht Dich, sondern denjenigen, der textet, dass "CO2-Mangel die wichtigste Ursache für überhandnehmende Rotalgen ist".

Es gab genügend Situationen in meinem Leben als Aqiarianer, da konnte ich miterleben:
- Pflanzen wachsen bestens, wenig Algen, bei den Pflanzen gibt es nur Algenbewuchs bei alten Blättern, die Algen wachsen hauptsächlich auf dem Mangroveholz
- Pflanzen wachsen nach wie vor, Algenexplosion, ich muss zwischen den Wasserwechsel-/Putzaktionen viel vom Holz absammeln, aber keine Pflanzen werden bedrängt.
Achtung: Zwischen Spiegelstrich 1 und 2 hatte ich nichts willentlich verändert, weder Fischbesatz, noch Pflanzenbesatz, noch Wasserwechselrhythmus, nichts am Futter,... *staun*

- Ich will mal eine neue Pflanze haben, mach ihr einen Platz frei, setze sie ein: Sie wird überrannt von Algen!!!!! Aber: Nur sie, allen anderen Pflanzen sagen: "Is was?!"
Ich spreche nun nur von meinem Wohnzimmerbecken mit
- 100 l Bodengrund mit Bodenheizung und Dennerle Boden-/Waserheizungssteuerung
- 300 l freies Wasser über dem Bodengrund
- Fischbesatz 10 Zwerg-Regenbogenfische, 10 Zebrabärbling, 6 Ancistrus dolichopterus, 6 Botia dario, 10 Pangio kuhlii (= alles kleine Schwänze)
- CO2-Anlage
- Kieler Wasser mit 20 °KH (es gibt Leitungswasser mit günstigeren Werten... ;) )

Hier ein paar Bilder:







Also, ich weiß (leider) garantiert nicht alles, was ich wissen müsste, um es meinen Pflanzen immer recht machen zu können, aber ich habe genug erlebt, um mir sicher zu sein, dass Algenüberwüchse und -Überwucherungen nicht Problemursachen, sondern Problemanzeiger sind.

Tschüß, Wolfgang
« Letzte Änderung: Februar 09, 2013, 18:21:42 Nachmittag von Wolfgang Bettighofer »
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Bernd Kaufmann

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #13 am: Februar 09, 2013, 19:06:44 Nachmittag »
Lieber Wolfgang,
Zitat
Ja, verstanden. Aber ungünstig in der Kommunikation, wenn man anders zitiert wird, als man geschrieben hat. Das verwirrt gerne mal ;D. Ich stresse die Details nochmal, weil es mich wirklich interessiert (sonst würd ich hier nicht sitzen und tippen...):

das verstehe ich auch und es tut mir sehr leid, dass es mir nicht gelungen ist, es unmissverständlich auszudrücken.
Zitat
"...that benefits from high light and low CO2" weist in meinen Augen nicht platt auf den Schuldigen, den CO2-Mangel, hin. Es lenkt den Blick auf Wirkungszusammenhänge.
Selbstverständlich hast Du auch damit recht; leider wird das aber nur zu gerne auf die platte Aussage "Rotalgen = zu wenig CO2" verkürzt und das ist es, was einen fast verzweifeln lässt, wenn man seit 40 Jahren mit dem Thema beruflich und privat beschäftigt ist.
Zitat
Wer natürlich (analog zu Heilslehren) aus jedem sachlichen Hinweis gleich eine "in jeder Lebenslage gültige und garantiert wirkende" Regel ableiten will, hat verloren.
Das meint nun nicht Dich, sondern denjenigen, der textet, dass "CO2-Mangel die wichtigste Ursache für überhandnehmende Rotalgen ist".
Einverstanden. Mit einer Einschränkung: "Verloren" haben diese Vereinfacher leider nicht, im Gegenteil, sie finden immer öfter größten Beifall.

Zitat
Es gab genügend Situationen in meinem Leben als Aqiarianer, da konnte ich miterleben:
- Pflanzen wachsen bestens, wenig Algen, bei den Pflanzen gibt es nur Algenbewuchs bei alten Blättern, die Algen wachsen hauptsächlich auf dem Mangroveholz
- Pflanzen wachsen nach wie vor, Algenexplosion, ich muss zwischen den Wasserwechsel-/Putzaktionen viel vom Holz absammeln, aber keine Pflanzen werden bedrängt.
Achtung: Zwischen Spiegelstrich 1 und 2 hatte ich nichts willentlich verändert, weder Fischbesatz, noch Pflanzenbesatz, noch Wasserwechselrhythmus, nichts am Futter,... *staun*

Das ist nun mal in unseren Pfützen so. Und wenn es der mickrigste Bach ist - der stetige Frischwassernachschub transportiert Überflüssiges ab und liefert Notwendiges nach, unaufhörlich. Und was machen wir?

Zitat
- Ich will mal eine neue Pflanze haben, mach ihr einen Platz frei, setze sie ein: Sie wird überrannt von Algen!!!!! Aber: Nur sie, allen anderen Pflanzen sagen: "Is was?!"
Das ist ein klarer Fall. Neue Pflanze ist zu 99% eine emers kultivierte und muss erst mal submerse Blätter bilden und die emers gewachsenen loswerden. Klar, dass sie sich da nicht erfolgreich gegen starke Algen durchsetzen kann. Macht aber nichts, denn sie schiebt ja zügig neue Blätter und die wehren sich gegen einen Befall.

Zitat
Ich spreche nun nur von meinem Wohnzimmerbecken mit
- 100 l Bodengrund mit Bodenheizung und Dennerle Boden-/Waserheizungssteuerung
- 300 l freies Wasser über dem Bodengrund
- Fischbesatz 10 Zwerg-Regenbogenfische, 10 Zebrabärbling, 6 Ancistrus dolichopterus, 6 Botia dario, 10 Pangio kuhlii (= alles kleine Schwänze)
- CO2-Anlage

 ;) Ich war 27 Jahre Dienstleister für Dennerle und in dieser Eigenschaft auch schon mehrmals in Kiel mit Vorträgen und Schulungen beim leider abgebrannten Knutzen.
Zitat
- Kieler Wasser mit 20 °KH (es gibt Leitungswasser mit günstigeren Werten... ;) )

Och, bei Deinen Cryptocorynen sollte das kein sooo großes Problem sein. Hier mal Wasserwerte von ein paar Cryptocorynen-Standorten auf Sri Lanka:

Temp.    26 °C
Leitf.    480 – 607 µS/cm
pH    6,9 – 7,14   belüftet: 8,3 (!)
GH   15 - 23
KH    14 – 17
NO3    < 5 mg/l (n.n.)
Fe   0,01 mg/l
O2   1,6 – 2,8 mg/l
CO2   38 – 70 mg/l

GPS-Koordinaten gibt es bei mir bei Interesse.

Zitat
Also, ich weiß (leider) garantiert nicht alles, was ich wissen müsste, um es meinen Pflanzen immer recht machen zu können, aber ich habe genug erlebt, um mir sicher zu sein, dass Algenüberwüchse und -Überwucherungen nicht Problemursachen, sondern Problemanzeiger sind.

Auch da stimme ich zu, doch wieder mit einer kleinen Einschränkung: Das stimmt nur, wenn man Algen als "Problem" sieht.  ;D Schlimmer Algenbefall mag unschön aussehen; tatsächlich ist er aber oft Lebensretter für die Fische, denn die Algen übermehmen in solchen Fällen die Aufgaben gut wachsender Pflanzen.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
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Lieber per Du.

Eckhard

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Re: Algen im Aquarium
« Antwort #14 am: Februar 09, 2013, 20:41:10 Nachmittag »
Lieber Wolfgang, lieber Bernd,

wenn hier hier schon Aquarienbilder zeigen, möchte ich eine kleine Geschichte erzählen. Ende letzten Jahres habe ich mein Becken mal wieder frisch eingerichtet. Auf Wunsch meiner Frau habe ich einen Trupp junger "Manacapuru" Rotrücken Skalare eingesetzt. Mein Sohn wollte gerne klassische Buntbarsche - also kam auch ein Pärchen des mittelamerikanischen Elliot's Buntbarsch hinein.


Gesamtansicht


"Manacapuru" Rotrücken Skalare

Es kam so wie es kommen muss ... Die Elliot's Buntbarsch fingen an zu laichen. Das erste Gelege war nach 3 Tagen verschwunden. Das zweite Gelege kam hoch und so hatten wir zu Weihnachten das schöne Schauspiel, ein Pärchen Buntbarsche dabei beobachten zu können, wie sie einen Schwarm von etwa 80 Jungfischen durchs Becken führen. Abends wurde eine tiefe Grube ausgehoben und die Jungfische sorgsam darein bugsiert. Mir wurde unmissverständlich von der Familie klargemacht - die Entnahme eines Jungfisches oder etwas Laiches zum Zwecke der Mikroskopie würde nicht toleriert werden. 3 gegen einen - was sollte ich machen  ;)


Elliot's Buntbarsch mit Jungfischen


Elliot's Buntbarsch Jungfische

Natürlich schmolzen die Jungfische dank der Fressfeinde im Becken trotz aggressiver Bewachung durch die Eltern zusammen. Nach etwa zwei Wochen hörte die Brutpflege auf und am nächsten Tag war kein Jungfisch mehr zu sehen.

Die Elliot's Buntbarsche habe ich dann aus dem Becken genommen und in gute Hände weitergegeben. Leider hatten sie mir meinen Salmlerschwarm von 30 auf 9 dezimiert. Eine Woche nachdem sie ausgezogen waren tauchten 3 etwa 1,5 cm grosse Jungfische auf die anscheinend durchgekommen sind.

Die Jungfische wurden nicht extra gefüttert. Sie haben sich die ersten Wochen von Einzellern und Rädertierchen ernährt.

Herzliche Grüsse
Eckhard
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