Warum häufige Delamination bei Zeiss Optik?

Begonnen von Baldrian, Dezember 06, 2016, 00:44:45 VORMITTAG

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Baldrian

Zitat von: Mark in Dezember 11, 2016, 05:25:42 VORMITTAG
...  Man kann das Xylol gut und gerne durch harmloses Ethylacetat ersetzen

Hallo Mark, danke für deinen ausführlichen Bericht. Wenn Ethylacetat harmloser ist als Xylol, kann man es dann generell als Ersatz verwenden, beispielsweise zum Verdünnen von Einschlussmitteln?

Tom   
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Mark

Hallo Tom,

generell würde ich vorsichtshalber nein sagen, aber wenn man weiß, was
eingeschlossen werden soll und worin, kann man schon eher was sagen.
Ethylacetat löst zB auch mehr Wasser als Xylol, das kann zum Problem werden.
Ist das Einschlussmittel ein starker Wasserstoffbrückenbildner, "verfliegt" das Ethylacetat nicht so gut.
Es kann evtl. Gewebe extrem schrumpfen lassen, es kann auch zur Essigsäure gespalten werden, wenn Rückstände bleiben ...
es gibt bestimmt noch andere Dinge für und wider Ethylacetat.

Grüße
Mark


Herbert Dietrich

Hallo Mark,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht.
Ich bin sicher, dass nun viele Zeiss Okulare wieder zum Leben erweckt werden.
Ich wünsche Dir weiterhin eine glückliche Hand und erfolgreiche Reparaturen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest
mit herzlichen Grüßen

Herbert

koestlfr

Liebe Mitleidende!

Ich möchte euch einmal Delamination bei Reichert zeigen:



Das ist der Lichtaustritt im Fuss des UnivaR - das Grundproblem ist, ich weiss nicht wie man die Linsen ausbaut ... hat irgendwer eine Idee?

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Baldrian

#49
Hallo Franz, ich habe auch so ein Teil, wo man ohne Spezialwerkzeug und dem Wissen, in welche Richtung der Ring zu drehen ist, nicht an die Optik herankommt. Das Ding habe ich mit Fassung kurz mit Waschbenzin gereinigt und dann einen Tag in Xylol gelegt, in dem etwas Caedax aufgelöst war. Danach war die Delamination erstmal ganz weg und nach dem Verdampfen des Lösungsmittels nur noch teilweise vorhanden. Vielleicht bekommt man sie durch Wiederholung ganz weg. Aber mißlich ist es schon, wenn man die Linsen nicht mit vertretbaren Aufwand aus den Fassungen bekommt. Leider entfallen dann Marks und Herberts gezielte Vorgehensweisen.



Tom    
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koestlfr

#50
Hallo Tom!

Danke für deine Erfahrung!

Das Teil hat weder eine Kerbe noch dringt Xylol ein, es wirkt verklebt. Ich werde versuchen, das Teil so wie du, einen Tag oder länger, zusätzlich auch in stark verdünntem Cedax einzulegen.

Gottseidank ist es nur das Reserveteil und die Störung ist im DL nur marginal sichtbar, aber trotzdem unangenehm und vor Allem unschön!

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Mark

Hallo Franz,

ah, da ist es ja ! :D
Das sieht schlimm aus, aber wozu Caedax beimischen zum initialen
Lösen ? Dadurch dringts ja nicht besser ein, eher schlechter. Würd ich lassen.
Ich habe einen hartnäckigen Reichert-Polarisator auch mit "Gewalt" rauslösen müssen, wenn Xylol nicht geht,
andere Lösemittel probieren. Kannst Du das machen ?Ich empfehle mal DMSO, evtl im Gemisch mit
Chloroform oder Dichlormethan, das ist so das wirksamste, was ich benutzt hatte, Die Fassung ist
Alu/Eloxiert, oder ? Sonst ist der Lack weg.
Das Ding unter Rückfluß erhitzen ?

wünsche DIr  Glück
Gruß nach Ö

Mark

Herbert Dietrich

#52
Hallo Tom, Hallo Franz,

Tom hat ja schon auf eine Lösungsmöglichkeit hingewiesen: einlegen in verdünnten Caedax. vermutlich dringt dadurch nur eine geringe Menge Caedax in den Spalt ein
und beim Verdunsten des Xylol ist die Delamination teilweise behoben.
Ich würde das eingedrungene Caedax einige Tage aushärten lassen (bei so 35-40°) und dann die Prozedur solange wiederholen bis die Delamination vollständig verschwunden ist.
Dem Gemisch mehr Caedax beifügen wäre auch ein Möglichkeit, aber nicht gerade materialsparend.

Hallo Franz,
so ein Kpl-Okular habe ich auch, da Lässt sich die Doppellinse, weder mit gutem Zureden, noch mit Xylol oder Wärme aus der Fassung bringen, es dringst nicht mal Xylol in den Spalt ein,
ich vermute, mit irgend einem Superkleber versucht zu reparieren und dabei gleich mit in die Fassung verklebt. Damit muss man leben.

Herzliche Grüße
Herbert

koestlfr

Hallo Mark! Hallo Herbert!

Ich habe geschrieben: "zusätzlich auch in stark verdünntem Cedax einzulegen", das heisst, mind. einen Tag nur mit Lösungsmittel und dann ein Cedax-Xylol-Gemisch.

Zu sehr erhitzen getraue ich mich nicht, das Teil wirkt sehr kompakt - ich fürchte einen Spamnnungsriss! Die Fassung ist Aluminium eloxiert und wirkt nicht wie nachträglich verfestigt. Es dringt absolut nichts ein.

Ich weiss nicht ob ich noch grober werden soll ... wie gesagt, im DL ist es nur ein leichter Schatten und nicht mehr!

Danke und liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Herbert Dietrich

Hallo Franz,

Du schreibst: "wie gesagt, im DL ist es nur ein leichter Schatten und nicht mehr!"  und "es dringt absolut nichts ein."
Wenn Dir das Ding keine unruhigen Nächte beschert, dann würde ich das lassen. Alle Deine Versuche führen entweder zum Erfolg oder Du ruinierst das Teil.
Ich könnte damit leben. Ich bin auch nicht perfekt!


Herzliche Grüße
Herbert

koestlfr

Hallo Herbert!

Du hast es auf den Punkt gebracht - der Schaden sieht spektakulärer aus als er sich bei DL bemerkbar macht - ich habe die Delamination extrem fotografiert und es ist eigentlich nur ein Ersatzteil, der andere Lichtaustritt ist völlig in Ordnung und, um nachzuplappern - ich bin auch nicht perfekt ...

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Udo Hammermeister

Hallo Mark,

Ich habe auch eins von den ganz alten Zeiss Kpl-Okularen (ganz rechts, 102g, mit sichtbarer 3er-Linse), nicht delaminiert! Diese fallen auch schon dadurch aus dem Rahmen, dass der Linsen-Durchmesser ein anderer ist (kleiner). Auch haben sie ein anderes Gewinde für die Ringmutter und eins für den Einsteckstutzen. Die spätere, mittlere Generation (ich nenn sie mal so), 89g, hatte dann ein gemeinsames Gewinde für Ringmutter und Einsteckstutzen. Bei der nächsten Generation (links, 46g, Aluminium, Hartkunststoff) übernahm der Einsteckstutzen gleichzeitig die Funktion der Ringmutter. Innerhalb der Generationen gibt es auch noch Varianten, insbesondere bei der Beschriftung und der Höhe des vorn überstehenden Rands (bis zu 6,3mm) was den Brillenträgern wieder unnötig Platz wegnahm.
Bei den letzten (schwarzer Schaft) waren die Gewinde auch teilweise stark verklebt, ich hab sie aber alle los bekommen.

Grüße Udo

Mark

Hallo Udo,
schön zusammengefasst !wie hast Du die Gewinde aufbekommen ? Ich nehme an zerstörungsfrei
und kosmetisch noch vertretbar ? Werkzeug verwendet ?

@all : hier ist Peters KPL mit der seltsam aussehenden Delamination. Es ist eins
von der Sorte, wie Du, Herbert sie beschreibst, da sind Ritzen, in die einfach kein Lösemittel eindringt.
Das sind wohl "Kavitäten", in die nix reinkann, weil die Luft/das Gas nicht rauskann.
Jedenfalls lag das Ding tagelang da und sah gleich aus. Also hab ich in besagtem Lösemittelgemisch
(DMSO / Chloroform ca 2:1) knapp 45min bei 115°C erhitzt. Daraufhin ist eine der äußeren Linsen abgefallen,
die mittlere, bikonvexe und die andere Außenlinse bleiben zusammen :


y Verkittung hat vom Rand aus nach innen Kitt verloren, hätte ich weiter erhitzt, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die auch auseinanderfallen.
Aber so kann sicher relaminiert werden. Kittreste (links zu sehen) noch entfernen, dann NOA in die Mitte einer Linse, andere Linse drauflegen (hier werde ich eine Hülse nehmen,
die eng anliegt , und das alles da drin durchführen, um nicht seitlich zu verkippen). Dann das NOA mit dem Fön / Rotlichtlampe / 100W Halogenheizung dünnflüssig erwärmen und ohne Druck
setzen lassen. Hatte man zu wenig NOA, kann man entweder nachlaminieren, oder von vorne beginnen. Luftblasen stören später das fotografische Bild (oder auch nicht)  ;D
Wer Vakuum hat, hat bei diesen ganzen Aktionen schon Vorteile, ggf. reicht schon eine einfache Infiltrationsspritze und eine Dose mit Deckel.

Ob da beim Verkitten die axiale Drehung sichtbare Unterschiede bewirkt, wird man sehen, ich werde mit einem sichtbaren Laserstrahl die optischen Achsen
der beiden Klunker aufeinander ausrichten (vor der Relamination) und die Position am Rand markieren oder irgendwie fixierbar machen. Mehr geht mit meinen Mitteln nicht.

Später kann man dann an einem anderen KPL mal schauen, wie der visuelle Bildeindruck ist, wenn man gar nichts oder auch maximal dejustiert, sollte
das überhaupt möglich sein. Ich glaube immer noch, daß wenigstens ein Dreier-Block aus zueinander jeweils rotationssymmetrischen Linsen besteht.

Peter, wenn das KPL nachher schielt  ::) kriegst Du von mir ein nagelneues, superleichtes mattschwarzes Ersatzteil, beim Sehfeld leg ich noch zwei drauf  ;D ;D
Dieses alte Blechteil hat eh ausgedient irgendwann mal, oder ?

diebische Grüße

Mark

Baldrian

Zitat von: Mark in Dezember 12, 2016, 05:19:43 VORMITTAG
...  Peter, wenn das KPL nachher schielt  ::) kriegst Du von mir ein nagelneues, superleichtes mattschwarzes Ersatzteil ...

Hallo Mark, ich weiß ja nicht, wie deine Absprachen mit anderen aussehen, aber ich kann mir echt nicht vorstellen, dass jemand von dir Ersatz haben möchte, wenn die Reparatur eines unbrauchbaren Okulars nicht gelingt. Man muss dir dein Engagement und das Teilen deiner Erfahrunge hoch anrechnen und wenn am Ende der Experimente gute Verfahren mit verschiedenen Mitteln herauskommen, ist das doch super.

Dein Ansatz mit Mitteln, die mit UV Licht ausgehärtet werden, lässt vermuten, dass die Verbindung permanent ist, weil da keine Mischung aus Harz und Lösungsmitteln mehr die Verkittung stellt, die durch das Verdampfen des Lösungsmittels an Substanz verliert, versprödet und wieder abreissen kann.


Delaminiertes Objektiv

Neulich bekam ich ein Zeiss Mikroskop, dass bei Frost geliefert wurde und eiskalt bei mir eintraf. Bei der Inspektion der Objektive im Stereomikroskop konnte man eine große delaminierte zentrale Fläche in einem  Zeiss Neofluar 40 sehen. Da ich das Objektiv nicht aufbekam, stellte ich es vorgestern früh in ein Alu-Filmdöschen mit nur etwas Xylol und einem kleinen Tröpfchen Caedax. Die Flüssigkeit war alos nicht im Inneren des Objektivs, lediglich die Front stand in der ca. 3mm tiefen Flüssigkeit.    

Die Hoffnung stirb ja zuletzt und sie bestand darin, dass vielleicht etwas Lösungsmittel durch eine Kapillarwirkung die Fassungen und Gewinde überwindet, um an der richtigen Stellen ihre Wirkung zu entfalten. Okay, lasst uns nicht über die möglichen Nachteile dieses absurden Versuches nachdenken, es kann sich ja jeder vorstellen, dass das Mittel auch an einer falschen Stelle hätte landen können.

Nach einigen Stunden nahm ich das Objektiv heraus und reinigte es mit Waschbenzin. Es sah völlig unverändert aus. Die Delamination war noch vorhanden.

Gestern morgen gab es dann eine Überraschung. Die defekte Stelle wurde kleiner. Bis zum Abend war sie fast gänzlich verschwunden und heute morgen sah es topp aus. Ans Mikroskop geschraubt war die Leistung so gut, wie man sie vone einem Zeiss Neofluar 40 erwarten kann. Was diese Heilung bewirkte, ist mir unklar. Ev. die Zimmertemperatur kombiniert mit Xyloldämpfen. Ich bin gespannt, ob es in dem Zustand bleibt oder ob hier eine ständige Veränderung stattfindet. Schade, dass ich das nicht mit einem Bild pro Minute filmen konnte. Dann hätte man den Vorgang sehen können.

Tom
 
Eine meiner Websites: http://www.photoinfos.com

Udo Hammermeister

Zitat von: Mark in Dezember 12, 2016, 05:19:43 VORMITTAG
wie hast Du die Gewinde aufbekommen ?
Hallo Mark,
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Sicherlich in Lösungsmittel einige Tage eingelegt, Isopropylalkohol ist unkritisch. Oder vielleicht auch Nitroverdünner, dann aber nur kurz ein paar Tropfen. Vielleicht hatte ich sie auch vorsichtig von außen erwärmt, unter gleichmäßigem langsamen drehen mit der Drehbank. Der Kunststoff scheint kein Thermoplast zu sein, ich will aber nichts versprechen.
Grüße Udo