Brauche Hilfe: Nähnadel zuschleifen zum Spalten von Sphagnum-Stämmchen

Begonnen von Bernd Miggel, April 30, 2020, 19:01:54 NACHMITTAGS

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A. Büschlen

Hallo,

Bernd bat mich, meine Arbeitsmethoden mit zu teilen. Ich habe vor allem Erfahrung mit Laub- und Lebermoosen. Und in dieser grossen Gruppe wiederum vor allem mit Epiphyten und einzelnen Felsbesiedlern. Die Sphagnen sind für mich Neuland.

Ich habe nun eine kleine Anleitung zum schneiden von Stammquerschnitten geschrieben. Diese Anleitung kann auch bei Laub- und Lebermoosen angewendet werden.

Zur Verfügung steht Frischmaterial; das Ziel ist ein Frischpräparat in Chloralhydrat eingedeckt.

-   Aststämmchen vom Hauptstamm entfernen; der Hauptstamm in Teesieb unter fliessendem Wasser spühlen.
-   Zu schneidendes Material in Holundermark einbetten.
-   Am Tischmikrotom einspannen.
-   Schneiden mit Rasierklinge in Klingenhalter; alternativ SHK Klingenhalter.
-   Geschnittenes Material mit feinem Pinsel ab Klinge in Wasser sammeln.
-   Viel Material schneiden.
-   Am Stereomikroskop eine erste Sichtung machen.
-   Auf ein Deckglas ein kleiner Tropfen Chloralhydrat geben und Dieses neben die Glasschale legen.
-   Mit feiner Pinzette 4-5 der feinsten Schnitte in den Tropfen Chloralhydrat legen.
-   Wichtig: Pinzettenspitze immer wieder kontrollieren, ob die Schnitte nicht mehr daran kleben.
-   Objektträger verkehrt herum auf das DG legen ABER nicht ablegen! Nur so auflegen bis der Tropfen sich langsam verteilt, dann OT mit anhaftendem DG abheben und umkehren so, dass das DG oben ist!
-   
Dieses Vorgehen gilt auch, wenn das Ziel Dauerpräparate in Hoyers Lösung oder in Glycerin-Gelatine sein soll.

Alternativ zu Holundermark kann sicher auch frische Karotte verwendet werden. Mit Karotte habe ich keine Erfahrung.

Warum mit Chloralhydrat eindecken? Meine Erfahrung zeigt, dass sich ein eindecken mit Chloralhydrat lohnt weil die Objekte klarer werden, Luftblasen leichter zu entfernen sind und wegen dem beigemischten Glycerin die Frischpräparate länger händelbar sind.

Bild 2 zeigt ein Hauptstamm-Querschnitt von Sphagnum sp. . Ein Bild, kein Stapel! Das Bild zeigt sehr deutlich die problematische Material-Eigenschaft des Objektes:
Aussen ist die dünnwandige Hyalodermis, dann kommt sehr festes Material das unterschiedlich lichtdurchlässig ist. Das helle Zentrum ist kein Hotspot am Mikroskop!
Als optimale Fotovorlage wäre hier wahrscheinlich ein Dauerpräparat in Hoyers Lösung oder in GG vorteilhafter.

In einem weiterem Bild zeige ich dann ein Aststämmchen-Querschnitt.

Konstruktive Anregungen sind erwünscht.

Arnold Büschlen




Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

Hallo Arnold,

danke für deine ausführlichen Erläuterungen, das Ergebnis ist brillant!

Zwei Fragen habe ich noch:
a) Wo bekommst du Chloralhydrat her, ist das nicht sehr schwer zu bekommen?
b) Wie würdest du schrittweise vorgehen, wenn du ein Dauerpräparat in Hoyers Lösung anfertigen würdest? Zuerst in Chloralhydrat zum Fotografieren und dann in Hoyers Lösung umbetten?

Viele Grüße - Bernd


A. Büschlen

Hallo Bernd,

hier nun Querschnitte der Aststämmchen. Da kommt man an Grenzen! Zum Einen ist hier die Zellengrösse in der Hyalodermis sehr unregelmässig. Zum Anderen fehlt eine fotogene Eigenfarbe. Für die Bestimmungsarbeit ist dies überhaupt kein Hindernis, aber um gute Fotos zu machen... bin ich noch einwenig ratlos.

Zu deinen Fragen:

Ich verwende Chloralhydrat gelöst, so wie es die Mykologen verwenden. Für dich wohl am einfachsten hier: https://www.myko-shop.de/epages/62834980.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/62834980/Products/ZChem/SubProducts/ZChem-0004

Dauerpräparat in Hoyers Lösung: direkt aus dem Wasser in HL eindecken. Präparat beschweren und mehrere Tage an Wärme trocknen lassen.  Dann fotografieren. Ich habe keine langjährige Erfahrung mit Dauerpräparaten in Hoyers Lösung. Wichtig ist, dass der Deckglasrand nach vollständigem abtrocknen mit einem geeigneten Lack abgedeckt wird.

Ganz wichtig für dich: Farbe bleicht in Chloralhydrat und HL aus! Ich arbeite mit diesen beiden Eindeckmittel NIE mit Farbe!

Gruss Arnold



Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

#33
Hallo Arnold,

die Astquerschnitte sind doch voll ok.

Beim Stammquerschnitt von innen nach außen:
a) Mark (hell)
b) Skleroderm (dunkel, "Holzzellen")
c) Hyaloderm (hell)
Beim Stammquerschnitt lohnt sich eine Simultan-Mehrfachfärbung (z.B. Etzold), besonders bei rein grünen Querschnitten (Sphagnum girgensohnii etc.).

Beim Astquerschnitt von innen nach außen:
a) Mark
b) Hyaloderm mit zwei Zelltypen (die großen heißen Retortenzellen).

Es würde sich lohnen, ein Ästchen von seinen Blättern zu befreien und es dann in Wasser zu mikroskopieren, nicht im Querschnitt, sondern in Aufsicht. Sollte das Ästchen deutliche Spiralen aufweisen, handelt es sich um  das weinrote Sphagnum magellanicum.

Viele Grüße - Bernd

P.s.: Die Reagenzien hab' ich gerade bei Klaus Herrmann bestellt.

A. Büschlen

Hallo Bernd,

hier nun noch ein Hauptstamm Querschnitt einer anderen Sphagnum Art bei dem in der Hyalodermis die gesuchten Poren zu sehen sind.

Gruss Arnold

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernd Miggel

#35
Hallo Arnold,

ist das wirklich eine Pore? Nur in der Aufsicht (superficial view) lässt sich die Porensituation beurteilen.

Hier ein Versuch mit Sphagnum capillifolium: Skalpschnitte des Stämmchens, eingefärbt mit Kristallviolett.
Man erkennt, dass das Präparat idealerweise nur eine Zellschicht dick sein sollte.

Viele Grüße - Bernd

A. Büschlen

Hallo Bernd,

zum meinem Bild: In dem "Handbook of European Sphagna" erschienen 1985 findet sich bei s. palustre eine Zeichnung zu dem Stammquerschnitt mit ebenfalls diesen "Poren".

Zu deinen Bildern und der Methode des färbens: lassen sich die Poren im von dir gezeigten Material im Durchlicht / Hellfeld nicht auch ohne färben erkennen so wie bei den Blättern?

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Alex H.

Hallo Bernd,

vielleicht eignen sich Akupunkturnadeln zum Spalten von Sphagnum-Stämmchen.



Ich verwende sie zum Beispiel beim Hantieren mit Pollen und Sporen. Im Myko-Shop kosten fünf Stück gerade mal einen Euro.

https://www.myko-shop.de/epages/62834980.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/62834980/Products/ZNadAku

Grüße
Alex

Bernd Miggel

#38
Hallo Arnold,
einfärben ist meiner Meinung nach unerlässlich. Beispielsweise mein oberstes Bild: Weiß in weiß, da würde man nichts sehen.

Hallo Alex,
müsste ich mal versuchen, diese Nadeln habe ich selber irgendwo li9egen. Danke für den Hinweis!

Viele Grüße - Bernd

A. Büschlen

Hallo Bernd,

du schreibst:

Zitateinfärben ist meiner Meinung nach unerlässlich. Beispielsweise mein oberstes Bild: Weiß in weiß, da würde man nichts sehen.

Darf ich mich dazu im Laufe der kommenden Woche noch einmal melden?

Bitte verstehe mich recht, ich will da überhaupt nicht belehrend und besser wissend sein! Das Thema hat mich aber gepackt und da möchte ich noch einwenig dran bleiben...

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

olaf.med

Hallo Alex,

viel feiner als Akupunktur-Nadeln sind solche zum Aufspiessen von kleinen Insekten. Es wird dieses Thema hier ja nicht weiter vertieft,  aber ich habe den Eindruck, dass man für diese Anwedung eher eine Schneide als eine feine Spitze benötigt .

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Bernd Miggel

Hallo Olaf,

die Idee mit feinen Nadeln finde ich recht gut. Ich würde ein Stämmchen mit zugeschliffener Nähnadel anritzen und dann versuchen, mit einer Nadel die Hyalodermis abzuheben.
Meine Akupunkturnadeln finde ich leider nicht mehr. Hast du vielleicht ein oder zwei dieser sehr feinen Nadeln zum Aufspießen kleiner Insekten übrig?

Viele Grüße - Bernd

Klaus Herrmann

Lieber Bernd warte doch erst mal auf das Samurai-Schwert, das ich für dich geschmiedet habe. sollte spätestens morgen kommen.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

limno

#43
Hallo Bernd,
manchmal braucht es Namen und Begriffe. Beispielsweise, um im Netz danach suchen zu können. Diese Stifte heißen Minutien. Es ist wie bei Deckgläsern. Die feinsten Minutien haben die Stärke 000. Sie sind 0,1 mm dick.
Beste Grüße von
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

olaf.med

Hallo Bernd, 

natürlich schicke ich Dir gerne welche zu. Schreib mir doch bitte Deine Adresse per PN.

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0