Autor Thema: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit  (Gelesen 2573 mal)

Stuessi

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Re: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit
« Antwort #30 am: Januar 25, 2023, 11:39:28 Vormittag »
Hallo,

zum Vergleich habe ich noch ein schon vor 50 Jahren im Katalog erwähntes Leitz Pl Fl 10/0.30 am Orthoplan ausprobiert.
Es ist mein bestes 10x Objektiv.



Viele Grüße,
Rolf

Peter V.

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Re: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit
« Antwort #31 am: Januar 25, 2023, 12:39:13 Nachmittag »
Hallo,

die Thematik "alte vs. neue Optik" ist schon etwas komplexer. Ich beziehe mich speziell auf ortholux-Wolfgangs Post des "Wow-Effektes" beim Blick durch ein recht aktuelles Mikroskop der gehobenen Klasse mit Planapos.

Vorweg: Ich denke, dass wir uns alle einig sind, dass auch für den Mikroskopiker mit gehobenem Anspruch ein Mikroskop der Klasse "Orthoplan" oder BH2, Vanox etc. -  wenn es gut in Schuss und mit bester Optik ausgestattet ist - einem aktuellen Mikroskop nicht merklich nachsteht und eine wirklich feine Ausrüstung zum Bruchteil eines Neugerätes darstellt.

Natürlich kenne ich auch den Effekt beim Blick durch ziemlich aktuelle Mikroskope mit Highend-Optik (Ich habe ja selbst ein DMRB mit Planapos, ein Axioskop mit Plan-Neos und Planapos und ein Olympus BX.). Zugegebenrmaßen kenne ich nicht die allerletzte Optik der letzten 10 Jahre, die aber ohnehin für den Durchschnittsmikroskopiker i.d.R. unbeazhlbar ist.

Was man aber absolut nicht vernachlässigen darf, ist die Tatsache, dass sich moderne Optik auch an modernen Mikroskopen befindet und auch da gibt es viele Faktoren, die die Bildqualität unabhängig von der Qualität dr Objektive und Okulare bei älteren Geräten deutlich beeinflussen können. Bei einem gebrauchten und nicht grundüberholten Mikroskop der Klasse Orthoplan und Co. kann man regelhaft(!) davon ausgehen, dass optische Elemente, besonders die Gläser und Prismen im Tubus) mehr oder weniger verstaubt oder beschlagen sind. Immer! Nicht ohne Grund verkauft Diana zum Beipsiel ihre Mikroskope nicht zum Ebay-Schnäppchenpreis, sondern überholt die Geräte nicht nur aufwändig mechanisch, vielmehr wird in der Regel jeder Tubus zerlegt und es zeigt sich, dass meist alle Glasflächen gereinigt werden müssen, was natürlich ebenfalls ein erheblicher Aufwand ist.

Wenn man also vergleicht, müsste man zum Beispiel ein fabrikneues und nicht gealtertes (das es natürlich nicht gibt) oder eben derart komplett überholtes und bis ins Kleinste gereinigte Orthoplan und einem  tadellosen 160mm-Planapo mit einem aktuellen Mikroskop vergleichen. Ich denke, man würde vielleicht allenfalls noch einen minimalen Unterschied sehen, aber sicher nur noch im direkten Vergleich. Das Gleiche gilt natürlich auch für z.B. ein Olympus BH2 oder Vanox mit Großfeld-Bino und SPlan-Apos.

Wenn ich vor solchen Geräten sitze, kann ich nicht sagen, dass mir selbst mit der Kenntnis modernerer Optik der Unendlich-Ära etwas fehlen würde.

Hezrliche Grüße
Peter

« Letzte Änderung: Januar 25, 2023, 20:19:12 Nachmittag von Peter V. »
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Rene

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Re: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit
« Antwort #32 am: Januar 25, 2023, 13:30:18 Nachmittag »
Die Vergleichsfotos von Peter Höbel zeigen, wie wenig wirkliche Fortschritte seit 100 Jahren gemacht worden sind. Dass sein Mikroskop ansonsten nur ein hohler Schlauch ist, ist bei diesem Vergleich natürlich ein Vorteil.

Was den WOW-Effekt betrifft, so habe ich ihn auch bei der Lieferung einer Reihe von Mikroskopen mit achromatischer Standardoptik (Oly CX21) festgestellt. Abgesehen von den beschlagenen Prismen älterer Optiken wird mit den neuen Optiken auch bei voll geöffneter Kondensorblende ein guter Kontrast erzeugt. Sicherlich ist dies bei älteren Optiken, einschließlich der High-End-Optiken, kritischer.

Aber am Ende steht und fällt alles mit dem Mann hinter der Maschine  ;)

Grüße, René

rhamvossen

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Re: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit
« Antwort #33 am: Januar 25, 2023, 14:11:51 Nachmittag »
Hallo René,

Zitat
Dass sein Mikroskop ansonsten nur ein hohler Schlauch ist, ist bei diesem Vergleich natürlich ein Vorteil.

Genau, und das wird oft vergessen. Ein Hufeisenstativ ist eigentlich ein Fototubus. Wenn man dann auch noch ein Okular mit niedrigen Vergrösserung verwendet, z.B. 6x-8x, dann wird der subjektive Eindruck stärk verbessert. Den WOW-Effekt habe ich oft mit einfache Hufeisenstative. Es ist aber so das die meisten nicht mehr durch einfache Huygens Okulare mit "Tunnelvision" schauen. Ein Grösseres Sehfeld schätze ich weniger als ein Bild mit verstärkten Brillianz durch verwendung von niedrigen Okulare. Also, den WOW-Effekt kann für Jedem anders sein. Schließlich sind wir keine Klone ;). Beste Grüsse,

Rolf
« Letzte Änderung: Januar 25, 2023, 14:35:18 Nachmittag von rhamvossen »

ortholux

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Re: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit
« Antwort #34 am: Januar 25, 2023, 16:15:31 Nachmittag »
Ein Grösseres Sehfeld schätze ich weniger als ein Bild mit verstärkten Brillianz durch verwendung von niedrigen Okulare. Also, den WOW-Effekt kann für Jedem anders sein.

Schau mal an. Bei mir ist es genau umgekehrt, ich arbeite am liebsten mit 12,5x-Okularen, da die subjektive Größe des Bildes (nicht das eigentliche Sehfeld, das ist ja immer gleich) mit der Okularvergrößerung steigt, und es für mich viel angenehmer ist, ein großes Bild zu sehen als in eine kleine Röhre zu schauen. Und da sind wir wieder: mir ist dabei eine evtl. leere Vergrößerung wurscht, weil sie das Bild ja nicht schlechter macht.

Wolfgang

Peter V.

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Re: antike Mikroskope-erstaunliche optische Leistungsfähigkeit
« Antwort #35 am: Januar 25, 2023, 16:25:06 Nachmittag »
Hallo,

ein wirklich gutes Bild liefern zum Beispiel auch gute preiswertere moderne Mikroskope wie z.B. das Motic Panthera; ebenfalls gefällt mir immer der Seheindruck bei den einfachen schwarzen Zeiss Achromaten aus der letzten Endlichserie.

Herzliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: Januar 25, 2023, 17:30:36 Nachmittag von Peter V. »
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