Autor Thema: Temporäres Abdecken von Dünnschliffen  (Gelesen 5624 mal)

micromax

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Temporäres Abdecken von Dünnschliffen
« am: Februar 10, 2010, 20:16:39 Nachmittag »
Guten Abend Dünnschliffmikroskopiker,

ich habe Dünnschliffe die nicht abgedeckt wurden um daran später vielleicht noch weitere Untersuchungen anstellen zu können.
Für Fotos und auch zum Mikroskopieren müssen diese natürlich abgedeckt werden. Bisher habe ich das  immer mit Öl und einem Deckglas gemacht.
Allerdings ist das immer ein ziemliches Geschmiere. An den Rändern sammeln sich Fusseln, das Deckglas verschiebt sich usw.

Gibt es eine Möglichkeit den Dünnschliff so abzudecken, daß man das Deckglas auf dem Schliff belassen, aber auch bei Bedarf wieder entfernen kann. Natürlich sollte sich dann der Schliff nicht vom Objektträger trennen. Der Schliff wurde mit Araldit 2020 getränkt und aufgeklebt.

Vielen Dank für die Hilfe und beste Grüße
micromax

Detlef Kramer

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Re: Temporäres Abdecken von Dünnschliffen
« Antwort #1 am: Februar 11, 2010, 17:18:09 Nachmittag »
Hallo,

da nun wirklich niemand, auch keiner der Spezialisten geantwortet hat, von mir folgender Vorschlag: Deckglas mit einem der gängigen Eindeckmittel aufkleben, also Canadabalsam, Malinol, Euparal und dann bei Bedarf mit Xylol o-ä. wieder ablösen. Organische Lösungsmittel können das Araldit nicht angreifen.

Gruß

Detlef Kramer
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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TPL

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Re: Temporäres Abdecken von Dünnschliffen
« Antwort #2 am: Februar 11, 2010, 20:56:11 Nachmittag »
Gibt es eine Möglichkeit den Dünnschliff so abzudecken, daß man das Deckglas auf dem Schliff belassen, aber auch bei Bedarf wieder entfernen kann.

Hallo micromax,
wir hatten das Thema ja schon an anderer Stelle, aber leider habe ich keine echten Alternativen. Die klassische Methode (Kanadabalsam, der sich im Gegensatz zum Araldit wieder entfernen lässt) hat Detlef beschrieben. Aber das ist ein Aufwand, der Tage dauern kann. Deshalb verwende ich auch die Immersionsöl-Schmierei (bei großflächigen Karbonat-Schliffen auch einfach mit Speiseöl auf den unabgedeckten Anschliff - das erhöht den Kontrast ganz kräftig). Bei wertvolleren Dünnschliffen, insbesondere solchen mit labiler organischer Substanz verwende ich auch Glyzerin oder Paraffinöl zum temporären "Ankleben" des Deckgläschens. Da dreht sich den Optik-Konstrukteuren sicher der Magen um, aber die Resultate fand ich - auch mit starken und hochgeöffneten Objektiven wie dem Plan-Neofluar 63/o.90 brauchbar bis gut.

In meinem beruflichen Umfeld werden so gut wie keine abgedeckten Dünnschliffe mehr hergestellt. Zu häufig müssen die selben Schliffe nach der petrografischen Ansprache noch ins Raster-Elektronenmikroskop, in die Mikrosonde (speziell für Herrn Henkel: Elektronenmikroskop zur wellenlängendispersiven Mikrobereichsanalyse 8)), in's Kathodolumineszenz-Mikroskop oder auf andere Messgeräte. Da stört nicht nur das Deckglas, sondern auch jeder Rest leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe oder strahlungsanfällige Harze. Dünnschliffmikroskopie findet deshalb vorwiegend an Mikroskopen mit Auflicht-Objektiven statt. Bei denen spielt das Deckglas entweder keine Rolle ( - ) oder es gehört nicht in die optische Rechnung (D = 0).

Gut abgedeckte Grüße, Thomas

micromax

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Re: Temporäres Abdecken von Dünnschliffen
« Antwort #3 am: Februar 12, 2010, 09:09:19 Vormittag »
Vielen Dank für die Tips, es scheint anscheindend nichts wirklich gescheites zu geben was schnell geht (spricht gegen KAnadabalsam) und kein Geschmier ist (spricht gegen Speiseöl).

Von anderer Seite habe ich den Tip bekommen die Schliffe mit einfachem Lampenöl abzudecken. Das ist ähnlich preisgünstig wie ein kaltgepresstes Olivenöl, kann bei Bedarf nach unterschiedlichen Geruchsrichtungen ausgewählt werden (ich nehme lieber das neutrale) und vor allem verdunstet es im Laufe eines Tages annähernd rückstandsfrei. Damit lassen sich auch Anschliffe schön "anfeuern"

Grüße
micromax

olaf.med

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Re: Temporäres Abdecken von Dünnschliffen
« Antwort #4 am: Februar 15, 2010, 14:23:03 Nachmittag »
Hallo Micromax,

der beste, schnellste und sauberste Weg  einer temporären Abdeckung ist die klassische Verwendung von Kanadabalsam - nein, nicht die Xylol-Pampe der Biologen, sondern als naturbelassenenen Thermoplast. Dieser schmilzt, je nach Zusammensetzung, bei ca. 80-120°C, was dem  Epoxydharz Araldit überhaupt nicht schadet. Reste sind schnell mit Aceton o.Ä. zu entfernen. Als Kittofen kann man einfach ein umgedrehtes Bügeleisen verwenden (nicht von der Gattin erwischen lassen!!!!). Ähnliche Thermoplaste kann man unter verschiedenen Namen beziehen, z.B. unter "Crystalbond".

Gruß, Olaf