Autor Thema: Botanik: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne / Idioblasten *  (Gelesen 25859 mal)

Fahrenheit

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Botanik: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne / Idioblasten *
« am: November 26, 2008, 23:24:45 Nachmittag »
Liebe ForumsleserInnen,

hier mein erster Versuch nach 25 Jahren Pause, der Pflanzenwelt mit der Rasierklinge zu Leibe zu rücken  ;).

Nadeln der Schirmtanne (Sciadopitys verticillata)

Die Technik:
- Handschnitt in Holundermark
- Frischpräparat
- Betrachtet mit Leica DM E und C-Plan 40x
- Photos mit Canon S3IS durchs Okular
- Die Bilder sind bis auf die Wahl des Bildausschnittes nicht nachbearbeitet

Leitbündel im polarisierten Licht:

Die Nadeln der Schirmtanne haben paarige Leitbündel mit identischem Aufbau wie z.B. bei der Schwarzkiefer: ok, beide gehören zur Familie der Kiefernartigen (Pinales)

Harzkanäle am Blattrand:

Eine deutlich sichtbare Wachsschicht, 2-lagiges Epithel, direkt dahinter über den Blattquerschnitt verteilt 6 Harzkanäle.
Darauf folgen 2 bis 3 Zellreihen mit vielen Chloroplasten und dann eingebettet in einem lockeren, schwammigen Zellverbund die Leitbündel.

Blattspalt mit umgebendem 'Flor':

Besonders interessant fand ich die halbkreisförmige Einbuchtung an der Nadelunterseite. Hier bilden die äußeren Zellen schlauchartige Fortsätze, sodass die Oberfläche wie ein Teppichflor wirkt.
Außerdem gibt es nur hier Blattspalte, die dafür dicht an dicht liegen. Das lose 'Füllgewebe' reicht direkt an die Epithelzellen heran, sprich die dichten Zelllagen mit den Chloroplasten fehlen.

Leider sind die Bilder nicht besonders gut geworden, daher noch eine Zeichnung des Gesehenen:

 
Über Tipps und Hinweise würde ich mich freuen!
Jörg Weiß

... so, nun als Vollbild und nicht als Link ...
« Letzte Änderung: November 01, 2014, 16:01:12 Nachmittag von Fahrenheit »
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Klaus Herrmann

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #1 am: November 27, 2008, 00:06:17 Vormittag »
Hallo Jörg,

wir hatten uns mit der Schirmtanne ja auch heftig beschäftigt - ich erst mal ohne zu wissen, was es überhaupt ist. Über meine blamablen Bestimmungsversuche will ich mich gar nicht auslassen :-[

Die eigenartigen Idioblasten haben es uns angetan. Davon später. Hast Du bei Deinen Schnitten eigentlich welche gesehen?

Deine Handschnitte mit Rasierklinge sind schön geworden. Frischmaterial, vermute ich?

Der "Zellschlauch" im 2. Bild ist einer der Harzkanäle, die man bei allen Coniferen findet. Auf meinem Bild sind zwei zu sehen.

Was mir besonders gefällt sind Deine Zeichnungen mit den exakten Beobachtungen. Du hast die Stoma sehr schön dargestellt. Sieht man auf dem Bild nur wenn man sie kennt!

Ich hab ja sicher 100 Bilder gemacht hier ein kleiner Einblick:(Handschnitt, Färbung Etzoldgrün)

Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Rolf-Dieter Müller

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #2 am: November 27, 2008, 00:16:39 Vormittag »
...
hier mein erster Versuch nach 25 Jahren Pause, der Pflanzenwelt mit der Rasierklinge zu leibe zu Rücken  ;).
...

Hallo Jörg,

also, von einer 25-jährige Pause kann ich nichts sehen, Du hast nichts verlernt.

Besonders schön ist Deine Zeichnung mit den Hinweisen, welcher Ausschnitt fotografiert wurde.

Mehr davon, solche Beiträge tun gut.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
« Letzte Änderung: November 27, 2008, 00:35:01 Vormittag von Rolf-Dieter Müller »

Fahrenheit

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #3 am: November 27, 2008, 08:36:22 Vormittag »
Hallo Klaus, hallo Rolf-Dieter,

danke für Eure Kommentare!

Ok, die Dinger heissen also Harzkanäle - ich werds gleich ändern  :) und ja, die Nadel war frisch, wir haben eine Schirmtanne im Garten, sodass ich da nur zugreifen muss.
Da uns die Pinus nigra Schnitte in Wacker-Färbung von Rolf-Dieter so fasziniert haben, war das meine erste Wahl.

Ich nehme an, Klaus, mit den Idioplasten meinst Du die sternförmigen Zellen im Inneren der Nadel auf Deinem sehr schönen Schnittbild. Nein, die sind mir nicht aufgefallen - ich werde bei meinen nächsten Schnitten darauf achten.

Was mag das wohl für ein schwarzer Einschluß direkt an dem oberen Harzkanal sein? Der liegt auch nicht direkt unter dem Epithel wie der andere auf dem Schnittbild. Da werde ich bei meinen den nächsten Nadeln auch mal drauf achten.

Schöne Grüße
Jörg

« Letzte Änderung: November 27, 2008, 08:44:23 Vormittag von Fahrenheit »
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Bernhard Lebeda

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #4 am: November 27, 2008, 09:33:20 Vormittag »
Hallo Klaus, hallo Rolf-Dieter,


Was mag das wohl für ein schwarzer Einschluß direkt an dem oberen Harzkanal sein? Der liegt auch nicht direkt unter dem Epithel wie der andere auf dem Schnittbild.


Hallo Jörg

Anmerkung als Laie: ist die Randständigkeit nicht eher Zufall?

http://www.biologie.tu-dresden.de/botanik/Leiste/Lehre/Anatomie/Praktikum/Blatt/Blatt/Pinus.htm



Viele Grüsse


Bernhard


P.S.  sind die Bilder aus Prinzip nicht bearbeitet, oder nur hier nicht um die Beurteilung nicht zu erschweren? Speziell aus dem zweiten Bild lässt sich noch einiges rausholen!!

Detlef Kramer

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #5 am: November 27, 2008, 10:20:46 Vormittag »
Hallo,
Zitat
Was mag das wohl für ein schwarzer Einschluß direkt an dem oberen Harzkanal sein?

Das ist Klaus' Kellergeist. Man erkennt deutlich die zwei Augen! Im Ernst, keine Ahnung. Ich glaube nicht, dass das da hin gehört.

Ansonsten: gute Schnitte und gute Erklärungen. Was die Lage der Harzkanäle angeht hat Bernhard Recht.

Herzliche Grüße

Detlef

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Klaus Herrmann

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #6 am: November 27, 2008, 11:23:47 Vormittag »
Nein lieber Detlef,

dieser "schwarze Kellergeist" ist bei einer Schnittserie öfter aufgetreten. Hatte ich Dir - wie so vieles ;) - verschwiegen.

Hier eine Polaufnahme, wo er besonders zahlreich drauf ist. Ich habe keine Ahnung, was es ist. Und es war auch schon ungefärbt zu sehen.

Ich habe auch von einer anderen Schirmtanne Nadeln ohne diese Idioblasten, die wir so spannend fanden. Es gibt offensichtlich viele Züchtungsvarianten.

Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Fahrenheit

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #7 am: November 27, 2008, 12:59:37 Nachmittag »
Hallo Bernhard,

zu der Randständigkeit der Harzkanäle hat Detlef ja schon gesprochen - Danke für die Info! In meinen Schnitten gestern waren diese immer in Randlage zu sehen, daher meine Annahme.

Zur Nachbearbeitung: bevor ich anfange, die Bilder zu optimieren, möchte ich erst mal die Aufnahmetechnik optimieren. Wobei ich allerdings nicht glaube, dass ich da mit der S3IS ohne Hilfsmittel weit kommen werde.
Selbst ein expliziter Weissabgleich ist sinnlos, da ich die exakte Kameraposition nicht garantieren kann. Außerdem nimmt das mikroskopische Abbild nur etwa ein Viertel der gesamten Bildfläche ein, die Kamera ist also nicht wirklich geeignet, um einfach Aufnahmen durchs Okular zu machen.
Da muss ich mir halt zur Zeit mit dem helfen, was ich habe.

Lieber Klaus, wenn Detlef recht hat:
Zitat
Das ist Klaus' Kellergeist. Man erkennt deutlich die zwei Augen!
... dann empfand ich das Platzangebot im ersten Bild ja schon als arg beengt. Aber beim Zweiten? Das verstößt mit Sicherheit gegen die Haltungsrichtlinien der Kellergeistverordnung.
Aber nun ist es zu spät, die Fotos sind öffentlich und die untere Naturschutzbehörde hat bestimmt schon jemand entsandt, der Dir bei fehlendem Sachkundenachweis die Haltung von Kellergeistern untersagen wird.  ;D

Freundliche Grüße
Jörg
« Letzte Änderung: November 27, 2008, 19:14:26 Nachmittag von Fahrenheit »
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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #8 am: November 27, 2008, 13:20:34 Nachmittag »
Beitragsinhalt auf Wunsch des Autors gelöscht

Bernhard Lebeda

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #9 am: November 27, 2008, 13:43:11 Nachmittag »

Zur Nachbearbeitung: bevor ich anfange, die Bilder zu optimieren, möchte ich erst mal die Aufnahmetechnik optimieren. Wobei ich allerdings nicht glaube, dass ich da mit der S3IS ohne Hilfsmittel weit kommen werde.
Selbst ein expliziter Weissabgleich ist sinnlos, da ich die exakte Kameraposition nicht garantieren kann. Außerdem nimmt das mikroskopische Abbild nur etwa ein Viertel der gesamten Bildfläche ein, die Kamera ist also nicht wirklich geeignet, um einfach Aufnahmen durchs Okular zu machen.


Aha! Zunächst denke ich nicht, dass ein Weissabgleich durch das Okular gemacht, so wild durcheinander kommt, wenn die Kamera nicht immer an der exakt gleichen Position ist! Ein Versuch würde schon lohnen. Das mit dem 1/4 der Bildfläche versteh ich nicht ganz. Warum zoomst Du denn nicht rein? Ich lese in den EXIF's nur 6mm Focal length!

Zeitautomatik (Av) ist ja schon mal gut! Aber Du hast die Bilder mit 1/30 gemacht. Zwei davon finde ich hart an der Grenze zur Überbelichtung . Warum nicht noch ein Versuch mit 1/60 ? Unterbelichtung kann man mit Tonwertspreizung oder Gradationskurve meist noch gut hinbiegen! Das ist doch gerade DER Vorteil der Digitalfotografie, dass man bei Belichtungsreihen recht schnell Erfahrungen sammeln kann!


Viel Spass weiterhin


Bernhard
« Letzte Änderung: November 27, 2008, 15:11:58 Nachmittag von Bernhard Lebeda »

Fahrenheit

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #10 am: November 27, 2008, 14:22:35 Nachmittag »
Hallo Bernhard,

danke für Deine Tipps! Ich werde bei den nächsten Aufnahmen mal komplett manuell einstellen.
Allerdings ist die S3IS eine recht schwere Kamera, was ich beim 'normalen' Photografieren sehr schätze - sie läßt sich leichter ruhig halten.
Aber vor einem Okular, beim Versuch, die optischen Achsen übereinander zu bringen, ist es, nun ja, ermüdend.  :(

Andererseit habe ich nun man gerade 20 Aufnahmen in der Art gemacht, ich denke, da habe ich noch eine Menge Verbesserungspotential zu heben.

Schöne Grüße
Jörg
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Fahrenheit

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #11 am: November 27, 2008, 15:52:46 Nachmittag »
Hallo Klaus,

nochmal wegen Deiner Kellergeister.

So aus der Ferne (sprich nur auf Basis Deiner zwei Bilder) finde ich Mikes Ansatz auch sehr interessant.

Kannst Du Dich erinnern, ob die entsprechenden Zellen schon in den frischen Schnitten in irgend einer Weise auffällig waren?

Die Schirmtanne mag es gerne feucht und sauer (humoser Boden mit ungefähr ph5, wenn ich das richtig erinnere). Andernfalls bekommt sie recht schnell gelblich-grüne Nadeln. Gesunde Nadeln sind satt dunkelgrün.

Vielleicht war es was in dieser Richtung?

Freundliche Grüße
Jörg
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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #12 am: November 27, 2008, 16:04:33 Nachmittag »
Hallo Jörg,

kann ich nicht mehr bestimmt sagen, auch nicht von welchem Baum. Hab in der Gärtnerei welche "geliehen", aber die haben viele Bäume dort.

Wenn ich mal nichts zu tun habe ;) fahr ich nochmal hin und sammle!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #13 am: November 27, 2008, 16:09:53 Nachmittag »
Beitragsinhalt auf Wunsch des Autors gelöscht

Fahrenheit

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Re: Erste Versuche: Handschnitte von der Nadel der Schirmtanne
« Antwort #14 am: November 27, 2008, 18:08:27 Nachmittag »
Hallo zusammen!

Bei uns im Ort steht auch so ein armer Gelbnadler. Wenn ich da wieder vorbeikomme, werde ich mir auch mal ein paar Nadeln "leihen". Mal sehen, ob sich was nachvollziehen lässt.

Einen schönen Abend!
Jörg
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