Tod eines Optovars :-( Wer weiss Hilfe?

Begonnen von Peter V., März 23, 2011, 23:11:50 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Nomarski

Zitat von: Klaus Schloter in Mai 31, 2011, 15:57:25 NACHMITTAGS
Danke für die ersten richtungweisenden Empfehlungen.
Ich gebe so schnell nicht auf,kann jemand genauere Hinweise zur Demontage und zum Wiedereinbau der Revolverscheibe im Optovar geben?
Habe nämlich Respekt davor, die mit Lackpunkt ,gesicherte Achse der Revolverscheibe zu lösen .

Ergänzend wäre zu bemerken, daß die Rastfeder mit der Kugel auch ausgebaut werden muß, da man sonst das Karussel nich herausnehmen kann. Das Federblech wird im Gehäuse eingespannt und muß nach dem Wiedereinbau dieselbe Position einnehmen, da sonst die Rastung nicht mehr stimmt. Mit einer Reißnadelmarkierung läßt sich aber die Position festhalten.

-JS-

#46
Hallo Optovar-Interessierte,
in Bezug auf die Verstellung der Bertrand-Linse war von Martin zu lesen
ZitatBei mir keinen µm...
Nunja, das ist oft so.
Ich möchte den Weg der Beseitigung des Übels in Stichworten beschreiben.
Die Arbeit umfasst 20 Punkte und ist innerhalb von 20 Minuten erledigt.
Wenn allerdings die Führung der Bertrand-Optik der 'Übeltäter' für die Schwergängigkeit
sein sollte, möchte ich bitte auf einen später folgenden Artikel vertrösten. Das ist dann
nämlich nicht *ganz* so einfach...
Nun aber erstmal die Simpel-Version der Reihe nach:
1.) Entfernen der beiden Schrauben, die das Ober- und Untergehäuse des Optovars verbinden.
(im Falle einer Schwergängigkeit bitte keine Gewalt anwenden, sonst passiert wie schon zu lesen
war, Schraubenbruch...)
2.) Wenn die obere Gehäusehälfte abgenommen werden kann, sieht man die (oft, nicht immer)
mit Lackpunkt gesicherte Schraube in der Mitte des Revolvers.
3.) Diese Schraube lösen und zusammen mit der darunterliegenden Scheibe abnehmen.
Die Achse muß auf jeden Fall an Ort und Stelle bleben ! Löst diese sich mit, muss die Achse
auf jeden Fall von der oben befindlichen Schraube getrennt und anschließend wieder im unteren
Gehäuseteil des Optovars gut fest eingebaut werden. Eventuell den unteren Gewindeeinsatz der
Achse hierzu mit Loctite sichern.
4.) Am Lagerpunkt der Blattfeder für die Rastkugel mittels Reißnadel einen Doppelstrich setzen,
so daß später die Feder wieder an genau den gleichen Ort eingebaut werden kann.
5.) Klemmschraube für die Blattfeder (oberhalb des Hebels für den Pol-Filter) lösen und
die Feder zusammen mit der Rastkugel entnehmen. Hierzu empfiehlt es sich, die Kugel
vorher mit ein wenig Fett in ihrem Bett zu sichern. Die 'zum Leben erweckte' Kugel ist auf
z.B. auf Teppichboden nur mittels ultrastarkem Magneten wiederzufinden. Also bitte
Vorsicht!
6.) nun kann der Optik-Revolver von der Zentralachse gezogen werden.
7.) den Revolver umdrehen und auf einer Unterlage aus Optik-Papier ablegen.
8.) mit passendem Schraubendreher (2,5mm) die vier Schrauben an der Unterseite der Bertrand-
Optik lösen, schwarze Platte und verchromten Mitnahmestift abnehmen.
9.) am äußeren gerändelten Chromring 4 Halteschrauben entfernen und den Chromring abnehmen.
Das kann u.U. sehr schwer sein, wenn dieser wegen verkrustetem Fett fest sitzt. Hier hilft Kriechöl
und viel Geduld. Oft auch *sehr* viel Geduld. Es ist keine Arbeit für Leute, die immer sofort
und gleich Erfolg haben müssen...
10.) Chromring in Waschbenzin baden und die Führung mittels Ohrreinigungsstäbchen und
Benzin reinigen. Hartnäckige Reste lassen sich vom Chromring überigens hervorragend mittels kleiner
Bratpfanne und normalem Speiseöl bei (fast) Siedetemperatur des Öls entfernen. Vor der
Weiterbearbeitung empfiehlt sich dann allerdings dringend eine langsame Abkühlung bis Haut-
Verträglichkeit  ;D
11.) Mitnahmestift und Platte auf Bertrand-Optik provisorisch mit zwei Schrauben befestigen und
Gängigkeit der Optikverstellung prüfen. Meist ist diese in Ordnung. Wenn nicht - dat kriejen mer
spääder...
12.) Führung und Chromring 'hauchzart' mit Nadellagerfett oder Zeiss SF20HV einfetten.
13.) Provisorischen Prüfaufbau von Mitnahmestift und Platte wieder demontieren.
14.) Rückbau äußerer Chromring, Prüfung auf Leichtgängigkeit. Wenn o.k.:
15.) Rückbau Mitnahmestift und Halteplatte der Bertrand-Optik.
16.) Leichtes (!!) Einfetten der Zentralachse
17.) Optik-Revolver wieder einsetzen, Blattfeder mit durch Fett fixierte Stahlkugel montieren
(auf Übereinstimmung mit Reißnadelstrichen achten) und Feder mit Halteschraube festklemmen,
anschließend Halteschraube/Unterleger auf Revolver-Achse festsetzen. Lackpunkt als Sicherung.
18.) Ober- und Unterschale des Optovars mit den beiden Halteschrauben moderat festziehen.
19.) [evtl.] Telan-Linsen prüfen und ggfs. reinigen.
20.) Fertig.
Viel Erfolg!
Gruß
Joachim

... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

beamish

Hallo Joachim,

Danke für diese Gebrauchsanweisung! (bei Erfolgsmeldung bitte nach Gerätetechnik verschieben!).
Jetzt weiß ich, wie gut es ist auch noch ein Phako-Fernrohr zu haben... ;-) (sonst hätt ich Angst!)

Herzliche Grüße

Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Frank D.

Zitat von: -JS- in Juni 01, 2011, 00:00:13 VORMITTAG

20.) Fertig.



21.) Prima, .... und ab damit ins Mikro-Know-How, Abteilung Gerätetechnik!!!

MfG
Frank




-JS-

#49
Hallo Martin,
ZitatJetzt weiß ich, wie gut es ist auch noch ein Phako-Fernrohr zu haben... ;-) (sonst hätt ich Angst!)
Du musst keine Angst haben.
Nur ein wenig Mentalbewältigung:
'Sachen zum Reparieren auseinandernehmen ist einfach, wenn Du Dir gemerkt hast, wo und wie die Teile angeordnet
waren. Nur dann kannst Du sie auch wieder richtig zusammenbauen und alles funktioniert wieder. Also mal das auf oder
mach Dir eine Skizze....'
Ein Lehrsatz, der (oft überlesen und dann viel bereut) von meinem Großonkel stammt, seines Zeichens Tischlermeister
und mit Hobby Uhren-Freak. Nunja, ich habe diesen Satz schon als Knirps irgendwo verinnerlicht und bin damit *eigentlich*
immer gut klar gekommen. Eigentlich...;D
Im Zeitalter der Digital-Knipsen ist das mit dem Aufmalen ja nun auch *sowas* von einfach, so daß die Ausrede 'ich
kann nicht zeichnen' wirklich nicht mehr zählt. Und Deine Aussage, Martin 'sonst hätt ich Angst' güldet denn ook nich ;)
Gruß
Joachim
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

Frank D.

Hallo,

weil das Drehkarussell gleich wieder im Gehäuse verschwindet, habe ich noch einmal Fotos vom Schwenkmechanismus der Bertrand-Verstellung gemacht.
Die Bewegung der unteren Scheibe bewirkt die Hebelverstellung, die ihrerseits die Optik hebt und senkt.

MfG
Frank

Unterseite, Stellung 1


Unterseite, Stellung 2


Oberseite


Klaus Schloter

Zunächst einmal vielen Dank für die ausführlichen Hinweise und Warnungen zur Demontage des Optovars.
So manches bisher dahinschlummernde Optovarjavascript:void(0);dürfte daraufhin zum vollen Leben erweckt werden. javascript:void(0);.
Aber nochmals Warnung vor den fressenden Schrauben bei der Demontage,wenn wie bei meinem Optovar das Gewinde zu kurz geschnitten ist,muß vor dem
Zusammenbau das Gewinde entweder nachgebohrt werden oder eine kürzere Schraube verwendet werden!

Frank D.

#52
Hallo,

bei der Montage der beiden Optovarhälften ist mir etwas aufgefallen, das mit den defekten Gewinden in Zusammenhang stehen könnte.
Die untere Auflagefläche besitzt zwei herausragende Metallteile.
Zum einen eine, durch eine starke Druckfeder gehaltene, Kappe (Nr. 1)
(diese Einrichtung wirkt auf den, von mir bereits in der Gerätetechnik beschriebenen, Pol-Schwenkhebel)
und einem feststehenden Zentrierstift (Nr. 2).

Wird die obere Kappe leicht verdreht aufgesetzt, fällt dies erst einmal nicht auf. Kappe und Zentrierstift täuschen einen ebenen Kontakt vor.
Wird nun die Schraube, die dem Zentrierstift gegenüber liegt, zuerst eingeschraubt, bewegt sich zwar die Kappe mit nach unten, der Stift aber nicht.
Die obere Optovarhälfte liegt nun schräg auf und die zweite Schraube wird schräg eingedreht.

Um dies zu vermeiden, sollte die Position des Zentrierstiftes durch leichten Druck bei gleichzeitigem Drehen der O.hälften kontrolliert werden.

Freundliche Grüße
Frank



Nomarski

Hallo Frank,

die beiden Gehäusehälften müßten sogar über zwei Stifte in der richtigen Position gehalten werden, damit die Zentrierung der beiden Telanlinsen zueinander erhalten bleibt. Mit entsprechender Vorsicht muß natürlich bei der Demontage und der Montage vorgegangen werden, damit diese Stifte weder verbogen werden noch verloren gehen.

Es kann also durchaus sein, daß wenn man Teile verschiedener aber Baugleicher Optovare miteinander verschraubt, die optische Achse nicht mehr so 100% ig stimmt.

Sollten die Gehäusehälften beim Verschrauben nicht plan aufeinandergesessen haben, kann dies jedoch schon den Abriß der Schraube erklären. Schrauben mit Feingewinde reagieren auf sowas sehr empfindlich.

Viele Grüße
Bernd

Frank D.

#54
Zitat von: Nomarski in Juni 02, 2011, 15:37:38 NACHMITTAGS
Hallo Frank,

die beiden Gehäusehälften müßten sogar über zwei Stifte in der richtigen Position gehalten werden, damit die Zentrierung der beiden Telanlinsen zueinander erhalten bleibt. .....

Hallo Bernd,

weder an meinem Optovar, noch auf Peters Optovar-Foto sind zwei Zentrierstifte bzw. entsprechende Bohrungen zu sehen.
Vielleicht tritt das Phänomen der "schiefen Gewinde" häufiger bei Monozentrierungen auf.

Gruß
Frank

Detlef Kramer

Hallo,

wunschgemäß habe ich den Beitrag von Joachim "JS" in das Unterforum Mikro-Know-How/Gerätetechnik kopiert und dort fixiert. Dort könnt Ihr allerdings nichts mehr ändern. Deshalb soll der Thread hier weiter laufen.

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken

Fussel

Hallo Peter,
habe diverse Tipps mit Grausen und stehenden Haaren verfolgt!!!! - mir ist immer noch schlecht!!
Nachdem man ein Optovar ja nicht für 2,95 an jeder Ecke bekommt, würde ich folgendes raten:
geh zu einem Werkzeugbau (gelbe Seiten) und lass dir den Schraubenstummel auf der CNC Maschine mit einem kleinen Fräser rausbohren, und zwar NUR den Kerndurchmesser des Gewindes. !!!Schraube zum vermessen mitnehmen.!!!
Wenn die dann kein geeignetes Gewinde dahaben, geh zu einem Uhrmacher, der schneidet dir dann gerne das passende Gewinde rein und hat vielleicht sogar noch ne passende Schraube da.
Meist verlangen die nur ein Trinkgeld für die Kaffeekasse, aber du kannst dann sicher sein dass Fachleute an dem Gerät arbeiten und keine Bastler. Dafür ist das Ding einfach zu rar und zu teuer.

Gruss Micha

-JS-

Hallo Micha,
also, um ganz ehrlich zu sein...ich weiss nicht so recht.
Uhrmacher??
'Meiner' hat weithin prangend neben vielen anderen Ehrungen auch einen Gesellenbrief
an der Wand hängen, erarbeitet (ja, das kann man wohl so sagen...) bei einer ganz
bescheidenen Firma namens Jaeger leCoultre in den schwyzerduetschen Landen...
Wenn ich dem mit einem (sagen wir mal ganz vorsichtig) grobschlächtigen
Kaliber einer M2,5 Schraube daherkommen würde, vielleicht auch noch mit
dem dummdreisten Ansinnen, ein vergniedeltes Gewinde in diesen doch vergleichsweise
recht gewaltig anmutenden Dimensionen nach_zu_schneiden: ich denke schon,
dass ein höflich-besonnenes Fragezeichen auf der Stirn des (inzwischen in
Ehren ergrauten) Uhrmachermeisters zu sehen wäre  ;D
Micha: Uhrmacher (jedenfalls die des 'alten Schlages') kümmern sich für gewöhnlich
um Gewinde'größen' durchaus <1mm und auch weit darunter.
M2,5 ist für solche Leute in Etwa so etwas wie vergleichsweise eine simple Klorollen-
halterung mit 14er Schwerlast-Dübeln in Wand zu verankern...  ;D
Zwinkernde Grüße
Joachim

... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

Fussel

Hallo Joachim,
prinzipiell hast du recht, jedoch haben die Burschen auch mal gelernt Grossuhren und Pendel zu berechnen, zu bauen, und bei Bedarf wieder instandzusetzen, und viele des alten Schlages machen auch noch heute Grossuhren ( ich übrigends auch) !  Gut- wir sterben so langsam aus, aber solange es noch echte Pendeluhren und Schloßscheiben-Schlagwerke gibt, gibt es auch Leute die Gewinde zwischen M1 und M5 schneiden können. -dem Herrn seis gedankt!-

pendelnde Grüsse Micha

Nomarski

Hallo,

es kam mal zu mir jemand mit einer abgebrochenen Schraube (M3), die deswegen abgebrochen war, weil er dessen Linksgewinde für ein normales Rechtsgewinde gehalten hatte.
Da ich rechtsrum ausgebohrt hatte, kam sogar wieder der Rest der abgebrochenen Schraube heraus.
Vielleicht klappt das auch hier, wenn man in die abgebrochene Schraube ein M2-Linksgewinde schneidet.
Erfolgschancen bestehen aber nur, wenn die Schraube ganz normal reingedreht war und nicht schief reingewürgt wurde oder durch Späne verkeilt ist.

VG
Bernd