Offen kollaterales Leitbündel (Ranunculus) mit Fluoreszenz *

Begonnen von Rolf-Dieter Müller, Juli 03, 2011, 16:01:46 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Rawfoto in Juli 13, 2011, 07:17:41 VORMITTAG
...
Ihr gabt das Leuchten der orangen Farbe auf dem Gewissen (durch die Ueberlagerung). In solchen Faellen kommt man ueber die Anfertigung von Masken nicht herum ... Photoshop laesst gruessen :-))
...

Lieber Gerhard,

das ist schon richtig, aber das zweite Bild ist nur eine zusätzliche Erklärung um die Fluoreszenz anhand einer Gesamtübersicht des Schnittes zu zeigen. Und dabei kommt es mir mehr auf eine zurückhaltende Darstellung an.

Du hast natürlich recht, Photoshop als Zeichnungshilfe ist schon sehr mächtig wie ich es bei der beschrifteten Übersicht des Blütenstängelausschnitts zeigen konnte.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Ronald Schulte

Rolf-Dieter,

Sehr schone scharfe aufnahmen mit schone scharf begrenzte Färbungen, toll!

Grüße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Rolf-Dieter Müller

Liebe Mikrogemeinde,

letzten Sonntag bekam ich noch einen Termin für weitere Fluoreszenzaufnahmen. Diesmal haben wir ungefärbte Ranunculus Blütenstängelquerschnitte mikroskopiert um besonders Chlorophyll darstellen zu können. In nachstehendem Tableau habe ist das Ergebnis zusammengefasst.

Die linke Spalte zeigt den Schnitt vom Scharfen Hahnenfuß (Ranunculus acris), 3 Tage altes Dauerpräparat, Einschluss in Phytohistol.

Die rechte Spalte zeigt den Schnitt vom Kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus repens), frisch geschnitten, Wasserpräparat.

Beide Schnitte wurden nicht fixiert und nicht gefärbt.

Von oben nach unten: Hellfeld, Auflichtfluoreszenz 470 nm, Auflichtfluoreszenz 365 nm.


Alle Aufnahmen: Horst Wörmann, Axiocam (Chip gekühlt)

Für weitere Anmerkungen zur Autofluoreszenz möchte ich auf den Forumsbeitrag von Horst Wörmann verweisen: http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,35826,35879#msg-35879

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller

Klaus Herrmann

Lieber Rolf-Dieter,

einfach super! Sowohl die Blau- als auch die UV-Anregung, sie ergänzen sich schön!

Nun noch meine Frage könnt ihr nicht noch eine höhere Vergrößerung für die Chloroplasten bringen? Mit dem 40er Neofluar sollte es noch mehr Details geben.

Schön auch die Gegenüberstellung zur reinen HF-Aufnahme!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Horst Wörmann

Hallo Klaus,

"Nun noch meine Frage könnt ihr nicht noch eine höhere Vergrößerung für die Chloroplasten bringen? Mit dem 40er Neofluar sollte es noch mehr Details geben."

-> Kommt noch, sobald ich meine Steuererklärung fertig habe.

Viele Grüße,
Horst Wörmann

Klaus Herrmann

Hallo Horst,

ZitatKommt noch, sobald ich meine Steuererklärung fertig habe.

Das sollte ja schnell gehen, die macht man doch jetzt auf dem Bierdeckel! ;)

Kannst Du das Objektiv von der Steuer absetzen?  ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Jürgen H.

ZitatKannst Du das Objektiv von der Steuer absetzen?

Objektiv wohl nein, aber subjektiv würd ich das schon gerne wollen, ich brauch noch ein schönes 63er Öl.

Vielleicht kannst Du mir helfen, hast Du einen Rat, wie ich das steuern kann? ;-)

Liebe Grüße

Jürgen

Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Ronald Schulte in Juli 14, 2011, 09:56:27 VORMITTAG
...
Sehr schone scharfe aufnahmen mit schone scharf begrenzte Färbungen, toll!
...

@Ronald, vielen Dank für Deine Kommentierung. Ja, ich lege meine Färbungen gezielt auf eine eindeutige Differenzierung an, in dem ich nach dem Färben den Farbüberschuss mehr als üblich auswasche und beim Entwässern den Isopropylalkohol bis zu 5x erneuere.

Zitat von: Klaus Herrmann in Juli 15, 2011, 09:23:29 VORMITTAG
... Nun noch meine Frage könnt ihr nicht noch eine höhere Vergrößerung für die Chloroplasten bringen? ...

@Klaus, durch übertriebene "Landschaftspflege" geht zwar der Hahnenfuß an meinen Fundstellen zur Zeit etwas zurück, aber ich denke da läßt sich bestimmt noch was machen.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Mila

Lieber Rolf-Dieter,

jetzt muss ich mich doch auch noch melden. Den Anfang des Beitrages hatte ich aufgrund meiner Lavendelreise verpasst (acht Tage kein www hat aber auch was...).
Die Fotos und die Erklärungen dazu sind einfach toll, vielen Dank an alle Beteiligten. Ich freue mich über die Bilder und die "botanischen" Diskussionen.
Ich habe einen (pflanzlichen) Hahnenfuß im Teich, falls ich also noch Material beisteuern soll: bitte melden.

Herzliche Grüße
Mila

Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Mila in Juli 16, 2011, 09:12:22 VORMITTAG
...
Ich freue mich über die Bilder und die "botanischen" Diskussionen.
Ich habe einen (pflanzlichen) Hahnenfuß im Teich, falls ich also noch Material beisteuern soll: bitte melden.
...

Liebe Mila,

vielen Dank und ich freue mich sehr, das Du wohlbehalten zurück gekommen bist. Auf Deine Erzählungen bin ich schon gespannt.

Ja, mit den "botanischen" Diskussionen ist das schon so eine Sache. Du warst nicht da, und so ist es doch tatsächlich jemand gelungen, mich hinsichtlich der Interpretation des Grundgewebes, insbesondere bei der Lokalisierung des Assimilationsparenchyms, zu irritieren. Aber das kann mir ja jetzt nicht mehr passieren.

Schönen Dank für Dein Angebot, aber ich brauchte zu gestern neues Material und bin auch in meinem Umfeld fündig geworden.

Die Ergebnisse sind wieder einmal beeindruckend, wenn ich sie aufgearbeitet habe erfolgt hier eine Ergänzung.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Fahrenheit

Lieber Rolf-Dieter, liebe Pflanzenschnibbler,

schade, dass ich aufgrund einer Erholungspause  ;D erst so spät antworten kann - ich erlaube mir daher, das Overlay-Bild noch mal zu wiederholen.



Mal wieder bin ich nicht ganz einverstanden und möchte daher meine Sicht zur Diskussion stellen:

- Die tollen Fluoreszenzaufnahmen zeigen m.E. schön, dass das gesamte Rindenparenchym als Assimilationsparenchym ausgebildet ist.
  Die Beschriftung im oben stehenden Bild könnte also lauten: Rindenparenchym als Assimilationsparenchym

- gemäß der Beschreibung im Wanner zu Ranunculus repens (1. Auflage, Seite 166 ff.) würde ich den gesamten Bereich zwischen den Leitbündeln
   als Markstrahlparenchym ansprechen.
   
Leider kann man auf dem Overlay nicht erkennen, in wie weit sich die Zellen, die Du - lieber Rolf-Dieter - als Markstrahlparenchym bezeichnet hast, vom umgebenden Gewebe unterscheiden.
Auf Basis Deiner ersten Aufnahmen gehe ich davon aus, dass sie leicht sklerenchymatisch verstärkte Zellwände aufweisen und damit innerhalb des Markstrahlparenchyms einen schon früher diskutierten Stützring zur Stabilisierung der Sprossachse bilden. 

Vielleicht kannst Du uns hier nochmal das Originalbild zeigen. Eventuell lässt sich zwischen dem Markstrahlparenchym und dem Rindenparenchym noch eine Schicht von Zellen ausmachen, die eine größere Menge Amyloplasten enthalten. Das wäre dann die Stärkescheide.

In der Hoffnung auf eine rege Diskussion und mit herzlichen Grüßen
Jörg
Hier geht's zur Vorstellung: Klick !
Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Rolf-Dieter Müller

Liebe Mikrogemeinde,

letzten Samstag hatte ich zum letzten Mal Gelegenheit Fluoreszenzaufnahmen vom Scharfen Hahnenfuß zu bekommen. Ein Blütenstängel frisch gesammelt und für die Aufnahmen mit dem Rasierklingenmikrotom geschnitten, mit dem man schnell und unproblematisch Querschnitte in der geforderten und gleichbleibenden Qualität erhält. Schnittdicke ca. 30 µm.

Für die Darstellung der Primärfluoreszenz wurde ein Schnitt unter Deckglas in Wasser mikroskopiert.

Zuerst eine Übersicht des Blütenstängels, links Hellfeld und rechts Fluoreszenz (470 nm):


Die nachfolgende Aufnahme zeigt vergrößernd von rechts nach links die Kutikula, eine Spaltöffnung und in Bildmitte das Assimilationsparenchym. Links Hellfeld und rechts Fluoreszenz (470 nm):


Alle Aufnahmen: Horst Wörmann.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller

Hyperion

Interessante overlay Bilder!

Wenn man für seine Arbeit Gewebeschnitte quantifizieren möchte ist sowas recht hilfreich, da man mit entsprechender Software die Fläche gleicher Farbe zählen kann.

Sowas ist dann viel genauer als wenn ich die Sachen mit Gitterpunkten durchzählen.

Eine Fragestellung wäre z. B. "Hat Pflanze / Tier nach Behandlung XY mehr / weniger / gleichviel Gewebe XY? Sind die Zellen vergrößert / verkleinert?
Zitat
Leider kann man auf dem Overlay nicht erkennen, in wie weit sich die Zellen, die Du - lieber Rolf-Dieter - als Markstrahlparenchym bezeichnet hast, vom umgebenden Gewebe unterscheiden.


Tja Individual User Interpretation. Macht es schwer absolute Daten zu bekommen. Deshalb lassen wir einen Parameter aller Versuchstiere einer Studie auch immer von der gleichen Person auswerten.

Gibt da so tolle Paper wo die gleiche Sache Testweise von 10 Laboren ausgewertet wurde und 10 mal komplett (!) andere Werte rauskamen.

Klaus Herrmann

Wunderschön Leute,

da geht einem doch das Herz auf, wenn man im 4 Bild die feine Cutikula scharf grün leuchten sieht!

Und interessant ist, dass die nach innen beim Stoma weiter geführt wir. Das könnte man ohne Fluoreszenz kaum sehen!

Danke fürs Zeigen!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Detlef Kramer

Hallo,

mir war es zunächst entgangen, aber Klaus ist es aufgefallen:
ZitatUnd interessant ist, dass die nach innen beim Stoma weiter geführt wir.
. So deutlich habe ich das in der Tat noch nie gesehen. Aus physiologiescher Sicht ist diese innere Cuticula nötig, um die Autonomie des Spaltöffnungsapparates zu gewährleisten, der ja völlig unabhängig und ohne jegliche symplastische Verbindungen zu den benachbarten Zellen mittels eines eigenen Fotosyntheseapparates und entsprechendem Regelwerk den Gasaustausch kontrolliert. Aber, woher bekommen die Schließzellen dann die Informationen über die relative Luftfeuchtigkeit (Wasserdampfpartialdruck) her? ??? ???

Muss ich drüber grübeln. Jedenfalls ein wunderbares Ergebnis mit Tiefgang!

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken