Autor Thema: Von der Probe zum Präparat - Präparieranleitung mit einfachen Mittel  (Gelesen 49162 mal)

Fahrenheit

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Von der Probe zum Präparat - Präparieranleitung mit einfachen Mittel
« am: Februar 10, 2009, 23:12:43 Nachmittag »
Hallo liebe Forumsmitglieder,

basierend auf den seinerzeit hier von mir vorgestellten Arbeitsschritten zur Präparation von Pflanzenteilen (Freihandschnitt, Färbung und Eindecken zum Dauerpräparat) möchte ich nun einen ausführlicheren Anleitungstext vorstellen, der zusätzlich das benötigte Besteck und die Reagenzien beschreibt sowie einen Überblick über die pflanzlichen Gewebe gibt, die im Beispiel Schirmtannennadel zu sehen sind.

Die PDF-Datei ist ca. 1,8 MB groß, sollte also beim Download keine all zu großen Probleme bereiten.

Anleitung von der Probe zum Präparat

Hier nochmal vielen Dank an Klaus Herrmann und Rolf-Dieter Müller für die vielen Tipps und das Korrekturlesen.

Mein ursprüngliches Eingangsposting hänge ich als Beitrag hinten im Thread an, damit die freundlichen Antworten der Forenkollegen nicht ins Leere gehen und nachvollziehbar bleiben.

Freundliche Grüße
Jörg
« Letzte Änderung: März 18, 2009, 22:26:58 Nachmittag von Fahrenheit »
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Klaus Herrmann

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #1 am: Februar 10, 2009, 23:52:29 Nachmittag »
Gratuliere Jörg das ist ein wunderschöner Beitrag!

Das ist ja eigentlich das, was in eine Rubrik "Präparationsmethoden" gehört, damit man die immer wiederkehrenden Fragen der Anfänger mit Hinweis darauf beantworten kann.

Über Dinge die man mit anderer Technik schöner machen könnte will ich mich jetzt gar nicht kleinkrämerisch auslassen.
(Mit dem Turboporsche kommt man halt schneller von München nach HH als mit einem Trabi - keine Kunst!)

Was mir sehr gefällt: Dein sorgfältig liebevolles Arrangement der 4 Schnitte!

Nachahmenswert!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Rolf-Dieter Müller

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #2 am: Februar 11, 2009, 08:06:39 Vormittag »
Hallo Jörg,

ich kann mich Klaus Herrmann nur anschließen, ein sehr schöner Beitrag.

Die Präparation ist stimmig dargestellt und zeigt im Ergebnis genau das, was auch zu erwarten ist und worauf es ankommt.

So wie ich das sehe, hast Du Freihandschnitte ohne weitere Schneidehilfe gemacht. Dafür sind die richtig gut geworden.

Herzlichen Glückwunsch und viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Fahrenheit

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #3 am: Februar 11, 2009, 08:59:39 Vormittag »
Guten Morgen Klaus, guten Morgen Rolf-Dieter,

vielen Dank für Eure netten Kommentare!

Hier möchte ich aber doch darauf hinweisen, dass ich mich eher als Anfänger denn als alter Hase sehe und die vorgestellte Durchführung sicher nicht der Weisheit letzter Schluß ist.  :)

Neben den besseren Ergebnissen z.B. durch Mikrotom Schnitte bleibt sicher auch zu sagen, dass sowohl beim Schneiden als auch beim Eindecken jede Menge Fingerfertigkeit im Spiel ist, die nur mit Übung zu erreichen ist.
Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Z.B. dünnere und ebenere Handschnitte, besseres Timing beim Entwässern und genaueres Abschätzen der richtigen Menge Einschlußmittel.

Den noch ausstehenden Schritt (beschriftete Präparate) werde ich auf jeden Fall nachreichen.
Vielleicht kommt ja noch der eine oder andere Tipp dazu, das kann den Nutzwert des Threads nur erhöhen.

Einen guten Start in den Tag!
Jörg
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Rolf-Dieter Müller

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #4 am: Februar 11, 2009, 11:03:53 Vormittag »
...
Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Z.B. dünnere und ebenere Handschnitte, besseres Timing beim Entwässern und genaueres Abschätzen der richtigen Menge Einschlußmittel.
...
Jörg

Ok, Jörg. Wenn Du schon nach Verbesserungen rufst, dann verlassen wir mal den pädagogisch wertvollen Pfad.

- Deine Freihandschnitte sind ordentlich. Wenn Du Dich messen willst, schau Dir die meisterhaften Schnitte von Detlef Kramer an. Aber Vorsicht, die Trauben hängen sehr hoch!

- Das Holundermark würde ich im oberen Bereich zu einem Pyramidenstumpf vorrichten. An den Rändern sieht man dunkle Stränge, die beeinträchtigen ggfs. die Schnittführung und stumpfen die Klinge zu schnell ab.

- Bild 4 und Bild 5 sind mir zu ähnlich. Vielleicht könntest Du im Bild 5 etwas darstellen, was deutlicher von Bild 4 abweicht.

- Ich denke das Fuchsin ist etwas ausgezogen, denn es muss schneller entwässert werden und das sehr sorgfältig. Schneller heißt nicht unbedingt lang. Mein Tipp: Schnitte von überstehendem Wasser befreien und zwar restlos. Isopropylalkohol mindestens 3x, besser wäre 5x wechseln. Das erste Mal nach 15 Sekunden. Grundsatz: Jede Spur von Wasser in Alkohol zieht Fuchsin aus. Leider merkt man das erst nach Wochen, wenn dann die Rotfärbung mit der Zeit ausgezogen ist.

- Die im Bild zu erkennenden Luftblasen sind ein Merkmal nicht genügender Entwässerung.

- Die Aufnahmen kannst Du nur mit einer anderen Kamera und ordentlicher Adaption verbessern.

- Die Aufnahmen sollten zu Deinem Beitrag immer erhalten bleiben. Ich konnte das für mich im alten Forum sicherstellen, was aber hier nicht mehr geht. Deshalb musst Du die Verfügbarkeit regelmäßig prüfen und ggf. nachbessern.


Wenn Du nach diesen Vorschlägen zu besseren Ergebnissen kommst, dann berücksichtige sie doch in Deinem Eröffnungsbeitrag.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Fahrenheit

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #5 am: Februar 11, 2009, 12:51:21 Nachmittag »
Hallo Rolf-Dieter,

den Pfad des pädagogisch Wertvollen hast Du nicht verlassen - im Gegenteil: wie soll jemand sich der Mühe unterwerfen, besser zu werden, wenn er nur hört, dass er schon toll ist.  :)

Es tut natürlich immer gut, ein Signal zu bekommen, wenn man auf dem richtigen Weg ist, aber damit ich weis, wo ich noch arbeiten muss und der Thread auch für andere einen Wert hat, müssen die Dinge, die nicht optimal sind, auch angesprochen werden.

Das hast Du getan und dafür danke ich Dir.

Deine Tipps zum Bekanten des Holundermarks und zum Entwässern habe ich bereits in den Ausgangsbeitrag eingearbeitet. Ich werde in auch weiter ergänzen, wenn noch Hinweise kommen bzw. wenn ich bessere Ergebnisse oder Methoden vorzuweisen habe. Ich denke, den nächsten "Schub" bekomme ich, wenn wir uns die Schirmtannennadeln, wie geplant, noch mal gemeinsam vornehmen.
Nebenbei würde ich mal vermuten, dass Detlef - sofern er Holundermark für seine Schnitte verwendet - das Markstück auf meinem Photo aussortiert hätte. Ich habe in meiner Sammlung auch noch deutlich feineres Material - aber ich kann halt nix wegwerfen  ;)

Auch habe ich noch ein Bild, das den Beginn der Färbung kurz nach Eintropfen der Etzold-Lösung zeigt. Das werde ich gegen Bild 4 austauschen.

Das Problem mit der dauerhaften Verfügbarkeit der Bilder ist natürlich so eine Sache. Mein Provider löscht die Bilder 3 Monate nach dem letzten Aufruf. Bisher regele ich das so, dass ich mir über die Profilfunktion 'Eigene Beiträge anzeigen' einmal im Monat alle Beiträge aufrufe. Noch ist das handhabbar.
Ich möchte das Thema am Rande des Forentreffens im Juni einmal persönlich ansprechen, vielleicht lässt sich eine tragfähige Lösung finden.

Ja, meine Kameratechnik. Da muss ich mit leben, bis sich was besseres findet. Die Ressourcen fürs Hobby sind halt begrenzt. Die Alternative wäre, erst mal gar keine Photos zu zeigen, das möchte ich aber auch nicht.
Ich hoffe also, dass das Forum die Bilder in meinen Beiträgen als das akzeptiert, was sie sind: so gut, wie es mir mit meinen gegebenen Mittel und meinen Fähigkeiten möglich ist.

Schöne Grüße
Jörg
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Fahrenheit

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #6 am: Februar 11, 2009, 22:28:00 Nachmittag »
Wasserstandsmeldung  ;)

Der Startbeitrag ist aktualisiert. An die Hinweisgeber noch mal herzlichen Dank!

Wenn noch mehr kommt, werde ich den Beitrag gerne weiterpflegen und später gff. auch noch mal komplett überarbeite, wenn die Übersichtlichkeit zu sehr leidet.

Schöne Grüße
Jörg
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PAKRO

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #7 am: Februar 11, 2009, 23:22:03 Nachmittag »
Hallo Jörg!

Also ich kann mir nur mehr solche Beiträge wünschen - für einen Anfänger wie mich ist das
ein richtiger Ansporn sich auch eingehend mit Pflanzenschnitten zu befassen.
Was Angesicht solch ausführlicher Erklärungen einem auch sehr erleichtert wird.

Ich danke noch mal für die anschaulichen Erläuterungen!


Beste Grüße

Peter


icho_mann

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #8 am: Februar 12, 2009, 13:37:04 Nachmittag »
Hallo Jörg,
die zu starke Färbung (3 Tropfen statt den 2)
kannst du durch anschließendes Differenzieren in 96%igem und 70%igem Ethanol etwas beheben, außerdem wird die Färbung dann sauberer.

Wenn ich falsch liege, bitte ich um Berichtigung!
Ansonst ein sehr guter Beitrag, die Fähigkeit so etwas verständlich rüber zu bringen hast du!

Grüße
Jonathan
Mit freundlichen Grüßen
Jonathan
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Fahrenheit

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #9 am: Februar 12, 2009, 14:52:11 Nachmittag »
Hallo Jonathan,

soweit ich weis, kann man auch mit Isopropanol differenzieren und es erwischt hauptsächlich das Fuchsin (die rote Komponente in der Etzoldschen Farbmischung).

Genau das ist mir beim Entwässern passiert. Der Blaue Farbstoff bleibt hingegen recht stabil.

@All: ich bitte um Korrektur, wenn ich hier falsch liege.

Schöne Grüße
Jörg
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icho_mann

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #10 am: Februar 12, 2009, 15:09:58 Nachmittag »
Gerade deswegen solltest du ja mit Ethanol differenzieren,
bei mir wird dabei die ganze Färbung etwas heller.

Was Fuchsin ist weis ich dann doch schon (-:

Grüße
Jonathan
Mit freundlichen Grüßen
Jonathan
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Detlef Kramer

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #11 am: Februar 12, 2009, 16:40:24 Nachmittag »
Hallo,

nur eine ganz kurze Bemerkung: Ethanol differenziert, d.h. es zieht das Fuchsin heraus, das Isopropanol eben nicht. Deshalb soll man nur kurz mit E. differenzieren und dann sofort in das I. gehen. Aber dennoch, die Fuchsin-Färbung fällt oft nicht befriedigend aus - warum auch immer.

Herzliche Grüße

Detlef
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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #12 am: Februar 12, 2009, 17:55:06 Nachmittag »
Hallo Detlef,

danke für Deinen Hinweis! Allerdings habe ich auch beim Entwässern in Isopropanol die roten Farbfahnen im Alkohol gesehen und gerade das mit Fuchsin angefärbte verholzte Gewebe wurde mit der Zeit immer blasser.
Wie oben beschrieben, hatte ich ja alle 15 Schnitte in eine größere Menge Isopropanol überführt und dann nach unterschiedlichen Zeiten einzeln daraus entnommen, um sie einzuschließen.

Darf ich daraus schließen, dass Ethanol das Fuchsin noch viel schneller aus den Geweben zieht und das in meinen Schnitten besonders vor dem Einschließen blau-lilane Palisadenparenchym beim Differenzieren mit Ethanol rein blau hervorgetreten wäre?

Und zu guter letzt: kann man zum Differenzieren auch Spiritus nehmen oder sollte es unvergälltes Ethanol sein - bei 70%, wie von Jonathan vorgeschlagen?

Vielen Dank!
Jörg
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Detlef Kramer

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #13 am: Februar 12, 2009, 22:26:38 Nachmittag »
Lieber Jörg,

unvergällten Alkohol benötigst Du NIE! Spiritus ist eine Sache der Erfahrung - es ist halt keine geschützte Markenbezeichnung. Wenn Du mit der Entwässerung ganz sicher gehen willst, benutze Triäthylphosphat, wie von Robin Wacker empfohlen. Das ist allerdings ziemlich teuer und für den Amateur praktisch nicht erhältlich.

Herzliche Grüße

Detlef
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Fahrenheit

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Re: Schirmtannennadeln - von der Probe zum Präparat
« Antwort #14 am: Februar 12, 2009, 23:05:18 Nachmittag »
Guten Abend Detlef,

erneut vielen Dank für Deine Hinweise!

Jörg
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