Autor Thema: Reparatur eines alten Mikroskops  (Gelesen 38557 mal)

Adalbert

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Reparatur eines alten Mikroskops
« am: Januar 21, 2015, 18:22:20 Nachmittag »
Guten Tag zusammen,

als ich noch jung war, habe ich mit den analogen Kameras fotografiert und selbst Abzüge gemacht (aber nur schwarz/weiß). Außer der Kleibildkameras habe ich auch eine Spiegelreflexkamera 6x6cm mit Mattscheibe verwendet. Da meine  Oma vom Beruf eine Fotografin war, habe ich eine große Menge von Negativen gehabt und konnte damit experimentieren. Unter anderen gab es da unzählige Aufnahmen von Autos aus der Kriegszeit.
Dann habe ich eine lange, lange Pause einlegen müssen.
Vor ein paar Jahren habe ich schon wieder angefangen zu fotografieren aber meistens während des Urlaubs und beim schönen Wetter.
Seit dem ich aber ein stolzer Besitzer der CANON EOS 60D und vor allem des CANON EF-S 60mm Makro bin, hat die Makrofotografie mein altes (und etwas vernachlässigtes) Hobby wiederbelebt.
Der nächste logische Schritt ist also die Mikrofotografie.

Nachdem ich festgestellt habe, dass ich stundenlang Eure Beiträge lese, würde ich auch gerne mein Problem schildern und Euch um Rat bitten.
Mich würde Eure Meinung bezüglich der Mikroskop-Reparatur interessieren.
Lohnt sich ein sehr altes Mikroskop mit einem Spiegel (ohne elektrische Beleuchtung) zu restaurieren?
Falls ja, wie kann man
-   die Kratzer lackieren?
-   die kleinen Objektive reinigen?
-   die Mikrotriebe schmieren/pflegen?
-   eine elektr. Beleuchtung nachträglich einbauen?

Momentan kann ich nicht sagen, wie das Mikroskop heißt, weil ich es seit langem nicht gesehen habe.  Das ist entweder ein Zeiss oder PZO (in schwarz).

Falls die Mikroskop-Renovierung (für einen Laien) zu umständlich sein sollte, dann werde ich den Beiträgen bezüglich der Mikroskop- Beschaffung folgen.

Unabhängig von den Antworten, werde ich den „low budget“ - Adapter (ohne Okular) nach dem Rezept von „knipser009“  zusammenbauen.

Danke im Voraus für Eure Hinweise.

Gruß,
Adi

Herbert Dietrich

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #1 am: Januar 21, 2015, 18:55:55 Nachmittag »
Hallo Adi,

herzlich willkommen im Forum.

Natürlich lohnt sich ein altes Mikroskop zu restaurieren, wenn, ja wenn....
...Du die nötiger Erfahrung hast,
..das Mikroskop nicht im feuchten Keller gelagert
...die Optiken nicht verschimmelt
...und, und, und
dazu wäre ein Bild sehr hilfreich

Herzliche Grüße

Herbert

Adalbert

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #2 am: Januar 21, 2015, 19:07:43 Nachmittag »
Hallo Herbert,

das hört sich aber nicht gut an.
Ich bin nicht sicher, ob es im Keller steht.
Das ist im Elternhaus weit, weit weg.
Sobald ich es in den Händen habe, mache ich ein Foto.

Bei der Gelegenheit, kann man hier einfach Fotos einstellen oder nur die Verweise darauf?

Danke im Voraus.

Gruß,
Adi

olaf.med

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #3 am: Januar 21, 2015, 19:56:23 Nachmittag »
Lieber Adi,

Zitat
Lohnt sich ein sehr altes Mikroskop mit einem Spiegel (ohne elektrische Beleuchtung) zu restaurieren?

Ja, wenn man Sammler ist, Freude an solchen Arbeiten hat und das Objekt die Mühe lohnt! Ansonsten würde ich mir ein moderneres Stativ zulegen, vor allem, wenn Du auch noch damit fotografieren möchtest.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

the_playstation

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #4 am: Januar 21, 2015, 21:31:58 Nachmittag »
Hallo.
Meiner Meinung nach lohnt sich eine Aufarbeitung fast immer. Siehe mein KF2:
Hier mal meine kleine Reinigungsaktion des Carl Zeiss KF2:

Ich habe die Objektive poliert (Metallflächen) und die Glasflächen gereinigt.
Ich habe den Kreuztisch neu lackiert.
Die Klemme gesäubert, poliert, justiert und geölt.
Den Kondensor gereinigt und den Phasenkontrastring freigelegt.
Den Objektivrevolver neu geschmiert.

Hier nochmal die alten Bilder:




Und hier die Bilder nach der ersten, groben Reinigungsaktion:


Und hier der Kreuztisch nach der Reinigung und Neulackierung:


Und hier die mit Grünspan überzogenen und oxydierten Objektive nach der Reinigung und Politur:


Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

plaenerdd

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #5 am: Januar 21, 2015, 22:28:40 Nachmittag »
Hallo Jorrit,
war das ein Flutopfer der Elbe? :o
Schön, dass manch altes Mikroskop ein zweites Leben leben darf.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
Inverses: Willovert mit Ph

the_playstation

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #6 am: Januar 22, 2015, 01:09:42 Vormittag »
Hallo Gerd.
Es war ein Ebaykauf von einem "geschickten" Verkäufer, der es sehr geschickt verstand, durch Licht und Schatten nahezu alle Probleme und Problemstellen zu kaschieren. Z.B. das fehlende zweite CPL Okular und der bedauernswerte Erhaltungszustand des Mikroskops. Es sah, als es bei mir ankam so aus, als habe es Jahre in einer Jauchegrube verbracht. Die Instandsetzung hat daher ein paar Stunden gedauert. Ich habe z.B. die Metaloberflächen der Objektive mit Stahlfix Classic poliert und den Grob- und Feintrieb komplett demontiert, gesäubert und neu geschmiert. Der Kondensor war nicht das dreckigste Bauteil. Seit der Instandsetzung nutze Ich es als portables Mikroskop, wenn ich mich mit der Mikrogruppe Hamburg treffe. Es ist recht leicht, kompakt und durch die gebastelte LED-Beleuchtung sehr gut zum Mikroskopieren geeignet. das fehlende CPL Okular habe Ich nachgekauft.

Sofern keine Teile verbogen oder gebrochen sind, ist eine Instandsetzung oft möglich.

Bei einem Lomo und einem Carl Zeiss Jena hatte ich massive Probleme mit altem Fett. Eigentlich ist Fett der falsche Ausdruck für eine Masse, deren Konsistenz sich irgendwo zwischen 2 Komponentenkleber, Bitumenmasse und Plastikgranulat bewegt. Mit Gewalt, Wärme, ... habe ich dann aber z.B. den Feintrieb des Lomo und die Okularverstellung des CZJ reparieren können. Abzuschätzen, wieviel Kraft eine Baugruppe ohne Schaden zu nehmen verträgt, ist schon eine sehr unangenehme Sache. Aber man freut sich, wenn ein Mikroskop danach fast wieder wie neu aussieht oder die Funktion wieder hergestellt ist.

Bei einem Olympus Stereomikroskop habe ich den Binotopf ausgebeult, die Optik neu justiert und ein Stativ gebaut.

Liebe Grüße Jorrit.
« Letzte Änderung: Januar 22, 2015, 01:19:04 Vormittag von the_playstation »
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Adalbert

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #7 am: Januar 22, 2015, 11:30:55 Vormittag »
Lieber Olaf,

genau das ist der Fall. Ich möchte das Mikroskop zum Fotografieren verwenden.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, das Wichtigste ist das Stativ.
Das ist wahrscheinlich so, weil man andere Komponenten austauschen kann.
Was für eine Art der Triebe wird für die Mikrofotografie benötigt bzw. empfohlen?

Danke und Gruß,
Adi

Adalbert

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #8 am: Januar 22, 2015, 11:54:07 Vormittag »
Hallo Jorrit,

Deine Leistung ist beeindruckend.
Braucht man dafür eine hochspezialisierte Werkstatt oder könnte man das auch mit einfachen Werkzeugen bewerkstelligen?

BTW, da die Realität von der Betrachtung abhängt, lässt sie sich immer ungenauer bestimmen, je genauer man sie beobachtet (abgeleitet von Heisenberg).

Danke und Gruß,
Adi

the_playstation

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #9 am: Januar 22, 2015, 12:44:46 Nachmittag »
Hallo Adi.
Ich benutze nur 2x Schraubendreher-Sets (eines mit feinen Bits und eines mit feinen, austauschbaren Aufsätzen).
Dann noch div. Putzmittel wie Stahlfix Classic, Optical Wonder, Reinigungsbenzin, Caramba, ... Lederläppchen, Taschentücher, Q-Tipps, ... Man muß nur aufpassen, z.B keine Glaslinsen, Lacke, ... mit ungeeigneten Putzmitteln zu säubern. Als letztes benötigt man 3x Öle / Schmiermittel. Nähmaschinenöl, Kugellagerfett und schwergängiges, langkettiges Fett. Paßt Alles in einen kleinen Pappschuhkarton. In der Summe kostet es auch nicht viel. Vieleicht 20-30 Euro. Mit Pech benötigt man noch eine kleine Menge Lack zum Ausbessern. Den Tisch vom KF2 mußte Ich leider neu lackieren.
Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

the_playstation

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #10 am: Januar 31, 2015, 15:13:04 Nachmittag »
Hallo Safari.
Ich repariere halt gerne (wenn ich Zeit habe). Ein recht schwerer Fall war z.B. ein 100 Apo, bei das Einfedern nicht mehr funktionierte.
Oder eine CZJ Dioptrin-Verstellung, bei der das Fett die typische 2-Komponentenkleber-Konsistenz hatte. Ich frage mich manchmal wirklich, was CZJ als Schmiermittel verwendet hat. ;D

Die Objektive des KF2 hatten eine grüne "Oxyd-Patina". Der Tisch war ziemlich zerkratzt und abgeschliffen. Nun ist es quasi fast neu. ;)
Die Originalbeleuchtung habe Ich repariert. Aber Sie liegt in einem Kasten, da Ich es nur noch mit meiner selbstgebastelten LED-Beleuchtung betreibe. Das Okular mußte Ich demontieren und reinigen. Das zweite nachgekaufte war neu. Jetzt sehen Beide neu aus. :)

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Adalbert

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #11 am: Februar 02, 2015, 23:45:42 Nachmittag »
Hallo Jorrit,

gerade habe ich den ersten Blick auf mein ersteigertes Mikroskop Biolam geworfen und habe einige Transportschäden festgestellt:
- Abgebrochenes Teil von dem Tisch
- Abgebrochene Schraube
- Abgefallener und zerkratzter Spiegel von der Beleuchtung

Z.B.
Mikroskop-Tisch:



Schraube:





Spiegel:



Wo kann man die Ersatzteile, wie Schrauben und Spiegel bekommen?
Womit kann so ein Mikroskop-Tisch geklebt werden?

Danke im Voraus.

Gruß,
Adi

reblaus

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #12 am: Februar 02, 2015, 23:58:39 Nachmittag »
Hallo -

der Tisch ist Bakelit, wenn die rauhen Oberflächen der Bruchstücke gut ineinanderpassen kannst du das gut mit Sekundenkleber erledigen. Wenn nicht, dann mit UHU-Plus. An PVC u.ä. würde das nicht halten.

Gruß

Rolf

the_playstation

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #13 am: Februar 03, 2015, 01:14:28 Vormittag »
Hallo Adi.
Uhu hart ist auch nicht schlecht. Bakelit muß man anders kleben als Plastik. Bei Plastik kann man quasi die Teile wieder verschmelzen, indem man das Plastik anlöst. Bei Metall gibt es 2-Komponenten-Spezialkleber mit 99% Stahlpulveranteil.

Schrauben:
In Hamburg habe Ich glücklicherweise 3 Baumärkte, einen Schraubenhersteller und ein paar Fachgeschäfte in der Nähe. Am besten, man geht mit den Überresten oder einer noch heilen Schraube zu einem Fachhandel mit großer Auswahl.

Das größte Problem wird sein, den Rest der abgebrochenen Schraube wieder herauszubekommen.
Eine Möglichkeit: einen kleinen Schraubendreher mit einem kleinen Hammer in den Schraubenrest schlagen und dann versuchen, den Rest herauszudrehen. Alternativ ein Stück Federstahldraht an dem Rest der Schraube hartlöten/...
En bischen Caramba oder Nähmaschinenöl hilft zusätzlich.

Für Spiegel gibt es Spezialfirmen, die auch oberflächenverspiegeln. Ist aber leider etwas teurer. Es gibt (leider selten) manche Chrom-Lacke, die quasi sehr gut spiegelnde Oberflächen erzeugen. Aber die Qualität wird nie die einer echten Verspiegelung entsprechen. Alternative. Einen neuen etwas größeren Spiegel kaufen und zurechtschleifen.

Liebe Grüße Jorrit.
« Letzte Änderung: Februar 03, 2015, 01:17:01 Vormittag von the_playstation »
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Wutsdorff Peter

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Re: Reparatur eines alten Mikroskops
« Antwort #14 am: Februar 03, 2015, 11:29:05 Vormittag »
Guten Morgen Adi!
Schraubenrest Herausdrehen:
An der abgebrochene Schraube den ungefähren Kerndurchmesser des Gewindes feststellen. Je nach Tiefe des abgebrochenen Schraubenrests mit einem entsprechend angeschliffenen Körner den Schraubenrest ankörnen. Dann ein Durchgangsloch bohren. Im Baumarkt gibt es einen Satz Schraubenausdreher: d. s. konische Schrauben mit starker Steigung und Linksgewinde. Mit Caramba vorher arbeiten. Das ist die klassische Methode. Die  hier vorgeschlagene Schraubenziehermethode funktioniert nur, wenn man den Schraubenzieher vorher härtet: Spitze des Schr.z. in der Flamme rotglühend machen, dann in Autoöl (kein Wasser!,dann wird er zu hart und splittert) tauchen. Keine Angst, das Öl entzündet sich nicht.
Vielleicht hat Harald (er ist, wie er mir sagte, Werkzeugmacher) noch einen besseren Vorschlag.
Wenn Du in der Nähe von Lorsch wohnst, können wir das in meiner Werkstatt machen. Sonst kannst Du mir auch das Teil schicken

Gruß vom Maschinenbauer  Peter aus Lorsch