Autor Thema: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn  (Gelesen 2003 mal)

anne

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Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
« am: Dezember 09, 2020, 12:17:00 Nachmittag »
Hallo zusammen,
nachdem ich mit der großen Unterstützung durch die Beiträge hier im Forum am Sonntag auf der Ruine Lindelbrunn war, zeige ich meine Ausbeute, die ich bis heute fotografiert habe. St. pluvialis ist für mich ein sehr schweres Objekt zu fotografieren, da Sie kugelrund ist und meine Objektive nicht so viel Tiefenschärfe hergeben.
Die Phasenkontrastaufnahmen sind mit dem 60er gemacht außer die Haematococcus pluvialis, diese ist mit dem 100er gemacht.
Meine Bilder sind aus wenigen Aufnahmen  (4-8) gestackt.
Die Faszination der Alge ist dadurch noch nicht eingefangen, ich übe noch.









lg
anne

Adalbert

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Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
« Antwort #1 am: Dezember 09, 2020, 12:24:27 Nachmittag »
Hallo Anne,
mir gefallen Deine Fotos sehr gut, klasse gemacht!
Danke und Gruß,
ADi

Siegfried

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Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
« Antwort #2 am: Dezember 09, 2020, 12:30:23 Nachmittag »
Hallo Anne
Eine faszinierende Alge gekonnt auf den Foto's dokumentiert.
Sehr schön.
Die St. pluvialis wird es hier im Thüringer Wald zwar nicht geben,
aber Haematococcus pluvialis werde ich auch mal versuchen abzulichten.
 Gruß von Siegfried

anne

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Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
« Antwort #3 am: Dezember 09, 2020, 13:02:44 Nachmittag »
Hallo,
danke an Siegfried und Adi!
Nachdem ich nun diesen Beitrag gefunden habe,
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=24524.msg183244#msg183244

könnte es sich beim letzten Bild auch um das einzellige Stadium von S. pluvialis handeln?

lg
anne

bewie

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Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
« Antwort #4 am: Dezember 09, 2020, 18:09:11 Nachmittag »
Hallo Anne,

da hat sich der Ausflug nach Lindelbrunn ja wirklich gelohnt. Schöne Aufnahmen! Vor allem das erste (vermutlich gestackte) Bild zeigt sehr schön und plastisch, wie sich die einzelnen Algen mit ihren Ausläufern an der Wand der Gallerthülle verankern. Ganz ausgezeichnet, tolles Bild!

Das letzte Bild dürfte eine H. pluvialis sein, ich bezweifle, dass Stephanosphaera jemals so viel Karotin-Pigment ansammelt, wie hier zu sehen ist.

LG
Bernhard

ImperatorRex

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Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
« Antwort #5 am: Dezember 09, 2020, 18:44:25 Nachmittag »
    https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=24524.msg183244#msg183244

    könnte es sich beim letzten Bild auch um das einzellige Stadium von S. pluvialis handeln?

    Von diesem einzelligen, mobile und vegetativen Stadium von S. pluvialis habe ich zum ersten mal in dem von Dir verlinkten Beitrag gelesen. Ansonsten habe ich diesbezüglich auch nur eine weitere Quelle gefunden, wo dies auch nur am Rande erwähnt wurde.*). Hat jemand beobachtet, wann S. p. dieses einzellige, mobile Stadium ausbildet? Bilden sich daraus dann, ähnlich wie dies bei H.p. der Fall ist, die rötlichen Dauerformen (Aplanosporen) aus?
    Ich konnte bislang nicht beobachten, dass die Kranzkugeln selber jemals die rötlichen Aplanosporen ausbildet haben.
    Oft kam es in meiner Kultur zur Ausbildung von Mikrogameten, diese kopulierten sehr lebhaft. Aus den gebildeten Überbleibsel gelang es mir erst ein einziges mal, eine "S. p. Kugel" wieder zu erwecken. Daraus entwickelte sich dann die S.p. Clone-Kolonie, welche ich derzeit in Kultur habe (die mit dem Schleimpilz). (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=39313.msg289467#msg289467)

    *) Friederike Wawrik, Lothar Sandmann (1984): Algen-Besiedlung zweier periodisch austrocknender Granitmulden im Waldviertel (Nieder-Österreich). – Phyton, Annales Rei Botanicae, Horn – 24_2: Seite 250. (https://www.zobodat.at/publikation_articles.php?id=113132)

    Viele Grüße
    Jochen[/list][/list]
    « Letzte Änderung: Dezember 09, 2020, 19:39:33 Nachmittag von ImperatorRex »

    Martin Kreutz

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #6 am: Dezember 09, 2020, 19:27:21 Nachmittag »
    Hallo Anne,

    meinen Glückwunsch zu dem schönen Fund und den gelungenen Fotos. Wahrlich ein fotogenes Objekt! Ich bin mir jedoch nicht sicher, was man auf Deinem zweiten Foto sieht. Ist das eine apikale Ansicht der Zellen oder ist es ein Vermehrungsstadium?

    Schönen Abend!

    Martin

    anne

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #7 am: Dezember 09, 2020, 19:48:38 Nachmittag »
    Hallo Jochen,
    den Artikel habe ich auch gefunden.
    Hier noch das Bild im Phasenkontrast im DIC mit dem 100er Objektiv.
    Danach das was ich in Loch 8 gefunden habe, in diesem Loch waren keinerlei S. pluvialis. Und noch ein Bild (sorry die Qualität) wo diese Perlenketten der "Aufhängung"auffällig sind.
    DIC-Bild


    Loch 8




    lg
    anne
    « Letzte Änderung: Dezember 09, 2020, 19:55:21 Nachmittag von anne »

    anne

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #8 am: Dezember 09, 2020, 19:52:54 Nachmittag »
    Hallo Martin,

    dankeschön!
    Ich denke Bild 2 ist in " Friederike Wawrik, Lothar Sandmann (1984), Abb. d, Seite 248" beschrieben, ein knospendes Entwicklungsstadium.
    Ich habe dies so sehr häufig gefunden. Das Phasenkontrastbild in der unteren Reihe links entspricht der Ansicht von der Seite.
    lg
    anne

    bewie

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #9 am: Dezember 09, 2020, 21:31:33 Nachmittag »
    Hallo,

    tja, die einzelligen mobilen Formen von Stephanosphaera - ob es die wirklich gibt? Ich habe sie noch nie gesehen. Und was ich dazu in der Literatur gefunden habe, ist ziemlich vage und nicht wirklich überzeugend. Aber auch zu den Aplanosporen habe ich nichts Überzeugendes gefunden und gesehen habe ich bisher - ebenso wie Jochen - auch noch keine. Es sei denn, sie sehen genauso aus wie die Aplanosporen von Haematococcus. Im Bodensatz von Haematococcus-Ansätzen findet man immer massenhaft encystierte Formen, mal mehr mal weniger stark mit Karotinoiden beladen. Im Bodensatz von Stephanosphaera-Ansätzen habe ich bisher immer nur schattenhaft wirkende zugrunde gegangene Kolonien entdeckt. Es sei, es waren auch Haematococcen mit im Ansatz, dann waren am Boden auch die bekannten Aplanosporen von Haematococcus.

    Vielleicht kennt sich hier jemand noch besser in der Literatur aus und kann uns weiterhelfen? Vielleicht kann man sich aber auch noch Sporen verdienen, wenn man die Bildung von Aplanosporen und die Revitalisierung zur mobilen Form mal genauer untersucht und dokumentiert.

    @ Martin: Das Bild 2 sieht man immer, wenn man eine relativ junge Kolonie strikt basal oder apikal mit mittigem Fokus betrachtet. Wäre es ein vegetatives Vermehrungsstadium, würdest du bei apikaler Ansicht Teilungsfurchen in den 8 Algen sehen, denn die Teilung läuft bei Stephanosphaera längs und synchron bei allen Algen der Kolonie.

    LG
    Bernhard

    bewie

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #10 am: Dezember 09, 2020, 22:27:18 Nachmittag »
    Hallo,

    habe gerade den alten Beitrag von Holger gesehen (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=5233.0), in dem er Aplanosporen von Stephanosphaera zeigt. Die sehen schon anders aus als die Haematocysten.

    LG Bernhard

    Gerald

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #11 am: Dezember 10, 2020, 11:28:03 Vormittag »
    Hallo Anne,

    vielen Dank für das Zeigen Deiner schönen Bilder von dieser wundervollen Algen.

    Ist es für Dich in Ordnung, wenn ich in Deinem Beitrag Bilder veröffentliche und auf die Frage von Jochen bezüglich der Aplanosporen eingehe?

    Viele Grüße

    Gerald
    Wer keine Zeit hat wird sich auch keine nehmen können.

    anne

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #12 am: Dezember 10, 2020, 12:38:38 Nachmittag »
    Hallo Gerald,
    aber natürlich, nur zu!
    lg
    Anne

    Gerald

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #13 am: Dezember 10, 2020, 20:18:22 Nachmittag »
    Hat jemand beobachtet, wann S. p. dieses einzellige, mobile Stadium ausbildet? Bilden sich daraus dann, ähnlich wie dies bei H.p. der Fall ist, die rötlichen Dauerformen (Aplanosporen) aus?

    Hallo Jochen,

    hier ein paar Bilder von Stephanosphaera pluvialis aus meinen eingliedrigen Kulturen. Ich hatte die Alge 2012 gefunden, isoliert (was auf Grund der Größe kein Problem darstellte) und bis Anfang 2020 in Kultur.


    Stephanosphaera pluvialis: Kolonien und Übergangsformen in das Palmellastadium


    Stephanosphaera pluvialis: kurz vor dem Dauerstadium



    Stephanosphaera pluvialis: Aplanosporen

    Viele Grüße

    Gerald
    Wer keine Zeit hat wird sich auch keine nehmen können.

    Bernd

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    Re: Stephanosphaera pluvialis - Burgruine Lindelbrunn
    « Antwort #14 am: Dezember 10, 2020, 21:22:25 Nachmittag »
    Liebe Algenfreunde,

    das mit den einzelligen Formen von Stephanosphaera ist eine sehr interessante Sache. Ich habe ein wenig recherchiert. Hier meine Erkenntnisse.

    Beim Altmeister der Stephanosphaera-Forschung (Cohn, F. (1853). Über eine neue Gattung aus der Familie der Volvocinen. Zeitschrift für wissenschftliche Zoologie 4, 77-116, Tafel VI.) habe ich diesbezüglich nur wenig oder besser nichts gefunden. Nur Fig. 20 zeigt „Eine Primordialzelle, welche nach Ausscheidung einer besonderen Hülle in Chlamydomonasähnlichem Zustand aus der gemeinschaftlichen Hüllzelle ausgetreten ist und spater in ein ruhendes Stadium übergeht.“ Die gezeichnete Zelle sieht wirklich wie eine Chlamydomonas aus.

    Auf den ersten Blick scheint folgende Arbeit aufschlußreich zu sein: Hartmann, M. (1924). Ueber die Veranderung der Koloniebildung von Eudorina elegans und Gonium pectorale under dem Einfluss außerer Bedingungen. Mitt. der Undersuchungen uber die Morphologie und Physiologie des Formwechsels der Phytomonadinen (Volvocales). Arch Protistenkd 49, 375-395.
    Die Einleitung beginnt so: Die Veranlassung zu der vorliegenden Arbeit waren Beobachtungen und daran anschließende Versuche, die ich in den Jahren 1902/03 an der Volvocinee Stephanosphaera pluvialis gemacht hatte.
    Schon die ersten Untersucher dieser schönen Form hatten beobachtet, daß sie nicht nur in der typischen Ausbildung als achtzellige Kolonie in der freien Natur vorkommt, sondern auch als vielzellige, ja sogar als zwei- und einzellige Form. In meinen Kulturen konnte ich dieselbe Beobachtung machen und zugleich feststellen, daß Alter und Konzentration des Kulturmediums von großem Einfluß auf das Auftreten dieser atypischen Formen ist.
    Leider fehlt eine Referenz, wahrscheinlich hat Hartmann diese Beobachtungen nicht publiziert. Ich konnte jedenfalls keine diesbezügliche Publikation von ihm zwischen 1900 und 1935 finden.

    Aus neuerer Zeit scheint es nur eine diesbezüglich relevante Arbeit zu geben:
    Boldina, O. N., Ulanova, A. A., and Chunaev, A. S. (2014). Stephanosphaera pluvialis (Volvocales, Chlorophyta), a rare freshwater species from northwestern Russia. Nov. Sist. Nizsh. Rast 48, 27-37.
    Der Text ist auf Russisch und damit für mich nicht zugänglich, aber der Abstract ist auf Englisch. Hier ein Auszug: After 1.5–2 months cultivation….single cells with thickened walls (cysts or zygotes) of different sizes were revealed. After 5 months of cultivation, few single cells with short appendix or very small young coenobia with rounded cells were observed.
    Auf Tafel 2 und 3 finden sich folgende Fotos:
    7 — unicellular stages
    6, 7 — cysts (or zygotes).

    Somit belegen die Fotos von Gerald einen bisher kaum oder gar nicht dokumentierten Entwicklungszustand von Stephanosphaera.

    Viele Grüße
    Bernd