Autor Thema: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung  (Gelesen 3902 mal)

plaenerdd

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Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« am: August 18, 2018, 12:37:45 Nachmittag »

Das Kleinmikroskop C von den Rathenower Optischen Werken ist eines der in Deutschland am weitesten verbreiteten Mikroskope überhaupt. Es war über Jahrzehnte DAS Schulmikroskop in den Schulen der DDR. Ausführlich beschrieben ist das KMC mit allen seinen Zusatzgeräten in BONNKE, LEHR, SCHEPLITZ: „Wir mikroskopieren“ vom VEB Verlag Technik Berlin1973. Diese Zusatzgeräte (Projektionsleuchte und Zeichenprisma) sind  weniger häufig auf dem Gebrauchtmarkt zu finden und seien hier kurz vorgestellt: Mit der Projektionsleuchte lassen sich in einem gut abgedunkelten Raum einfache Mikroprojektionen durchführen. Je nach Stellung der kippbaren Vorrichtung kann man das Bild entweder an die Wand oder an die Decke werfen. Dazu wird das Okular entfernt. Das Zeichenprisma hingegen lässt sich nur auf das Okular aufstecken. Zum Zeichnen muss die gesamte Vorrichtung in die Waagerechte gebracht werden, was nur mit Präparaten zu bewerkstelligen ist, die nicht auslaufen können.


Optisch ist das KMC keine Neuerung. Gegenüber dem Kleinmikroskop „B“ sind nur mechanische Veränderungen vorgenommen worden. Auch wenn ein vollkommen neuer Mechanismus gefunden wurde, um das Vorsatzobjektiv vor das Hauptobjektiv zu bringen, sind doch alle optischen Parameter beibehalten worden. So sind die mit dem ausziehbaren Tubus und dem 20-fach vergrößernden orthoskopischen Okular erreichbaren Vergrößerungen allein mit dem Hauptobjektiv von 50x bis 100x und mit dem zusätzlich vorgeschaltetem Objektiv 125x bis 225-fach beibehalten worden. Selbst die Lochblende mit ihren 3 Stellungen ist 1:1 übernommen worden. Neu ist hingegen, dass das Stativ um 30 Grad neigbar ist, so dass ein bequemerer Einblick möglich wird, zumindest wenn das Präparat es erlaubt, denn der Tisch wird ja mit geneigt.

Das KMC wurde über 3 Jahrzehnte nahezu unverändert produziert. Dennoch gibt es Varianten:
seit ca 1973 1968
mit Dreieck unter dem ROW-Logo
-Klemmen geschraubt
-Tisch grau
-fein geriffelter Triebknopf mit Schraube gesichert
-Projektionsleuchte mit Rubinglasteil, feststehender Lampe und beweglicher Linse, mit Filtereinschub und der Lichtwurflampe 6V/30W,
80er Jahre:
-nur ROW-Logo
-Klemmen gesteckt
-Tisch schwarz
-teilweise mit fein geriffelten aber meist mit grob geriffelter Triebknopf, der fest auf der Achse montiert ist
-Projektionsleuchte mit Kühlrippen, beweglicher Lampe aber fester Linse mit Leuchtmittel 6V/15W (wie Zeiss Jena mit dem ROW zum Kombinat „Carl-Zeiss-Jena“ vereinigt wurde)
90er Jahre:
-Logo „KMC“  vertrieben unter KMC von ASKANIA Optische Werke Rathenow GmbH, sonst wie 80er Jahre. Teilweise kam das Gerät auch schwarz lackiert in den Handel. Das Gewinde im Fuß ist etwas enger geschnitten und passt nicht mehr richtig auf die älteren Projektionslampen.

Mir liegen 5 unterschiedliche Bedienungsanleitungen vor, die sich allerdings nur geringfügig unterscheiden (Tietelbilder, Bilder zur jeweiligen Projektionsleuchte, Buchempfehlungen) Nur die Bedienungsanleitung von ASKANIA ist komplett neu erstellt worden, aber sehr viel dürftiger im Informationsgehalt, als die aus DDR-Zeiten. Die Existenz einer Projektionsleuchte wird hier nicht mehr erwähnt.
Da das Gerät über Jahrzehnte das Schülermikroskop schlecht hin war, gab es in der DDR auch weitere Lehrmittel, die darauf aufbauten. Hier ein Stempel, den auch ich seiner Zeit in mein Biologieheft gedrückt bekommen habe, damit die Mikroskopteile daran bezeichnet werden konnten. Es war ja noch eine Zeit ohne Kopierer und mit sehr restriktiven Vorschriften zur Vervielfältigung von Druckschriften aller Art.

Und noch ein ostalgischer Stempel: Der auf der Unterseite des Holzkastens, aus dem hervor geht, dass der Endverbraucherpreis für dieses Gerät 110,-M war.


Zerlegen und Reinigen
Im oben erwähnten Buch „Wir mikroskopieren“ ist auch ein Explosionszeichnung vom KMC zu finden, allerdings ohne die Linsen. Die in die Jahre gekommenen Geräte muss man i.d.R. gründlich reinigen, wenn man sie benutzen will. Das geht bei den recht kleinen Linsendurchmessern nur dann so richtig, wenn man sie zuvor ausbaut.

Das Okular ist mit einer Seegerringzange leicht zu öffnen. Man löst den dreikantigen unteren Teil des Okulares durch Linksdrehen und zieht ihn heraus. Vorsicht! Die beiden Linsen und der Abstandshalter kommen dabei gleich mit. Nach dem Reinigen muss man gut darauf achten, die Linsen richtig herum wieder einzubauen. Die beiden gewölbten Flächen müssen zueinander zeigen,

Etwas schwieriger ist es, an die beiden Objektivlinsen heran zu kommen. Dazu muss man den schwarzen Objektivrevolver aus dem unteren Teil des Tubus schrauben,was oft recht schwer geht. Hier hilft vorsichtiges Erwärmen mit einem normalen Haarföhn und eine Siphonzange oder die Boa-Gurtzange. Es handelt sich um ein feines Rechtsgewinde. Hat man den Objektivrevolver herausgeschraubt, kann man ihn mit einem normalen Schraubendreher in zwei Teile zerlegen. Die Linsen sind mit einfachen Sprengringen in ihren Hülsen befestigt und lassen sich i.d.R. mit einem kurz angefassten Wattestäbchen von außen nach innen einfach herausdrücken. Auch hier gilt: Linsen richtig herum wieder einbauen! Die glatten Flächen der achromatischen Zweilinser müssen nach unten weisen, die gewölbte Seite zum Tubus. Für das Reinigen der Linsen gilt das Gleiche wie für Zeiss-Jena-Mikroskope: Kein Alkohol! Kommt man mit entfettetem Pinsel und Aqua dest. (anhauchen) noch nicht zum Ziel, reinigt man mit Wundbenzin aus der Apotheke. Ein fusselfreies oft gewaschenes Baumwolltaschentuch leistet hierbei gute Dienste.

Da es sich bei den Spiegeln nicht um Oberflächenspiegel handelt, sondern die Rückseite des gewölbten Glases verspiegelt ist, kann man dieses optische Teil recht einfach wie eine Glasscheibe putzen: mit etwas Wasser, eventuell mit einen tropfen Spüli und dem oben erwähnte Taschentuch.

Bei Gebrauchtkäufen achte man darauf, dass der Spiegel vorhanden und in Ordnung ist. Ein einzelner Spiegel kostet oft so viel wie ein ganzes Mikroskop. Ersatzteile gibt es zu Apothekenpreisen z.B. bei  mikroskopier-bedarf.de oder auch direkt bei ASKANIA, aber dort muss man erst eine Anfrage stellen, um Preise zu erfahren. Wenn man bedenkt, dass diese Mikroskope oft schon für 20,-€ zu haben sind, macht es finanziell jedoch wenig Sinn sich Ersatzteile zu kaufen.

Beste Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: August 19, 2018, 10:09:16 Vormittag von plaenerdd »
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Egbert Lange

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #1 am: August 19, 2018, 03:08:22 Vormittag »
Hallo Gerd,
das Kleinmikroskop C war auch mein erstes Mikroskop, welches man bereits 1970 für 110 Mark kaufen konnte. Diese Mikroskope waren über einen langen Zeitraum ohne Probleme bei fast jedem Optiker oder Photoladen zu bekommen.
Die Projektionseinrichtung mit der "geriffelten" Projektionsleuchte habe ich mir 1972 ab Werk ROW Rathenow gekauft. Die komplette Einrichtung mit Trafo, Prisma, Lampe und Ersatz-Lichtwurflampen kostete 166,31 Mark. Dazu kamen Karton 2 M, Porto 2,50 M und Rollgeld 0,20 M. Es gab also damals noch hilfsbereite Leute in Rathenow!
Für ein größeres Mikroskop war man zu dieser Zeit auf Gebrauchtwaren-Händler angewiesen. Wenn man Glück hatte, gab es zufällig im Pentacon-Industrieladen in Leipzig brauchbares Zubehör für den Lohn aus mehrwöchiger Ferienarbeit zu kaufen.

Beste Grüße,
E.

« Letzte Änderung: August 19, 2018, 03:11:10 Vormittag von Egbert Lange »

plaenerdd

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #2 am: August 19, 2018, 09:01:22 Vormittag »
Hallo Egbert,
Danke für die aufschlussreichen Zahlen. Mir ist bisher noch immer nicht bekannt, wann genau das KMC auf den Markt kam. Meine Zahl von "ca. 1973" habe ich aus der Tatsache geschlossen, dass das kleine Dreieck mit den zwei Strichen aufgedruckt ist, welches laut dieser Übersicht 1973 eingeführt wurde, wobei  daraus nicht ganz eindeutig hervor geht, ob die verkleinerte zwei-Striche-Darstellung nicht auch schon vor der Schriftzug-Umstellung von 1973 verwendet wurde.
LG Gerd
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plaenerdd

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #3 am: August 19, 2018, 10:00:55 Vormittag »
Hallo,
gerade habe ich noch einen Hinweis gefunden, dass es das KMC mindestens seit 1968 gibt und zwar im Literaturverzeichnis von "Wir mikroskopieren":
Bonnke, H.: Kleinmikroskop C mit Trieb. Das neue Schülermikroskop des VEB Rathenower Optische Werke. Feingerätetechnik 17 (1968) 2

Auch die modernere Projektionslampe muss mindestens auf 1973 zurückdatiert werden, denn da ist sie schon in "Wir mikroskopieren" abgebildet, während sich die ältere mit dem Robinglasteil nur in einer der 5 Bedienungsanleitungen findet, die leider keine Jahreszahl aufweist.
LG Gerd
« Letzte Änderung: August 20, 2018, 19:40:47 Nachmittag von plaenerdd »
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Lupus

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #4 am: August 19, 2018, 10:25:55 Vormittag »
Hallo Gerd,

sehr interessant, speziell die originelle Verwendung als Projektionsmikroskop.

Hubert

Bob

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #5 am: August 19, 2018, 14:19:36 Nachmittag »
Hallo Gerd,

es gab doch so einen Katalog der DDR-Erzeugnisse. Vielleicht findest Du die Ausgabe, in der es zuerst auftaucht, und kannst so den Produktionsbeginn bestimmen.
Ich finde, dass für viele Objekte ein 40er Objektiv nützlich ist. Das bieten leider die wenigsten Mikroskope dieser Größe.
Der Trieb vom KMC ist nicht so toll, der hat m. E. mit den gebotenen Vergrößerungen genug zu tun. Insgesamt ist das KMC auf jeden Fall ein sehr gelungenes Gesamtpaket.

Danke für Deine Anleitung zur Überholung dieser Instuments. Es ist leicht und günstig zu beschaffen und der größte Mangel wird bei den meisten Exemplaren der Pflegezustand sein.

Viele Grüße,

Bob

Michael L.

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #6 am: August 19, 2018, 15:07:06 Nachmittag »
Hallo Gerd,

schöne Dokumentation! Es gab auch noch eine Batterieleuchte mit 4,5V Flachbatterie die unter den Fuß befestigt wurde, wird auch gelegentlich bei e-bay angeboten. Auch habe ich mal eine Schullehrtafel gesehen die anhand des Kleinmikroskopes den Strahlengang im Mikroskop erläutert.

Gruß,

Michael L.

Cluster001

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #7 am: August 19, 2018, 20:29:12 Nachmittag »
Ja, an den Unterricht mit dem Mikroskop und meinen eigenen Untersuchungen zu Hause kann ich mich noch erinnern. Auf jeden Fall ein gutes Gerät trotz seiner Einfachheit.
Kurz vor der Wende hatte ich mir eins für 110 oder 120 Mark gekauft.
Keine Ahnung wo es jetzt ist. Ich hatte bei meinen Eltern gesucht konnte es aber nicht mehr finden.

Grüße
Roland
Leica DM 750

Egbert Lange

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #8 am: August 20, 2018, 09:50:23 Vormittag »
Später (??) gab es die Projektionsleuchte mit Halogenlampe 6V 25W. Es werden Halogenlampen mit Keramik-Justiersockel verwendet, wie bei den neueren Mikroval.

Beste Grüße,
E.
« Letzte Änderung: August 20, 2018, 09:59:03 Vormittag von Egbert Lange »

plaenerdd

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #9 am: August 20, 2018, 19:40:21 Nachmittag »
Hallo,
freut mich, dass der Artikel doch ein wenig Resonanz findet, auch wenn es heir nicht um ein High-End-Gerät geht.
Zitat von: Bob
Ich finde, dass für viele Objekte ein 40er Objektiv nützlich ist. Das bieten leider die wenigsten Mikroskope dieser Größe.
Ja, das 40er Objektiv... Ich habe ja mal einen Umbau des KMC beschrieben, so wie ich es mit CZJ-Objektiven mit RMS-Gewinde als Reisemikroskop nutze. Da kann ich natürlich ein 40er Objektiv dran bringen, aber ich sage gleich: Das macht keine Freude und zwar aus 2 Gründen:
1. der fehlende Feintrieb - die vorhandene "Rutschkupplung" ist dafür viel zu grobschlächtig
2. der fehlende Kondensor. Mit dem Hohlspiegel, der das Licht ja schon ganz ordentlich bündelt erhalte ich nur eine Beleuchtungsapertur von vieleicht 0,3 (geschätzt, nicht berechnet!). Das ist viel zu wenig für ein 40er Objektiv, das i.d.R. über 0,6 haben will. Das sieht dann aus wie mit viel zu enger Aperturblende. Da ist auch kein wirklicher Auflösungsgewinn mehr zu verzeichnen, gegenüber dem 20er Objektiv. Ich arbeite deshalb am liebsten mit dem 10/0,30-er Apochromat und mit einem recht modernen 20er Achromat, der auch die 0,30-er Apertur hat. Beide in Verbindung mit dem PK10, gelegentlich einem PK16, aber das ist dann auch das Höchste, was dieses Stativ her gibt.

Zitat von: Bob
...es gab doch so einen Katalog der DDR-Erzeugnisse. Vielleicht findest Du die Ausgabe, in der es zuerst auftaucht,...
Die Kataloge der DDR-Erzeugnisse sind meines Wissens nicht jährlich neu aufgelegt worden. Bei mikroskop-online. de sind nur zwei verfügbar, die von 1976 und 1981. In beiden ist natürlich das KMC zu finden. In der DDR wurde in 5-Jahes-Rhythmus geplant (5-Jahrespläne, die auf den alle 5 Jahre stattfindenden Parteitagen der SED beschlossen wurden).

Zitat von: Michael L.
Es gab auch noch eine Batterieleuchte mit 4,5V Flachbatterie die unter den Fuß befestigt wurde
Ja, die Dinger kenne ich auch. Die hatten eine Glühlampe mit Linsenwölbung, die aber natürlich nicht geschliffen war. Nicht ganz einfach, damit eine gleichmäßige Ausleuchtung hin zu bekommen, von einer brauchbareb Apertur ganz zu schweigen. Da bringt es wirklich mehr, sich eine möglichst große Milchglaslampenkugel vor das Mikroskop zu stellen und die ein zu spiegeln.

Beste Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: März 25, 2020, 11:21:57 Vormittag von plaenerdd »
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d65

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #10 am: Dezember 26, 2018, 12:33:36 Nachmittag »
Entschuldigt bitte, dass ich diesen alten Thead wieder ausgrabe. Also erst mal vielen Dank für die ganzen hilfreichen und interessanten Informationen. Eine Sache beschäftigt mich noch:
Für das Reinigen der Linsen gilt das Gleiche wie für Zeiss-Jena-Mikroskope: Kein Alkohol!

Warum ist das so? Und gilt das nur für 70% Ethanol oder auch für Methanol und Isopropanol? Und vermutlich auch für den Vorgänger, das Kleinmikroskop B?

Liebe Grüße
Steffen

Klaus Henkel

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #11 am: Dezember 26, 2018, 15:03:51 Nachmittag »
Entschuldigt bitte, dass ich diesen alten Thead wieder ausgrabe. Also erst mal vielen Dank für die ganzen hilfreichen und interessanten Informationen. Eine Sache beschäftigt mich noch:
Für das Reinigen der Linsen gilt das Gleiche wie für Zeiss-Jena-Mikroskope: Kein Alkohol!

Warum ist das so? Und gilt das nur für 70% Ethanol oder auch für Methanol und Isopropanol? Und vermutlich auch für den Vorgänger, das Kleinmikroskop B?

Steffen

Hallo Steffen!
Das gilt für alle Alkoholesorten jeglicher Konzentration.
Alk. löst den Kitt (zumeist ein natürlicher oder künstlicher Balsam), mit dem Linsen aneinander geklebt sind. Sie werden dann in ihren Fassungen locker. Objektive, die aus mehreren Linsen bestehen wie auch einlinsige werden dann unbrauchbar, die Bilder werden dann unscharf, trübe, usw.

Zum Reinigen haucht man z.B. eine Frontlinse an, säubert mit einem Marderhaarpinsel die Lindenoberfläche, wischt sie gaaanz vorsichtig mit einem unimprägnierten weichen Tuch ab, das man mit dest. Wasser leicht angefeuchtet hat. Wenn man die Frontlinse auf diese Weise nicht "glasklar" sauber bekommt, dann liest man zunächst das entsprechende Kapitel in der "Mikrofibel" nach.

Die meisten Verunreinigungen narren aber den Mikroskopbenutzer. Die sind im Okular auch sichtbar, wenn sie als Schmutz oder Staub im Kondensor oder in der Leuchtfeldblende sitzen.

KH

d65

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #12 am: Dezember 26, 2018, 16:20:03 Nachmittag »
Ah, ok, danke.
Und diese genannten Mikroskope haben dann wohl im Gegensatz zu modernen Objektiven und Okularen (mit denen ich normalerweise zu tun habe) keine Versiegelung. Denn im Labor sind die drei genannten Alkohole ja Standard zum Reinigen. Da gibt es das Problem dann offensichtlich nicht mehr. Aber gut zu wissen, dass ich bei meinen alten Schätzchen da vorsichtig sein muss.
Steffen


plaenerdd

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #13 am: Dezember 26, 2018, 20:02:44 Nachmittag »
Hallo Steffen,
von Zeiss gibt es eine ausführliche Schrift zu dem Thema: Das saubere Mikroskop. Wenn Du das gelesen hast, denke ich wirst Du auch modernere Mikroskopoptiken nicht mit Alkohol traktieren. Das beste, was in jeder Apotheke zu bekommen ist, wenn Aqua dest und Aqua dest + Spühlittel nicht geholfen haben, ist Wundbenzin.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
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d65

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Re: Kleinmikroskop „C“ - Vorstellung und Reinigung
« Antwort #14 am: Dezember 27, 2018, 13:32:06 Nachmittag »
Hallo Gerd,

da scheint auch bei und zwischen den Herstellern keine Einigkeit zu bestehen, was denn nun geht und was nicht. Aber Alkohol scheint nicht mehr das Problem zu sein. In der von Dir verlinkten pdf-Datei von 09.08, die ich auch auf Papier habe, heißt es u.a.:

Seite 7: "Die manchmal empfohlenen, leicht ammoniakhaltigen Haushalts-Glasreiniger (z.B. SIDOLIN, SPARKLE, Blue WINDEX) sollten nicht ständig eingesetzt werden. ...  In älteren Mikroskopen sind die Linsen mit alkohollöslichen Optikkitten wie z.B. Kanada-Balsam gekittet. Die heutigen Optikkitte sind in der Regel Polyacryl-Kunstharze, bei denen dieses Problem nicht besteht."
Seite 11: "Rückstände entstehen besonders bei Verwendung von Xylol und reinem Ethanol und vor allem wenn die Verschmutzung
wasserlösliche Bestandteile enthält."
Und Seite 14: "Rezeptur von Carl Zeiss für Optik-Putzmischung Rezept: 85 % n-Hexan, 15 % Isopropanol."
Und schließlich nochmal Seite 17: "Verwenden Sie für die Reinigung älterer Mikroskopoptik kein Ethanol, Diethylether oder Aceton (z.B. die STANDARD-Reihe von Carl Zeiss Oberkochen oder die MIKROVAL- und JENA-Mikroskope 250 CF-Reihen von Carl Zeiss Jena)."

Demnach ist Isopropanol unschädlich und Ethanol bei neueren Optiken ebenfalls.

Von Leica Microsystems gibt es einen Flyer "Cleaning of Microscope Optics"(https://www.leica-microsystems.com/fileadmin/downloads/Leica%20DM4%20P/Brochures/Cleaning_of_Microscope_Optics-Flyer_en.pdf), da heißt es:
"No ammonium containing glass cleaner like Sidolin, Sparkle, etc. ... Remove solvent soluble dirt. I. Use ultra pure solvents a. Ethanol PA" oder (wie auch in der Zeiss-Broschüre erwähnt) Aceton, was aber Plastik sowie die Beschriftung der Objektive angreifen kann.
Auch hier ist Ethanol offensichtlich kein Problem und ich werde wohl weiter bei 70% Ethanol bleiben. Meiner Erfahrung nach lässt sich Immersionsöl damit leichter säubern als mit Isopropanol oder Methanol und das ist die häufigste Verschmutzung mit der ich zu tun habe.

Olympus verteilt nun wieder Proben des in den USA weit verbreiteten Glasreinigers Sparkle zum Reinigen der Optiken. Also genau der, der von Zeiss und Leica ausdrücklich nicht empfohlen wird.


Nun will ich diesen Thread über das KMC aber nicht komplett in eine neue Richtung leiten, sondern die Gelegenheit nutzen, noch eines der oben erwähnten zusätzlichen Lehrmittel zu zeigen, die es gab: Eine Schultafel, ca 80 auf 115 cm groß, die sehr schön den Strahlengang darstellt.



Liebe Grüße
Steffen

Nachtrag: Da ich auf einem anderen Computer das Bild der Schultafel gerade selber nicht sehen kann (alles schwarz), hier noch der direkte URL zum draufklicken:
https://www.pic-upload.de/view-36312767/KMB-Tafel.jpg.html
Nachtrag 2: Jetzt sollte es wieder klappen mit dem Bild.
« Letzte Änderung: Januar 10, 2019, 18:14:29 Nachmittag von d65 »